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Ökonomie-Nobelpreisträgerin Elinor Ostrom "Baut mehr Radwege!"

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Ist die in der Ökonomie immer noch dominierende Annahme, der Mensch verhalte sich rational, haltbar?

Das hängt davon ab, wie wir rationales Verhalten definieren. Als eng auf den persönlichen Vorteil bedachtes Verhalten definiert, hat es sicher weiterhin seinen Platz in der Ökonomie. Wir müssen aber auch davon ausgehen, dass sich Menschen nach bestimmten Normen verhalten, und sie können Präferenzen darüber haben, wie sich bestimmte Dinge für andere auswirken, ihre Freunde, Familie, Kommune, die Umwelt.

Das bedeutet nicht, dass sie sich immer altruistisch verhalten. Das enge Modell in der Ökonomie, in dem das Verhalten vorhersagbar ist, hat in vielen Bereichen nach wie vor großen Wert. Werft es nicht weg. Aber versucht herauszubekommen, wo es funktioniert und wo nicht. Ich bin nicht gegen mathematische Modelle. Ich habe sie etwa aus der Spieltheorie oft selbst genutzt. Sie können wunderschön sein. Man kann etwas auf den Punkt bringen.

Altruistisches Verhalten wäre nach traditioneller Auffassung irrational?

Ja, in diesen Modellen – aber nicht in unseren.

Sie spielen auf den Methodenstreit an, der auch unter deutschen Ökonomen hohe Wellen schlägt. In welche Richtung sollte sich Ihrer Meinung nach die Forschung in der Ökonomie in den nächsten Jahren entwickeln?

Alle Disziplinen der Sozialwissenschaften stecken zu sehr in ihren eigenen Silos fest. Wir müssen interdisziplinäre Grenzen überschreiten, Brücken bauen, andere Fachrichtungen respektieren. Das ist gerade jetzt die größte Herausforderung für Universitäten. Für die Ökonomie ist vor allem ein besseres Verständnis der wichtiger werdenden Verhaltensforschung nötig. Was wir hier im Labor machen, ist ein Teil unserer Arbeit für die Zukunft.

Ein internationales Thema ist das Verhindern der Klimakatastrophe. Kann Ihre Forschung dazu einen Beitrag leisten?

Das Denken zurzeit ist, wenn wir unser Haus auf eine bestimmte Weise heizen, dann produziert das nur externe Auswirkungen für den Globus. Aber tatsächlich existieren, je nachdem wie wir das Haus heizen, positive und negative externe Auswirkungen auf viel mehr Ebenen. Wenn wir also denken, die Lösung kann nur eine globale sein, dann sitzen wir nur da und warten und warten und warten, und es wird schlimmer und schlimmer. Das wäre nicht klug. Wenn wir glauben, es gibt nur Kosten auf bestimmten Ebenen und keine positiven Effekte, dann haben wir ein Problem. Aber es gibt diese positiven Effekte, die durch Aktionen auf lokaler und regionaler Ebene erreicht werden können.

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