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Post aus Harvard

Vor diesen Problemen steht China

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6,5 Prozent Wachstum wird zur Herausforderung für China

Doch selbst wenn das mit den heutigen sieben Prozent stimmt, wird das Ziel von jährlich 6,5 Prozent in den kommenden fünf Jahren zur Herausforderung, aus mindestens vier Gründen:

Erst einmal bedeutet der Übergang von der Schwerindustrie zu den Dienstleistungen, dass der einzelne Beschäftigte erst einmal weniger erwirtschaftet als bisher. Es bedeutet weniger Kontrollmöglichkeiten für die Regierung in Peking.

Gleichzeitig absorbieren die dringend notwendigen Maßnahmen zum Schutz der Umwelt – bessere Atemluft und sauberes Trinkwasser – Ressourcen und bremsen das Wachstum.

Und die Kampagne von Präsident Xi Jinping gegen die Korruption hat die Nebenwirkung, staatliche Entscheidungen und damit die Verwirklichung neuer Projekte zu verzögern. 

Zitate von Xi Jinping

Am wichtigsten aber ist die Demographie. Die Zahl der Chinesen im arbeitsfähigen Alter steigt nicht mehr, Folge von 35 Jahren, in denen den meisten Ehepaaren verboten war, mehr als ein Kind zu haben. Dass die Regierung vor kurzem diese Ein-Kind-Politik durch eine Zwei-Kinder-Begrenzung ersetzt hat, kann sich erst in annähernd zwei Jahrzehnten auf den Arbeitsmarkt auswirken. Bis dahin lässt sich die Zahl der produktiven Arbeitskräfte in China nur erhöhen, wenn weiter viele Leute die wenig produktive Landwirtschaft aufgeben und in den Städten zu arbeiten beginnen.

Abbau des Hukou-Systems

Die chinesische Regierung denkt darum über verschiedene Maßnahmen zur weiteren Urbanisierung nach. Dazu könnte der Bau mehrerer neuer Millionenstädte gehören, die einen Teil der heute noch 600 Millionen Landbewohner aufnehmen könnten. Dazu dürfte auch der Abbau des sogenannten Hukou-Systems der Wohngenehmigungen gehören: Danach verlieren heute noch viele Chinesen vom Land nach der Abwanderung in die Stadt das Recht auf umfassende Versorgung im Krankheitsfall und auf Schulbildung für ihre Kinder.

Ausland



Ein weiterer Politikwechsel zur Förderung der Verstädterung ist sinnvoll: Bauern müssen das Recht erhalten, ihren Landbesitz zu einem realistischen Marktpreis frei zu verkaufen, so dass ihre Neigung steigt, das Geld zu kassieren und umzuziehen. In der Stadt wiederum würde das Angebot von Mietwohnungen nach westlichem Muster Familien ohne nennenswertes Geldvermögen oder Unterstützung durch Verwandte erlauben, in vernünftige Wohnungen zu ziehen, die man in den großen chinesischen Städten bisher käuflich erwerben muss.

Das ist ein ganzes Bündel politischer Maßnahmen. Nicht jede davon muss in den kommenden fünf Jahren auch gelingen. Aber wenn es mit einigen von ihnen gut funktioniert, sind die 6,5 Prozent Wachstum kein utopisches Ziel.

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