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Obamas Indienreise Warum Indien für die USA so wertvoll ist

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Zeiten des rein physischen Terrors sind vorbei

Zum Terrorismus gehört aber nicht nur physische Gewalt, sondern auch Anschläge auf Computersysteme. China, Russland und der Iran waren immer wieder die Ausgangsorte solcher Anschläge auf Banken, andere Unternehmen und staatliche Einrichtungen, Nordkorea war der amerikanischen Regierung zufolge vor kurzem der Urheber des Angriffs auf die Computer von Sony Pictures. Was China angeht, hat Präsident Obama seinem Kollegen Xi Jinping Beweise für Online-Diebstahl durch Hacker mit Sitz in China vorgelegt – trotzdem streiten die chinesischen Behörden solche Vorwürfe ab. Aus Russland und anderen Ursprungsländern wurde vor gar nicht so langer Zeit so genannte Malware in die Kontrollsysteme des amerikanischen Energienetzes und andere wichtige Netzwerke eingespeist, wie der Fernsehsender ABC berichtete.

Für die Zukunft müssen sich die USA gegen mögliche Online-Angriffe nicht-staatlicher Terrorgruppen wappnen. Gewiss: Die Kämpfer von „Al Qaeda“ oder dem „Islamischen Staat“ haben wahrscheinlich nicht die entsprechenden Kenntnisse und Fähigkeiten. Das hindert sie aber nicht, Leute mit entsprechender Qualifikation anzuheuern. In Indien gibt es eine große Zahl hoch talentierter Computeringenieure, und der eine oder andere mag Sympathien für die Ideologie der Islamisten haben. Die USA wie Indien würden profitieren, wenn sie gemeinsam entsprechende Pläne von Terroristen bekämpfen.

Und das dritte Thema für Obama in Indien ist China. Genauer gesagt: Das deutlich geäußerte Ziel Pekings, Vormacht in Asien zu werden und die USA aus der Region zu verbannen. Chinas hegemoniale Ambitionen laufen aber auch den strategischen Interessen Indiens zuwider – Grund genug für Modi, die Beziehungen seines Landes zu den kleineren Nachbarstaaten wie zu den USA auszubauen. Obama hat bereits klar gemacht, dass die USA Modis Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit Russland hinnimmt, trotz der westlichen Sanktionen. Modis Politik stammt einfach aus seinem Interesse, eine chinesisch-russische Allianz gegen Indien zu verhindern.

Ausland



Modis Hauptziel ist wirtschaftliches Wachstum. Darum hat er auch im vergangenen Jahr haushoch die Wahlen gegen die Vorgängerregierung gewonnen, unter der das jährliche Wachstum des indischen Bruttoinlandsprodukt von mehr als acht Prozent in mehreren Jahren vor 2010 seitdem zurück gegangen war, auf zuletzt nur fünf Prozent 2013. Das lag daran, dass  Sonia Gandhi, die Vorsitzende der Kongresspartei, für eine populistische Wende der Politik gesorgt hatte. Modi dagegen will jetzt dafür sorgen, dass die Bürokratie nicht länger wirtschaftliche Aktivitäten verzögert, will Investitionen in die Infrastruktur steigern, die Industrieproduktion fördern und das Steuersystem vereinfachen. In diesen Kontext gehört auch die erforderliche Wende zu einer aktiven Außenpolitik.

Ein solches Indien als aktiven Partner in der Weltwirtschaft und in der internationalen Politik zu kultivieren, muss von hoher Priorität für die USA sein – und für den Westen insgesamt.

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