Opec-Tagung Die Ölscheichs verteidigen ihre Vormacht

Bei der Ministertagung des Produzentenkartells Opec wird es kaum um Förderquoten gehen. Den Saudis und ihren Verbündeten ist der niedrige Ölpreis ganz recht. Ihre größte Angst ist eine Abkehr vom Ölkonsum.

Wer vom billigen Öl profitiert – und wer verliert
Jemand arbeitet an einer Tragfläche eines Flugzeugs Quelle: PR
Autos Quelle: AP
Jemand greift nach Körperpflegeprodukten in einem Regal Quelle: REUTERS
Containerschiff Quelle: dpa
Lastwagen der Deutschen Post Quelle: dpa
Packungen mit Medikamenten Quelle: dpa
Anlage mit Tank, auf dem BASF steht Quelle: dpa
Ein Mann steht vor einem BP-Logo Quelle: dpa
Kreml und Kirche in Moskau Quelle: dpa
Fracking-Anlage Quelle: dpa

Wozu ist ein Produzentenkartell gut, dass nicht für hohe Preise sorgt? Das mögen sich die Regierungen von Ländern wie Iran, Algerien und Venezuela fragen, wenn sie ihre Ölminister diese Woche nach Wien zur planmäßigen Tagung der Opec schicken. Der Ölpreis ist in den vergangenen zwölf Monaten um ungefähr 70 Prozent zurück gegangen, und derzeit spricht wenig dafür, dass die alten Preise von mehr als 100 US-Dollar wieder erreicht werden könnten. Gewiss, von März bis Anfang Mai gab es einen beachtlichen Aufschwung des Preises, von 52 auf 68 Dollar, aber seitdem geht es wieder sanft bergab, in Regionen um die 65 Dollar. Bei einem Ölpreis unter 80 Dollar können Venezuela und der Iran ihre Staatshaushalte nicht mehr finanzieren, auch in weiteren der zwölf Opec-Staaten wird es schwierig.

Meilensteine der Ölpreisentwicklung

Aber das wird in Wien kaum eine Rolle spielen: Solange die in der Opec übermächtigen Saudis zusammen mit ihren gleich gesinnten Verbündeten aus den Arabischen Emiraten und aus Kuwait jede Produktionskürzung ablehnen, haben die relativ armen Opec-Länder keine Chance. Würden sie im Alleingang ohne die arabischen Ölförderer die eigene Produktion senken, hätte das praktisch keine Auswirkung auf die internationalen Preise und würde ihre eigenen Einnahmen nur noch mehr verringern – die Iraner, die wegen der internationalen politischen Sanktionen seit Jahren zu Produktionskürzungen gezwungen sind, wissen ein Lied davon zu singen. Und darum tut die Opec, was Saudi-Arabien möchte.

Und das sind Produktionssteigerungen ohne Einschränkung. Seit vergangenem Sommer ist die saudische Taktik voll aufgegangen: Mit immer neuen Exportrekorden zu relativ günstigen Preisen zwingen die Ölproduzenten die nordamerikanische Ölindustrie in die Knie. Kanadas Ölsände werden langsamer erschlossen als bis vor ein, zwei Jahren geplant, und in den USA starten nur noch wenige neue Fracking-Projekte. Genau das haben die Ölscheichs gewollt, und jetzt wegen der stotternden amerikanischen Produktion die Preise sanft steigen, sehen sie sich in ihrem Kalkül bestätigt.

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Was nicht heißt, dass sie die Opec nicht mehr brauchen. Abdalla Salem El-Badri, der langjährige Opec-Generalsekretär, hat vor kurzem öffentlich klar gemacht, worin er seine Rolle sieht – und der Libyer El-Badri ist hier das getreue Sprachrohr seiner saudischen Sponsoren. Vom Ölpreis spricht er wenig, das würde die klammen nicht-arabischen Opec-Minister vor den Kopf stoßen. Statt dessen spricht er von Stabilität: „Auf dem weltweiten Ölmarkt“, heißt das in seiner Sprache, „ist die Sicherheit der Nachfrage so wichtig wie die Sicherheit des Angebots“. Will heißen: Die Saudis und ihre ölreichen Nachbarn am Golf bangen um ihre Absatzmärkte, weil die Weltkonjunktur einbrechen könnte und vor allem, weil Erdöl als Energieträger auch in ihrer Sicht die besten Tage hinter sich haben könnte. Möglich darum, dass die Opec-Minister in Wien den Industriestaaten oder auch ihren großen Kunden China und Indien ein System sehr langfristiger Lieferverträge vorschlagen werden – unwahrscheinlich allerdings, dass aus dieser Idee viel wird.

Jedenfalls ist für den Ölgiganten Saudi-Arabien nach dem erfolgreichen Preisfeldzug der vergangenen Monate nicht mehr die amerikanische Fracking-Industrie die größte Gefahr. Der neue Hauptfeind, so will es scheinen, ist das Elektroauto.

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