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Post aus Harvard

Griechenland: Ausfall unausweichlich

Martin Feldstein Quelle: Bloomberg, Montage
Martin S. Feldstein US-amerikanischer Ökonom, Professor für Wirtschaftswissenschaften und ehemaliger Oberster Wirtschaftsberater für US-Präsident Ronald Reagan Zur Kolumnen-Übersicht: Post aus Harvard

Griechenland, seine Gläubiger und die EU müssen endlich akzeptieren, dass das Land insolvent ist und seine Schulden nicht mehr bedienen kann, sagt der US-Ökonom Martin Feldstein.

Martin Feldstein ist Professor an der Harvard-Universität. Der renommierte US-Ökonom schreibt jeden Monat exklusiv für WirtschaftsWoche und wiwo.de Quelle: Laif/Polaris

Ist Griechenland am Ende? Die einzige Möglichkeit, jetzt noch die Zahlungsunfähigkeit zu verhindern, ist die Reduzierung des zukünftigen jährlichen Haushaltsdefizits mindestens so weit, dass die Schuldenquote nicht weiter ansteigt. Um dies zu erreichen, müsste das aktuelle Defizit von 14 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf maximal fünf Prozent fallen. Um die Schuldenquote auf das im Vertrag von Maastricht vorgeschriebene Niveau von 60 Prozent zu bringen, müsste das jährliche Haushaltsdefizit auf drei Prozent gesenkt werden – das Ziel, das Griechenland laut den Finanzministern der Eurozone bis 2012 erreichen muss.

Um das Haushaltsdefizit um zu reduzieren, ist eine rigorose Kürzung der staatlichen Ausgaben oder ein drastischer Anstieg der Steuereinnahmen erforderlich – oder wahrscheinlich beides. Abgesehen von der politischen Schwierigkeit, dies durchzusetzen, droht dadurch eine schwerwiegende Beeinträchtigung der inländischen Gesamtnachfrage und somit der Produktion und Beschäftigung. Griechenlands Arbeitslosenquote liegt schon jetzt bei zehn Prozent. Experten erwarten, dass die Wirtschaft um über vier Prozent schrumpfen könnte und die Arbeitslosenzahlen weiter in die Höhe gehen.

Eine schwächere Konjunktur durch höhere Steuern und geringere staatliche Ausgaben würde zu sinkenden Steuereinnahmen und steigenden Transferleistungen an Arbeitslose führen. Daher senkt jeder für die Defizitreduzierung geplante Euro das Defizit tatsächlich um weniger als einen Euro. Das bedeutet, dass geplante Steuererhöhungen und Kürzungen grundlegender staatlicher Ausgaben mehr als 10 Prozent des BIP betragen müssten, um ein Haushaltsdefizit von 3 Prozent zu erreichen.

Euro-Mitgliedschaft ist Schuld

Es führt kein Weg an der Erkenntnis vorbei: Griechenlands Schuldenausfall ist unausweichlich  - und Schuld daran ist zum großen Teil seine Mitgliedschaft in der Europäischen Währungsunion.  Hätte Griechenland noch seine eigene Währung, dann hätte man abwerten und gleichzeitig die Haushaltspolitik straffen können. Eine schwächere Währung würde die Exporte steigern und dazu führen, dass griechische Haushalte und Firmen einheimische Produkte anstelle von Importwaren kaufen.

Die gesteigerte Nachfrage nach griechischen Waren und Dienstleistungen würde Griechenlands BIP erhöhen, was zu einem Anstieg der Steuereinnahmen und einer Verringerung der Transferleistungen führen würde. Kurz gesagt: Die Konsolidierung des Haushaltes wäre einfacher als weniger schmerzhaft, wenn Griechenland eine eigene Währungspolitik machen könnte.

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