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Playboy-Interview von 1990 Donald Trumps tiefe Einblicke

Donald Trump 1990 Quelle: imago images

Lange bevor der US-Präsident twitterte, unterhielt er sich mit Journalisten. Ein Gespräch mit dem Männermagazin vor bald drei Jahrzehnten zeigt, wie wenig sich seine Ansichten zum Außenhandel entwickelt haben.

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Das Playboy-Titelbild der Märzausgabe aus dem Jahre 1990 hängte sich Donald Trump ins Büro. Besuchern erzählte er gerne, dass er einer der ganz wenigen Männer sei, die es je auf das Cover des Magazins geschafft haben. In einer Smoking-Hose war er darauf zu sehen, neben sich ein Playmate nur bekleidet mit dem Oberteil des Smokings. Das Foto gefiel dem heutigen US-Präsidenten so gut, dass er es im Wahlkampf als Autogrammkarte nutzte.

Vor 28 Jahren schickte der Playboy, bekannter für seine nackten Schönheiten, den Celebrity-Journalisten Glenn Plaskin zum Milliardär Donald Trump. Bei eiskalter Cola gab der damals 43-jährige tiefe Einblicke in sein Leben, sprach über seinen Bruder Fred, der den Druck des Vaters nicht aushielt und jung an Alkoholismus starb, seine damalige Frau Ivana und sein Vorbild Winston Churchill.

Analysten und Handelsexperten beugen sich heute allerdings über das Interview, weil Trump mit großer Genauigkeit voraussagte, wie er als Präsident agieren würde – auch wenn er zu dem Zeitpunkt Ambitionen auf das höchste Amt der USA ausdrücklich dementiert. „Ich will nicht Präsident sein“, sagte er. „Ich bin zu 100 Prozent sicher. Ich würde es mir nur anders überlegen, wenn ich das Land weiter den Bach hinuntergehen sähe.“

Das ist in der Zwischenzeit offenbar passiert. Die Ursachen analysierte er schon zu Beginn der Neunziger Jahre. „Unser Land braucht ein größeres Ego“, gab er zu Protokoll, „weil unsere sogenannten Alliierten uns schwer betrügen. Dann listet er Japan, Saudi-Arabien und Südkorea. Deutschland taucht auch in der Liste auf, natürlich als West-Deutschland, bis zur Wiedervereinigung sollte es noch ein paar Monate dauern. All diese Länder beschuldigte er, mit Subventionen ihre Industrie zu päppeln.

Trump lästerte über Japaner, die die USA wie Taschendiebe bestehlen würden: „Wir verlieren hunderte Milliarden Dollar im Jahr, und sie lachen uns aus wegen unserer Dummheit.“ Chinesen, Russen und Araber kommen in dem Gespräch nicht viel besser weg. Richtig spannend wird das Interview, als sich Trump auf ein „Was wäre wenn“-Spiel einlässt. Auf die Frage nach seiner ersten Amtshandlung, sowie er das Oval Office betrete, zögert er nicht lange: „Ich würde ein Steuer auf jeden Mercedes-Benz erheben, der in dieses Land rollt und auf alle japanische Produkte.“ Trump war sich damals sicher, dass Einfuhrzölle das Verhältnis der USA zum Rest der Welt heilen würde: „Wir hätten dann wieder wundervolle Verbündete.“

Den damaligen US-Präsidenten George Bush kritisiert er, weil er das Land sanfter und freundlicher machen wollte. „Ich denke, wenn dieses Land sanfter und freundlicher wird, dann wird es buchstäblich aufhören zu existieren.“ Er schlägt vor, dass harte Geschäftsleute wie Carl Icahn und Ross Perot die Außenpolitik der USA verhandeln sollten: „Dann bekämen wir wieder Respekt in der Welt.“ Als Präsident holte er den früheren Exxon-Mobile Präsidenten Rex Tillerson ins Außenministerium – den entließ er bekanntlich diese Woche wegen Meinungsverschiedenheiten.

Mit einer Prognose lag Trump allerdings total daneben: Er gab damit an, dass seine Mitarbeiter ihm jahrelang treu blieben. „Es kommt nur selten vor, dass sich jemand von mir trennt.“ Mit dem heutigen Personaldurchsatz im Weißen Haus passt die Aussage nicht zusammen. Aber sie zeigt vielleicht auch nur, dass Trumps Selbstwahrnehmung damals schon verzerrt war.

Bei der heute noch abrufbaren Online-Variante des Interviews fehlen übrigens die Anzeigen. Im Original folgte auf Trumps Ausführungen Reklame für Kondome.

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