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Öl und Gas aus Zentralasien Tankstellen der Zukunft

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Baiterek-Turm Astana Quelle: Willershausen, Florian

Der Westen drückt hier mal ein Auge zu. Brüssel will sich mithilfe von Zentralasien aus der Abhängigkeit von Russland lösen, das ein Viertel des EU-Bedarfs an Öl und Gas stellt. Ergo muss sich Europa mit den Gepflogenheiten der flippigen Region arrangieren. Das gilt auch für mich, der ich auf einem 25 Jahre alten Frachter jugoslawischer Produktion festsitze, ohne zu wissen, ob man mich im Kontrollstaat Turkmenistan einreisen lässt. Dabei hat die Reise so gut begonnen.

Es ist November in Astana, in wenigen Tagen wird Bundeskanzlerin Angela Merkel die kasachische Hauptstadt besuchen. Im Vorfeld versucht die Regierung, das Image des Landes aufzupolieren. Eine PR-Agentur fliegt einen Pulk Journalisten ein.

Im Westen ist Kasachstan über die Witzfigur Borat bekannt, mit der Englands Komiker Sacha Baron Cohen das Land veräppelt, ohne in der Steppe gedreht zu haben. Die Kasachstaner mögen Borat nicht. Er parodiert die Rückständigkeit des Steppenlands, das Deutschlands viertwichtigster Öllieferant ist. Präsident Nursultan Nasarbajew vergleicht sein Land mit den Tigerstaaten Südostasiens und verspricht, dass Kasachstan bis 2030 zu den 50 modernsten Ländern der Welt zählen wird.

Sultan aus dem Morgenland

Es mangelt ihm nicht an Selbstbewusstsein, diesem Nasarbajew. Der 70-Jährige regiert Kasachstan wie ein Sultan aus dem Morgenland, neulich ließ er sich zum Präsidenten auf Lebenszeit küren. In der Krise machte er von sich Reden, als er eine Weltwährung verlangte. Beim OSZE-Gipfel in Astana trat er auf, als hätte man ihn gerade zum UNO-Generalsekretär ernannt. Einen anderen als Nasarbajew hat Kasachstan nicht. „Papa“ ist der einzige Politiker des Landes, alle anderen sind Befehlsempfänger. Das gilt auch für den Premierminister, der uns empfängt.

Karim Massimow ist ein Mann mit tiefen Geheimratsecken und Schnurrbart. Er lächelt nicht gern, schon gar nicht in Kameras des Staatsfernsehens. Kerzengerade sitzt er auf seinem Stuhl, als prüfe einer mit der Wasserwaage, ob die Wirbelsäule senkrecht steht. Er spricht über Investitionen, Demokratie und die Krise, ehe es spannend wird: „Ehrlich gesagt, verstehen wir den Sinn von Nabucco nicht.“

In erster Linie ist Kasachstan ein Ölland. Das Gas reicht gerade so für den Eigenbedarf. Astana verdient aber über Transitgebühren kräftig mit, wenn die Nachbarn Gas exportieren – vorausgesetzt, sie schicken es durch russische Röhren nach Europa. Nabucco aber soll Zentralasien direkt an den Westen koppeln, womit diese Einnahmen wegfallen. Deshalb feuert Kasachstan wie Russland aus allen Rohren auf Nabucco. Wenn Europa Gas aus Turkmenistan beziehen wolle, müsse ja eine Pipeline quer durchs Kaspische Meer gelegt werden, sagt Massimow. Ohne Zustimmung der Anrainer gehe das nicht.

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