OPCW ausgezeichnet Friedensnobelpreis für Anti-Chemiewaffen-Organisation

Der Friedensnobelpreis geht an die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen. Die Organisation setze sich intensiv dafür ein, Massenvernichtungswaffen zu zerstören, hieß es in der Begründung.

Was ist die OPCW?
Der Chef des norwegischen Nobelkomitees, Thorbjörn Jagland, gab am Freitag in Oslo bekannt, dass der Friedensnobelpreis 2013 an die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) geht. Die OPCW ist die Wächterin der internationalen Chemiewaffen-Konvention. Die Vereinbarung trat 1997 in Kraft und verbietet Entwicklung, Produktion, Besitz, Weitergabe und Einsatz chemischer Waffen. Quelle: dpa
Das Sekretariat in Den Haag mit rund 490 Mitarbeitern, darunter etwa 200 Inspekteuren, wird seit 2010 von dem türkischen Diplomaten Ahmet Üzümcü geleitet. Höchstes Organ der OPCW ist die jährlich stattfindende Vollversammlung der Vertragsstaaten. Leitungsorgan ist der Exekutivausschuss mit 41 Mitgliedern, die mindestens viermal im Jahr zusammenkommen. Der Haushalt beträgt in diesem Jahr rund 70 Millionen Euro. Quelle: AP
Unterzeichner der Chemiewaffenkonvention verpflichten sich, ihre C-Waffenbestände offenzulegen und diese ebenso wie die Mittel zur Produktion der Waffen unter internationaler Aufsicht zu zerstören. Generaldirektor der OPCW ist seit 2009 der Türke Ahmet Üzümcü. Die OPCW nimmt wie derzeit in Syrien auch Inspektionen vor, um die Vernichtung bestehender Chemiewaffen-Arsenale zu verifizieren. Zudem überwacht sie die chemische Industrie, um die Produktion neuer Waffen zu verhindern. Quelle: dpa
Die weltweit größten Chemiewaffen-Arsenale lagern in den USA und Russland. Zu den Staaten, die C-Waffenbestände deklariert haben, gehören außerdem Albanien, Indien, der Irak sowie Libyen. In den Konventionsstaaten gab es ursprünglich nach OPCW-Angaben rund 71.000 Tonnen chemischer Kampfstoffe, die in 8,6 Millionen Geschosse oder Container abgefüllt waren. Knapp 58.000 Tonnen davon wurden bisher unter Aufsicht zerstört. Zum Vergleich: Eine stecknadelkopfgroße Menge eines Nerven-Kampfstoffes genügt, einen erwachsenen Menschen binnen Minuten zu töten. Quelle: dpa
Syrien zählt neben Angola, Ägypten, Nordkorea und dem Südsudan zu den weltweit nur fünf Staaten, die die Chemiewaffen-Konvention nicht unterzeichnet haben. Zwei weitere Staaten, Israel und Myanmar, haben die Vereinbarung bisher nicht ratifiziert. Die Konvention ergänzt das Genfer Protokoll von 1925, das lediglich den Einsatz von Brand-, Gift- und anderen Gasen sowie der biologischen Kriegführung untersagt. Diese alte Vereinbarung hat Syrien im Gegensatz zur Chemiewaffenkonvention unterzeichnet. Quelle: AP
Bei der Vernichtung der Waffen müssen bestimmte Vorschriften beachtet werden: sie dürfen beispielsweise nicht einfach ins Meer gekippt, vergraben oder unter offenem Himmel verbrannt werden. Deutschland besitzt keine chemischen Waffen und hat auch die vom Deutschen Reich vor 1945 produzierten Bestände nach Angaben des Auswärtigen Amtes komplett vernichtet. Werden dennoch etwa bei Erdarbeiten alte Chemiewaffen gefunden, werden sie der OCPW gemeldet und zerstört. Quelle: dpa

Der Friedensnobelpreis geht an die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) mit Sitz in Den Haag. Das gab das norwegische Nobelkomitee am Freitag in Oslo bekannt. Die Organisation ist für die Umsetzung der Chemiewaffenkonvention aus dem Jahr 1997 zuständig. Sie soll die Chemiewaffenbestände der Vertragsstaaten überprüfen und deren Vernichtung kontrollieren. Die OPCW bekomme die Auszeichnung „für ihren umfassenden Einsatz für die Vernichtung von Chemiewaffen“, begründete der Komiteevorsitzende Thorbjörn Jagland die Entscheidung der Jury.

„Entwaffnung spielt in Alfred Nobels Willen eine wichtige Rolle“, führte Jagland in der Begründung aus. Das norwegische Nobelkomitee habe mit zahlreichen Preisen den Bedarf unterstrichen, Nuklearwaffen zu vernichten. „Mit diesem Preis an die OPCW will das Komitee zur Zerstörung von Chemiewaffen beitragen“, sagte Jagland. „Aktuelle Ereignisse in Syrien, wo Chemiewaffen erneut genutzt wurden, haben das Bedürfnis unterstrichen, die Bemühungen, solche Waffen zu zerstören, zu erhöhen“, führte das Nobelkomitee aus.

Hier können Sie die Bekanntgabe des Friedensnobelpreises noch einmal im Video ansehen:

In den Blickpunkt der Öffentlichkeit rückte die OPCW mit dem Giftgasangriff im August in Damaskus. Bei der Attacke mit dem Nervenkampfstoff Sarin wurde mehr als 1400 Menschen getötet. Der Angriff sorgte weltweit für Empörung. Um einen drohenden militärischen Vergeltungsschlag der USA abzuwenden, erklärte sich Syrien daraufhin zur Zerstörung seines C-Waffen-Arsenals bereit, das rund 1000 Tonnen chemische Kampfstoffe umfassen soll. OPCW-Inspektoren überwachen nun die Vernichtung der international geächteten Waffen. In Syrien tobt ein Bürgerkrieg, in dem nach UN-Schätzungen mehr als 120.000 Menschen getötet worden sind.

Der Generaldirektor der OPCW hat die Zuerkennung des Friedensnobelpreises als „extrem wichtige“ Stütze für seine Mitarbeiter bei ihrem Einsatz in Syrien gewertet. „Ich fühle mich sehr geehrt“, sagte Ahmet Üzümcü am Freitag im norwegischen Rundfunk. Er betrachte den Preis als eine Bestätigung für den Beitrag, den seine Organisation OPCW in den vergangenen 16 Jahren zum Frieden geleistet habe. „Ich sehe ihn auch als eine Anerkennung der Bemühungen unserer Mitarbeiter, die jetzt in Syrien sind, und die sehr mutige Anstrengungen unternehmen, um ihre Aufgabe zu erfüllen.“

Norwegens Ministerpräsident Jens Stoltenberg hat die Verleihung als „hochaktuelle“ Wahl gewürdigt. „Die OPCW hat aus der Welt einen sichereren Ort gemacht“, sagte Stoltenberg am Freitag. Sie sei „das Instrument der Welt, um sich von den restlichen Chemiewaffen zu befreien“. Dass die Auszeichnung nach der EU wieder an eine Organisation gegangen sei, sei nicht entscheidend. „Das ist eine Organisation, die sehr wichtige Arbeit für sehr viele Menschen leistet.“

Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle begrüßte die Auswahl. „Dieser Friedensnobelpreis wird der Abrüstung weltweit neuen Schub verleihen“, sagte Westerwelle am Freitag bei einem Besuch in Kiew. Der FDP-Politiker sprach von einer „Ermutigung für alle auf der Welt, die sich für ein Verbot und die Nichtweiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen einsetzen“.

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