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Präsidentenwahl in Russland Putin erhält nach ersten Hochrechnungen über 70 Prozent der Stimmen

Wie erwartet gewinnt Russlands Präsident Wladimir Putin die Wahl. Oppositionelle Wahlbeobachter berichten von Unregelmäßigkeiten bei der Stimmabgabe.

Russland: Wladimir Putin sieht „große Zukunft für Russland“ Quelle: dpa

Wladimir Putin hat einer ersten Hochrechnung zufolge mehr als 70 Prozent der Wählerstimmen erhalten. Auf ihn entfielen nach Auszählung von 21,3 Prozent der Stimmen 71,97 Prozent, wie die Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf die Zentrale Wahlkommission am Sonntag meldete. Platz zwei ging demnach an den kommunistischen Präsidentschaftskandidaten Pawel Grudinin, der 16 Prozent der Stimmen erhielt.

Dahinter liegt der nationalistische Politiker Wladimir Schirinowski mit knapp sieben Prozent. Die liberale TV-Journalistin Xenia Sobtschak erreichte demnach 1,4 Prozent. Die restlichen vier Kandidaten bekamen jeweils weniger als ein Prozent der Stimmen.

Wahlbeobachter hatten vor Schließung der Wahllokale mehr als 2500 Manipulationsversuche registriert. Mitarbeiter der oppositionsnahen Beobachterstelle Golos dokumentierten besonders viele Vorfälle in Moskau, St. Petersburg und in der südrussischen Stadt Krasnodar, wie einer Karte der Organisation am Sonntag zu entnehmen war. Nach Angaben des Innenministeriums wurden Behörden rund 650 Vorfälle gemeldet.

Im Internet kursierten zahlreiche Videos, die zeigten, wie Wähler mehrere Stimmzettel gleichzeitig abgegeben wollten. Zudem seien Namen einiger Wähler auf mehreren Liste aufgetaucht, Wahlurnen seien nicht vorschriftsgemäß verschlossen gewesen, hieß es. Eine erste offizielle Einschätzung zu den Wahlfälschungen will Golos am Montagnachmittag geben. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) setzte fast 600 Beobachter ein und will ebenfalls am Montag (13.00 MEZ) vorläufige Ergebnisse präsentieren.

Putins wohl ärgster Widersacher Alexej Nawalny durfte nicht bei der Wahl kandidieren. Er war zuvor in einem von vielen als politisch motivierten Prozess verurteilt worden und rief daraufhin zum Boykott der Abstimmung auf.

Anhänger Nawalnys, die den Wahlablauf überwachen wollten, berichteten von Manipulationen. So seien Wähler in Bussen von Wahllokal zu Wahllokal gefahren worden, damit sie mehrmals ihre Stimme haben abgeben können. „Wir würden das 'Shuttle-Bus-Wahl' nennen“, sagte ein Mitstreiter des Oppositionellen.

Reuters-Reporter beobachteten zudem, dass viele Wähler Selfies mit ihren Stimmzetteln in Wahllokalen machten. Auf Nachfrage gaben sie an, sie müssten diese ihren Vorgesetzten als Beweis für die Teilnahme an der Wahl vorlegen.

Putin lenkt die Geschicke des weltgrößten Landes bereits seit rund 18 Jahren. Dabei inszeniert er sich als starker Anführer, der Russland wieder den Status einer Weltmacht gegeben hat, die vom Westen nicht ignoriert werden kann. Der von ihm eingeschlagene Konfrontationskurs wie zuletzt in der Affäre um die Gift-Attacke auf den Doppelspion in Großbritannien schadet seinem Ansehen in der Bevölkerung nicht.

Russland hat im Zuge der Krise zum Gegenschlag ausgeholt und britische Diplomaten des Landes verwiesen. Die Regierung in Moskau weist die ihr vorgeworfene Verwicklung in den Anschlag zurück.

In seiner vierten Amtszeit steht Putin auch vor der Herausforderung, die lahmende Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. Russland hängt am Tropf seiner Energieexporte. Fallende Preise für Öl und Gas sowie westliche Sanktionen haben der Wirtschaft stark zugesetzt.

Putin wurde erstmals im Jahr 2000 zum Präsidenten gewählt. Nach zwei vierjährigen Amtszeiten folgte ein Rollentausch mit Ministerpräsident Dmitri Medwedew und eine weitere - per Verfassungsänderung auf sechs Jahre verlängerte Periode als Präsident ab 2012. Mehr als zwei Amtszeiten in Folge sind nicht zulässig, es sei denn, die Verfassung würde erneut angepasst.

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