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Ökonom Michael Pettis „China löst seine Probleme nicht“

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Bei einem geschlossenen Kapitalmarkt wie China ihn hat, kann die Regierung mit diesem Modell ziemlich lange weitermachen.

Die Sowjetunion hatte auch einen geschlossenen Kapitalmarkt, und die Wirtschaft ist trotzdem zusammengebrochen. Japan hatte ebenfalls einen im Großen und Ganzen abgeschotteten Kapitalmarkt. Wenn man einmal anfängt, Geld für Investitionen zu leihen, die nur noch Verluste einbringen, steigen die Schulden unkontrolliert.

"Die Zeche zahlen die privaten Haushalte"

Dann rekapitalisiert Chinas KP die Banken eben und lagert die faulen Kredite in Asset Management Companies aus, wie sie es bereits Ende der Neunzigerjahre getan hat.

Die Regierung kann die Schulden hin- und herschieben, aber sie kann sie nicht verschwinden lassen. Zurückgezahlt werden muss immer, auch in China. Zurzeit lässt die Regierung den einfachen Arbeiter, den privaten Haushalt, die Zeche zahlen, nämlich durch niedrige Zinsen. Die Zinsen für Bankeinlagen sind in China deutlich niedriger als die für Kredite. Die Regierung entzieht den Privathaushalten einfach riesige Vermögen. Dann ist es auch kein Zufall mehr, dass der Anteil des privaten Verbrauchs an der Wirtschaftsleistung in den letzten zehn Jahren von 46 auf 34 Prozent gesunken ist. Eine so niedrige Zahl ist in der gesamten Wirtschaftsgeschichte beispiellos.

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    Dann wächst Chinas Wirtschaft eben weiter mit Hilfe des Exports.

    Der Handelsbilanzüberschuss ist doch schon jetzt viel zu hoch. Nein, China muss endlich den privaten Verbrauch zu einem Eckpfeiler seines Wirtschaftswachstums machen. Das wird aber schwierig, wenn die Privathaushalte jetzt wieder für die ganzen Schulden zahlen müssen. China löst seine Probleme nicht, sondern schiebt sie vor sich her - und zwar so lange, bis die Schulden so hoch sind, dass man sich kein Geld mehr leihen kann.

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