Pazifik-Handelsabkommen Die Gefahren für die deutsche Autoindustrie durch TPP

Kommt es zu einem pazifischen Freihandelsraum hat das auch Folgen für die deutsche Wirtschaft - auch negative .

Das Freihandelsabkommen TPP könnte der deutschen Automobilindustrie schaden. Quelle: dpa

Kommt das Transpazifische Freihandelsabkommen Trans-Pacific Partnership (TPP) zwischen den USA und elf anderen Pazifikstaaten zustande, könnte das weitreichende Folgen für die deutsche Autoindustrie haben. Wie das Münchener ifo Institut in einer aktuellen, von der Bertelsmann Stiftung in Auftrag gegebenen Studie berechnet hat, würde die deutsche Automobilindustrie über einen halben Prozent Anteil an der weltweiten Wertschöpfung einbüßen. Durch das Freihandelsabkommen könnten Staaten mit starken Automarken, wie die USA oder Japan, einfacher in pazifischen Billiglohnländern produzieren, als die deutschen Konkurrenten. Zwar noch nicht konkret, aber bereits in der Überlegung, ist eine Asiatisch-Pazifische Freihandelszone, die Free Trade Area of the Asia-Pacific (FTAAP).

Diese Länder sollen Mitglieder des Freihandelsabkommen TPP werden

Außer den TPP-Staaten, haben unter anderem Thailand, Südkorea und Indonesien Interesse angemeldet, so einer Freihandelszone beizutreten. Und vielleicht wäre auch China mit von der Partie. Damit würde ein gigantischer Wirtschaftsraum entstehen. Dann würde, so das ifo-Institut, der Anteil der deutschen Autobranche an der globalen Wertschöpfung sogar um über 50 Prozent sinken. Während heute dieser Anteil sich auf etwa elf Prozent beläuft, würde er dann keine sechs Prozent mehr ausmachen. „Dieser Anteil wäre dann aber von einem größeren Kuchen“, sagt Gabriel Felbermayr, Co-Autor der Studie.

Die deutschen Maschinenbauer müssen keine Konkurrenz fürchten

Denn die Annahme eines jeden Freihandelsabkommen ist: Je größer die Wirtschaftsräume durch Zusammenlegen werden, desto stärker wächst die Wertschöpfung. „Vergleichbar ist das mit der EU-Osterweiterung, wo mit einem Mal alle europäischen Unternehmen mit geringen Aufwand ihre Produktion in osteuropäische Staaten mit niedrigen Lohnstückkosten verlegen konnten“, erklärt Felbermayr.

Anders als bei den Autobauern sieht es in der Maschinenbauindustrie aus. „Die deutsche Maschinenindustrie ist so heterogen, so spezialisiert, dass man dort keine Angst vor einer Konkurrenz haben muss“, sagt Felbermayr. Gleichzeitig sei aber mit einem stärkeren Wachstum und erhöhter Nachfrage in TPP-Staaten zu rechnen. Somit würde TPP sich sogar positiv für die deutschen Maschinenbauer auswirken. Das ifo-Institut kommt zu dem Schluss, dass, wenn TPP in Kraft tritt, die deutsche Maschinenbauindustrie ihren Anteil an der weltweiten Wertschöpfung um 0,1 Prozent erhöhen kann. Noch stärker wäre dieser Trend, wenn FTAAP zustande käme. Denn dann wäre der Wirtschaftsraum nochmal deutlich größer, das globale Wachstum würde noch stärker ausfallen und die Nachfrage nach den deutschen Maschinen ebenfalls. Der Anteil an der weltweiten Wertschöpfung würde um 0,45 Prozent steigen.

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Ähnlich, wenn auch nicht so stark, sieht es in der Chemiebranche aus. „Die deutsche Chemieindustrie ist stark konjunkturabhängig“, erklärt Felbermayr. Würde die Konjunktur durch FTAAP anziehen, geht das ifo-Institut von bis zu  0,7 Prozent höherem Anteil an der Weltwertschöpfung. Betrachtet man die gesamte deutsche Wirtschaft, würde ihr Anteil an der globalen Wertschöpfung zwar um 0,3 Prozent sinken, wenn FTAAP wirklich Realität würde. Aber da nach dem Glauben vom ifo-Institut die Weltwirtschaft sehr stark anziehen würde, würde, so das Institut, das Realeinkommen in Deutschland um 2,5 Prozent steigen.

Aber zunächst bleibt abzuwarten, ob das TPP-Abkommen überhaupt in Kraft tritt. Zwar sind die Verhandlungen abgeschlossen und die zwölf Regierungen der Mitgliedsstaaten haben das Abkommen unterzeichnet, aber die Verträge müssen auch noch von allen zwölf Parlamenten ratifiziert werden. Und auch US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton von den Demokraten hat jüngst für Aufsehen gesorgt, indem sie öffentlich bekannt hat, dass mit ihr im Oval Office es TPP nicht in dieser Form geben würde. Und das obwohl sie als US-Außenministerin diese handelspolitische Initiative noch unterstützt hat.

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