WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Peter Hartz Der geistige Vater von Hartz IV hat große Pläne

Seite 2/2

Bäder aus dem Baukasten

Nach diesem Prinzip will Knauf-Chef Manfred Grundke nun auch die Häuser für die Chinesen produzieren: individuell, aber aus gleichen Grundelementen. Wie heute jeder Autokäufer, so soll der künftige Besitzer eines Hauses sein Wunschmodell mit einem Konfigurator im Internet aus verschiedenen vorgefertigten Modulen für Küche, Bad oder Salon komponieren.

Eine solche Industrialisierung, sagt Knauf-Chef Grundke, verringere die Kosten im Vergleich zur herkömmlichen Bauweise um bis zu 70 Prozent auf rund 430 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Auf diese Weise baut Knauf gerade eine Siedlung in Russland. Wie dort sollen auch in den künftigen vier Wänden alter Chinesen Kabel und Elektronik schlummern, um den Lebensabend zu digitalisieren.

Die Alten sollen sich selbst helfen

Für Hartz sind die coolen Kotten aus Gipskarton mit Internet-Anschluss jedoch nur Mittel zum Zweck, um ein grundsätzliches Problem zu lösen: Wie mit der Alterung fertig werden, ohne die Jüngeren stärker zu belasten? Das will er in China vorexerzieren, indem er „neueste Erkenntnisse der Gerontologie“ umsetze. Im Reich der Mitte explodiere die Zahl der über 65-Jährigen in den kommenden 15 Jahren von 125 Millionen auf 250 Millionen. Hartz schwebt deshalb vor, dass die Alten in der neuen Stadt sich dank Digitalisierung möglichst viel untereinander helfen.

Ausland



Krönen möchte der Ex-Boss mit Gewerkschafts- und SPD-Parteibuch sein Projekt mit einem Hoch auf die internationale Solidarität. Um den Bewohnern der geplanten Seniorencity eine gute Betreuung angedeihen zu lassen, will er Interessenten aus China nach einem Sprachkurs daheim drei Jahre in Deutschland zu Altenpflegern ausbilden und sie noch einmal die gleiche Zeit hier arbeiten lassen, bevor sie sich um ihre Landsleute in der Heimat kümmern. „Das würde“, glaubt Hartz, „auch den Pflegenotstand bei uns lindern helfen.“

Die Traumstadt für Senioren soll an der Bohai-Bucht liegen, wo Wilhelm II vor über 100 Jahren mit viel zu viel Schiffen gegen die Chinesen ankämpfte. Seitdem steht Bohai für zu viel Wind – Hartz’ Gefolgsleute sind also vorgewarnt.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%