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Osteuropa Ungarn bittet Investoren zur Kasse

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Einbruch überwunden

Das spürt auch der Mittelständler Herbály István. Er hat sich in seiner Heimatstadt Pécs selbstständig gemacht, gut drei Fahrstunden südlich von Budapest. Dort entwickelt er mit seinen 20 Mitarbeitern IT-Hardware. Zum Beispiel jenes Blitzgerät, das vor dem rostenden rotbraunen Hoftor seines Wohnhauses steht. Es fotografiert die Nummernschilder vorbeifahrender Autos automatisch und speichert sie in einer Datenbank – eine Weltneuheit, sagt István, wiewohl sie sich in Ländern wie Deutschland aus Datenschutzgründen nicht verkaufen lässt.

Seine IT-Entwicklungen finanziert Istváns Unternehmen RG Net mit eigenem Kapital. „Einen Kredit bekommst du in Ungarn sowieso erst, wenn du zwei Jahre am Markt überlebt hast“, und das schaffen nicht viele. Mit der Krise sei es völlig aussichtslos geworden, an Fremdfinanzierungen zu kommen. Von der Regierung Viktor Orbán erwartet der 30-jährige Unternehmer nicht allzu viel: „Die Regierung fördert keine Mittelständler, wir müssen allein klarkommen.“

Autosektor floriert

Ein innovativer Mittelstand zieht Ungarn nicht aus der Krise. Hilfe vom Staat erhält in Orbáns Ungarn nur, wer gleich Tausende Arbeitsplätze schafft. So wie Audi. Die VW-Tochter hat jüngst beschlossen, das Werk im westungarischen Györ zu erweitern. Dort montiert das Unternehmen bereits seit 1994 Autos und Motoren; jetzt soll dort auch eine Fertigung für 125 000 Fahrzeuge eingerichtet werden. Die Investitionssumme von 900 Millionen Euro verringert die Regierung durch Steuernachlässe, Sachleistungen und Subventionen, die etwa einem Zehntel der Gesamtinvestition entsprechen.

Ungarns Audi-Chef Thomas Faustmann lässt auf Premier Viktor Orbán nichts kommen: „Ich finde den Mann gut.“ Die Vorteile, die Ungarn den Autoherstellern bietet, kann Faustmann in einer Minute herunterbeten: günstige Kapitalnutzung,flexibles Arbeitsrecht, guter Ausbildungsstand, niedrige Löhne, eine nahezu ideale logistische Infrastruktur.

Und so brummen die Investitionen im Autosektor: Erst vor wenigen Wochen gab GM-Tochter Opel bekannt, in Ungarn ein Werk zu bauen. Daimler feierte gerade erst Richtfest für eine 800-Millionen-Euro-Fabrik unweit von Budapest.

Ist Orbán als Wirtschaftspolitiker vielleicht gar nicht so schlimm wie sein Ruf? Doch, sagen Fachleute, aber die Folgen seiner Steuerpolitik sind von Branche zu Branche unterschiedlich. Das produzierende Gewerbe, darunter die Autoindustrie, hat viele Arbeitsplätze geschaffen und wird in Ruhe gelassen. Dienstleister dagegen leiden unter Zusatzsteuern.

Besonders hart erwischt es den Handel. Je nach Umsatz müssen Rewe, Lidl oder Aldi bis zu 2,5 Prozent des Umsatzes bezahlen. Das drückt auf die Margen, die sie angesichts der Konsumflaute sowieso mit der Lupe suchen müssen. Auch wer gerade erst den Markteintritt gewagt hatte und wegen der Investitionen noch Verluste schreibt, muss zahlen. „Der Frust ist groß“, beschreibt ein Händler die Stimmung in der Branche, zumal sich ungarische Wettbewerber hoher Freibeträge wegen um die Steuer drücken können. „Wir haben den Eindruck, dass wir geschröpft werden.“

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