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Präparat von Sinopharm Beim Impfstoff hinkt China dem Westen hinterher

Mit dem Pharmakonzern Sinopharm hat nun erstmals ein chinesischer Hersteller überhaupt Details zur Wirksamkeit seines Corona-Impfstoffes bekanntgegeben. Quelle: imago images

Mit Sinopharm hat erstmals ein chinesischer Hersteller Daten zur Wirksamkeit seines Impfstoffes vorgelegt. Er ist weniger effizient als die westliche Konkurrenz. Dennoch werden sich viele Staaten für ihn entscheiden.

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Bereits vor Wochen hatten die Pharmahersteller Pfizer/Biontech und Moderna richtig gute Nachrichten parat: Sie verkündeten, dass ihre sogenannten mRNA-Impfstoffe gegen das Coronavirus über eine Wirksamkeit von 95 Prozent verfügen. Dies war die Grundlage, um in den USA und Europa eine Zulassung zu beantragen. Seit einigen Tagen wird im Westen nun ganz offiziell geimpft.

China, das ebenfalls ambitionierte Ziele mit seinen Impfstoffen verfolgt, tut sich dagegen bei der Zulassung schwer. Zwar gibt es bereits seit dem Sommer Notfallzulassungen für Vakzine, mit denen bereits weit über eine Million Menschen – etwa Militärangehörige und Klinikpersonal, aber auch Diplomaten und Angestellte von Staatskonzernen – geimpft wurden.

Noch immer ist aber kein Präparat offiziell für die breite Öffentlichkeit zugelassen worden. Zuletzt war in Staatsmedien die Rede davon, bis Mitte Februar 50 Millionen Chinesen impfen zu wollen.

Immerhin hat mit dem Pharmakonzern Sinopharm nun erstmals ein chinesischer Hersteller überhaupt Details zur Wirksamkeit seines Corona-Impfstoffes bekanntgegeben. Wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte, soll der Impfstoff 79,34 Prozent Wirksamkeit beim Schutz vor Covid-19 bieten. Die Veröffentlichung der Daten ist ein wichtiger Schritt für die finale Zulassung des Impfstoffes.
Das Rennen läuft dennoch nicht so, wie es sich Peking erhofft hatte. Eigentlich war das Ziel, noch vor den Europäern und Amerikanern startklar zu sein. Dabei gibt es in China neben Sinopharm mit Anhui Zhifei Longcom, CanSino, und Sinovac noch drei weitere Unternehmen, die auf Hochtouren an einem Impfstoff arbeiten.

Große Hoffnungen auf ihre Hersteller setzen nicht nur die Chinesen selbst, sondern vor allem Staaten in Afrika und Südamerika. Die Vereinigten Arabischen Emirate hatten bereits Anfang Dezember einen chinesischen Impfstoff des Pharmagiganten Sinopharm offiziell zugelassen und eine Effektivität von 86 Prozent festgestellt. Die Zulassung sei „ein bedeutender Vertrauensbeweis der Gesundheitsbehörden der Emirate in die Sicherheit und Wirksamkeit dieses Impfstoffs“, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur WAM.



In Peru waren die ersten Erfahrungen mit einem chinesischen Impfstoff dagegen weniger gut. Mitte Dezember stoppten die Behörden vorsorglich klinische Tests des chinesischen Corona-Impfstoffs von Sinopharm, weil ein Proband ernste gesundheitliche Probleme hatte. Wie die staatliche Gesundheitsbehörde Perus bekanntgab, habe eine Testperson Schwierigkeiten gehabt, die Arme zu bewegen.

Trotz solcher Rückschläge sind sich Experten einig, dass es ohne den Impfstoff der Chinesen nicht gehen wird. Geographische Herausforderungen, höhere Temperaturen und eine schwächere Infrastruktur hinsichtlich von Kühlketten lassen die chinesischen Lieferanten von Impfstoffen in den Augen vieler südlicher Staaten attraktiver erscheinen als die Hersteller aus Europa und den USA. Der Impfstoff von Pfizer muss bei Temperaturen von minus 70 Grad gelagert werden, eine Langzeitlagerung des Impfstoffes von Moderna gelingt nur bei minus 20 Grad.

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Die chinesischen Hersteller setzen bei der Impfstoffherstellung auf die klassische Methode mit inaktivierten Viren. Das bedeutet, dass der Wirkstoff nicht so stark gekühlt werden muss und somit leichter gelagert werden kann. Der Impfstoff von Sinovac kann bei Temperaturen zwischen minus 2 Grad und minus 8 Grad gelagert werden, was der Kühlleistung eines handelsüblichen Kühlschranks entspricht. Bei den Impfstoffen von CanSino und Sinopharm verhält es sich ebenso.

Obwohl die finalen Zulassungen auf sich warten lassen, halten chinesische Behörden an ihrem Plan fest, dass bis Ende des Jahres 600 Millionen Dosen bereitstehen sollen. Im kommenden Jahr sollen sogar weit über eine Milliarde Dosen für die gesamte Welt produziert werden. Bald wird sich zeigen, ob Peking seine Versprechen halten kann.

Mehr zum Thema: Ursprungsort der Coronapandemie ist Wuhan – heißt es. WHO-Experten wollen das klären, doch die politische Stimmung verheißt nichts Gutes.

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