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Ökonom Michael Pettis „China löst seine Probleme nicht“

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Ein Eckpunkt des neuen Fünfjahresplans ist aber doch die Förderung des privaten Konsums.

Die Diskussion hatten wir doch schon 2005. Damals machte der private Konsum noch 40 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus. Es hieß dann, die Quote dürfe nicht noch weiter sinken. Der Anteil sackte aber auf 34 Prozent ab. Die Regierung wird den privaten Konsum nicht stärken können, ohne das gesamte Modell umzubauen. Der Konsum in China ist schwach, weil die privaten Einkommen so niedrig sind. Und die Einkommen sind niedrig, weil die Haushalte die Investitionsprojekte subventionieren.

Immerhin haben die Behörden und Unternehmen die Fabriklöhne zuletzt kräftig erhöht.

Ja, aber erst im letzten Jahr. Die Löhne müssen weiter steigen. Außerdem muss China die Zinsen anheben, und der Yuan muss weiter aufwerten. Außer bei den Löhnen gibt es bisher keine echten Anpassungen beim Wachstumsmodell.

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    "Die Firmen haben keine politische Stimme"

    Woran liegt das?

    Das Problem ist politisch. Lässt China seine Währung aufwerten, protestiert die Exportindustrie. Hebt die Zentralbank die Zinsen an, gehen die kapitalintensiven Staatsbetriebe und Lokalregierungen auf die Barrikaden. Steigen die Löhne, leiden als erstes die kleinen und mittleren, arbeitsintensiven und meist privat geführten Unternehmen. Die Folgen sind jetzt schon zu sehen. Im Osten Chinas schlittern massenweise Mittelständler in die Pleite. Die Behörden können die Lohnerhöhungen trotzdem durchziehen, weil die kleinen Firmen keine politische Stimme haben.

    Hebt China also die Zinsen und Löhne an und lässt den Yuan aufwerten, gibt es Probleme. Tut die Regierung es nicht, gibt es auch Probleme. Wo liegt die Lösung?

    Es gibt keine Lösung. Chinas Wirtschaft wächst seit 15 Jahren einfach viel zu stark. Es geht jetzt darum, das Wachstum auf Normalmaß herunterzubringen. Chinas Schulden sind schon jetzt sehr hoch. Das muss alles zurückgezahlt werden.

    "Die Preise steigen in China überall"

    Chinas Banken gehören doch zu den gesündesten der Welt. Der Anteil der faulen Kredite liegt gerade Mal bei ein oder zwei Prozent.

    Technisch betrachtet kann die Quote der faulen Kredite durchaus niedrig sein, weil der Staat dafür gerade steht. Aber das heißt nicht, dass es „gute“ Schulden sind. Die Regierung reicht die Rechnung einfach an die Privathaushalte weiter. Um die echte Quote der faulen Kredite zu ermitteln, müsste die Zentralbank die Zinsen erhöhen.

    Wo müsste Chinas Leitzins eigentlich liegen?

    Im Durchschnitt der letzten zehn Jahre hatte China ein jährliches nominales Wirtschaftswachstum von 14 Prozent. Der Leitzins lag im Durchschnitt bei sechs Prozent. In Entwicklungsländern sollte der Zinssatz aber in etwa so hoch sein wie die Wachstumsrate. Würde die Zentralbank die Zinsen aber anheben, gingen Staatsbetriebe und Lokalregierungen pleite.

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