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Ökonomen-Warnung China droht der Schuldenkollaps

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Nervosität wächst

Eine Käuferin vor einem Geschäft in Shanghai Quelle: REUTERS

Inzwischen wächst auch in der chinesischen Führung die Nervosität. Erst vor wenigen Tagen warnte der stellvertretende Premier Wang Qishan, China müsse sein Finanzsystem reformieren, mehr Markt zulassen und letztlich Schluss machen mit der von der Partei gesteuerten Kreditvergabe.

Aus Angst vor Schieflagen versucht die Zentralbank schon seit Monaten die Kreditvergabe der Geschäftsbanken zu drosseln. Doch die geben munter weiter Darlehen aus – damit die Behörden es nicht merken, an der offiziellen Bilanz vorbei. Darüber hinaus hat sich ein weites Netz illegaler Geldverleiher gebildet.

Diese vergeben Kredite an Unternehmen, die bei den Banken abblitzen, zu Zinsen von bis zu 30 Prozent. Teile des Geldes kommen auf dunklen Wegen wiederum von den offiziellen Banken. Der graue Kreditmarkt hat nach Expertenschätzungen ein Volumen von gut 600 Milliarden Dollar.

Westliche Ratingagenturen wie Fitch und Standard & Poor’s gehen davon aus, dass die Quote der faulen Kredite in den kommenden Jahren auf 20 bis 30 Prozent steigen wird. Mit einem Zusammenbruch des chinesischen Finanzsystems rechnet indes kaum jemand. Im Notfall wird der Staat zumindest die großen Banken retten.

Furcht vor Folgen der Euro-Krise

Schon einmal, Anfang des vergangenen Jahrzehnts, hat der Staat den Banken Hunderte Milliarden Dollar fauler Kredite abgenommen. Damals wollte die Partei die Institute fit für die Börse machen. Die uneinbringbaren Darlehen wurden in Asset-Management-Gesellschaften ausgelagert, und dort liegen sie heute noch.

Tatsächlich hat die Regierung bereits mit einem gigantischen Bail-out begonnen. So dürfen einige Provinzen seit Kurzem eigene Anleihen begeben – ein Novum in China. Garantiert werden die Bonds faktisch aber von Peking. Auch haben die Banken in den vergangenen Wochen auf Geheiß der Partei die offizielle Kreditvergabe wieder ausgeweitet.

Zu groß ist die Furcht vor den Folgen der Euro-Krise für Chinas Konjunktur.

Mit strukturellen Reformen hat diese Politik nichts zu tun. So müsste Peking etwa sein Zinsregime liberalisieren. Zurzeit bekommt der Kleinsparer kaum etwas für seine Einlagen. Im Vergleich dazu verlangen die Banken hohe Kreditzinsen. Faktisch finanziert auf diese Weise das einfache Volk den Staatskonzernen die prestigeträchtigen Großprojekte.

Ändert sich das nicht, dürften auch weiterhin die Investitionen und nicht, wie von der Regierung gewünscht, der private Konsum das Wachstum treiben. Von einer gesunden Entwicklung kann keine Rede sein.

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