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Ökonomen-Warnung China droht der Schuldenkollaps

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Wirtschaftliche Unsicherheit

Eine Brücke in Peking Quelle: REUTERS

Als Gründe nennen die Befragten politische, vor allem aber wirtschaftliche Unsicherheiten. Unlängst warnte auch der Internationale Währungsfonds (IWF) vor wachsenden Risiken. China müsse seinen Bankensektor reformieren, sonst drohten ernste Probleme.

Da werden Erinnerungen wach an die Jahre 1997 und 1998, als vermeintliche Tigerstaaten wie Südkorea, Thailand und Indonesien über Nacht in dramatische Turbulenzen gerieten (siehe Seite 40). Lokomotive der Weltwirtschaft und Hoffnungsträger der europäischen Krisenländer soll China sein.

In Wirklichkeit steht das Land vor gewaltigen Herausforderungen, und ob die kommunistischen Führer diese meistern, gilt keinesfalls als sicher.

Chinas Banken müssen vor allem ihr Risikomanagement verbessern, fordert der IWF. Zwar halte Chinas Bankensystem „isolierte Schocks“ wie einen Fall der Immobilienpreise aus. Käme aber ein Einbruch des Wirtschaftswachstums dazu, könne dies „ernsthafte Folgen“ für die Banken haben.

Zehn interessante Fakten über China
Täglicher Griff zur ZigaretteUngesunder Rekord: In jeder Sekunde werden 50.000 Zigaretten in China angezündet. Das berichtet die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die Zahl der Raucher ist in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen. Inzwischen zünden sich 66 Prozent der männlichen Chinesen täglich mindestens eine Zigarette an. Bei den Frauen raucht nur jede Zwanzigste täglich. Quelle: rtr
Künstliche TannenbäumeKlar, China ist ein großes Land. Fast jeder fünfte Mensch lebt in dem Riesenreich, China ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde. Doch in einigen Statistiken liegt das Land überproportional weit vorne. So ist das Riesenreich nicht nur der größte Textilproduzent, sondern auch weltweit führend in der Herstellung von künstlichen Tannenbäumen. 85 Prozent alle unechten Tannenbäume – so National Geographic – stammen aus China. Texte: Tim Rahmann Quelle: dpa
SchweinereichIn China leben nicht nur die meisten Menschen, sondern auch die meisten Schweine. 446,4 Millionen Eber und Säue lebten 2008 im Reich der Mitte, so die UN. Damit leben dort mehr Schweine als in den 43 nächst größten Ländern, gemessen an der Zahl der Tiere, zusammen. Zum Vergleich: In Deutschland werden aktuell rund 26,7 Millionen Schweine gehalten. Quelle: dpa
Geisterstädte im ganzen LandIn China wurde in den letzten Jahren massiv gebaut – auch in ländlichen Gegenden. Doch die Landflucht ließ vielerorts Geisterstädte entstehen. Mehr als 64 Millionen Wohneinheiten stehen im ganzen Land leer. Auch das größte Einkaufszentrum der Welt, … Quelle: dpa
McDonald’s allein auf weiter Flur… die "New South China Mall", hat reichlich Gewerbeflächen zu vermieten. 1500 Geschäfte finden dort Platz, 70.000 Käufer sollten täglich nach Dongguan pilgern. Doch die Realität sieht anders aus: 99 Prozent der Flächen sind unbenutzt, berichtete die britische Zeitung "Daily Mail". Nur ein paar Restaurants befinden sich in dem Gebäude, unter anderem Mc Donald’s. Quelle: AP
Bauboom geht weiterDennoch bauen die Chinesen fleißig weiter. Die Folge: Kein Land verbaut mehr Zement als China. 53 Prozent der weltweiten Nachfrage stammt aus dem Reich der Mitte, so Michael Pettis, China-Experte und Ökonom der Peking-Universität. Quelle: dpa
Barbie ist zu sexyWenn in China gerade nicht gebaut wird, werden in den zahlreichen Fabriken Güter produziert. Neben Textilien vor allem Spielwaren. Rennautos, Barbie-Puppen und Kuscheltiere: Fast 80 Prozent der deutschen Spielwaren stammen aus China. Vor Ort selbst sind Barbie-Puppen übrigens kein Verkaufsschlager. Für die Chinesen ist die kurvige Blondine zu sexy. Dort verkaufen sich vor allem niedliche Puppen. Quelle: AP

Kreative Lokalpolitiker

Auch bei ausländischen Finanzhäusern wächst die Nervosität. Haben sie sich seit Anfang des vergangenen Jahrzehnts in großem Stil in chinesische Banken eingekauft, stoßen Institute wie Goldman Sachs oder Bank of America diese Beteiligungen wieder ab.

Als China in den Sog der Finanzkrise zu geraten drohte, wies die Regierung die staatlichen Banken an, den Geldhahn aufzudrehen: 2009 und 2010 verdoppelten die Institute die Vergabe von Neukrediten. Ein großer Teil des Geldes – westliche Finanzexperten schätzen bis zu drei Billionen Dollar – landete bei den Städten und Gemeinden.

Die dürfen per Gesetz zwar keine Kredite aufnehmen. Doch Chinas Lokalpolitiker sind kreativ: Sie gründeten Finanzierungsvehikel, die sich das Geld liehen.

Ein großer Teil der Darlehen floss in unrentable Projekte wie unnötige Flughäfen, Autobahnen ins Nirgendwo oder überdimensionierte Messezentren. Etwa 60 Prozent der Kredite an lokale Regierungen, dürften nicht einbringbar sein, so inoffizielle Schätzungen.

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