Parlamentswahl Fünf-Sterne-Bewegung laut Prognosen stärkste Partei in Italien

Die Fünf-Sterne-Bewegung ist den ersten Prognosen nach stärkste Partei geworden. Das Wahlergebnis wird die Regierungsbildung erschweren.

RomNach der Parlamentswahl in Italien zeichnet sich eine schwierige Regierungsbildung ab. Die populistische Fünf-Sterne-Bewegung ging nach ersten Prognosen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks vom Sonntag als stimmenstärkste Kraft aus der Abstimmung hervor. Sie erreichte zwischen 29,5 und 32,5 Prozent der Stimmen, wie der Sender Rai nach Schließung der Wahllokale berichtete. Das Drei-Parteienbündnis der Mitte-Rechts-Koalition lag den Prognosen zufolge aber noch knapp vor der Fünf-Sterne-Bewegung.

Die regierenden Demokraten kamen den Prognosen zufolge bei der Wahl am Sonntag als zweitstärkste Einzelpartei auf 20 bis 23 Prozent der Stimmen. Forza Italia von Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi, teil des Mitte-Rechts-Bündnisses, lag mit 12,5 bis 15,5 Prozent auf Rang drei. Wie das Innenministerium mitteilte, lag die Wahlbeteiligung bei 71,48 Prozent. 2013 waren es noch 75 Prozent.

Die offenbar engen Ergebnisse dürften eine Regierungsbildung in den kommenden Wochen wesentlich erschweren: Da weder eine Partei noch ein Bündnis die meisten Sitze für sich entscheiden konnte, ist zunächst unklar, wie es mit welcher möglichen Koalition weitergehen wird.

Der Spitzenkandidat der Fünf-Sterne-Bewegung, Luigi Di Maio, hatte vor der Abstimmung zunächst jeder Koalition eine Absage erteilt, später aber erklärt, er sei offen für Verhandlungen. Die Bewegung zieht ihre Kraft vor allem aus der Enttäuschung, die viele Wähler angesichts der vergangenen Politik empfinden. Die Arbeitslosenquote im Land liegt bei 10,8 Prozent. Das Wirtschaftswachstum ist vergleichsweise gering.

Analysten hatten dem Mitte-Rechts-Block von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi vor der Wahl noch am ehesten eine Chance auf eine eigene Mehrheit eingeräumt. Der 81-Jährige selbst könnte aber nicht wieder Regierungschef werden, da er als verurteilter Steuerbetrüger nicht kandidieren durfte. Berlusconi hatte den Präsidenten des Europaparlaments, Antonio Tajani, als möglichen Ministerpräsidenten ins Spiel gebracht.

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