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Präsidentschaftswahlen Erdogan redet im bosnischen Sarajevo vor Anhängern

Der türkische Präsident Erdogan ist für seinen einzigen Wahlkampftermin in Europa nach Sarajevo gekommen. Das sorgt für heftigen Streit.

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Sarajevo Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ist am Sonntag zu einem Wahlkampfauftritt in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo eingetroffen. Es ist sein einziger vor im europäischen Ausland lebenden Türken, nachdem Deutschland, Österreich und die Niederlande ähnliche Kundgebungen zu den von Erdogan auf den 24. Juni vorgezogenen Parlaments- und Präsidentenwahlen untersagt haben.

Mit den Wahlen wird die Umstellung auf ein Präsidialsystem in der Türkei vollzogen, wie sie in einem Referendum im April 2017 knapp bestätigt worden war. Die Regierungsvollmachten gehen dann vollends auf den Präsidenten über, das Amt des Ministerpräsidenten wird abgeschafft. Mehr als drei Millionen im Ausland lebende Türken können ab 7. Juni ihre Stimme per Briefwahl abgeben.

Der Auftritt hat zu heftigem Streit in Bosnien-Herzegowina geführt. Er habe von der Wahlveranstaltung nur aus den Medien erfahren, sagte das kroatische Mitglied im dreiköpfigen Staatspräsidium, Dragan Covic, dem Zagreber TV-Sender HRT am Sonntag. Der Besuch füge dem in die EU strebenden kleinen Balkanland großen strategischen Schaden zu.

Die Türkei hatte Auftritt Erdogans über das muslimische Mitglied im bosnischen Staatspräsidium, Bakir Izetbegovic, organisiert. Izetbegovic, der sich als enger Freund des türkischen Präsidenten bezeichnet, hatte am Vortag die Türkei als Investor und Verbündeten gelobt.

Demgegenüber kritisierte der zweitwichtigste Muslimführer Fahrudin Radoncic den Wahlkampf in Sarajevo. Erdogan gehe es um „eine Demonstration für Westeuropa: Seht mal, hier auf dem Balkan kann ich sein“. Denn „Herr Erdogan hat nicht so viele Wähler in Sarajevo, dass das für ihn interessant wäre“, sagte Radoncic dem TV-Sender N1 weiter.

Am Rande des Besuches unterzeichnete Erdogan auch eine Absichtserklärung für die Finanzierung eines Autobahnbaus zwischen Bosnien-Herzegowina und Serbien. Die Türkei plane schon lange den Bau eines zentralen Transitweges, sagte Gastgeber Izetbegovic.

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