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Präsidentschaftswahlen Politik bremst Indiens Wachstum

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Vom Thron gestoßen

Indien Konsumenten Quelle: REUTERS

Die hartnäckige Inflation ist denn auch die größte Sorge der Verbraucher in Indien. Bislang konnten sich die Unternehmen auf ihre Konsumenten verlassen. Indien hat eine konsumfreudige Mittelschicht. Rund 300 Millionen Inder verfügen inzwischen über ein Einkommen von mehr als 3000 Euro jährlich, die Zahl der ganz Armen, die weniger als 22 Rupien am Tag (0,44 Dollar) verdienen, ist in den vergangenen fünf Jahren um mehr als 50 Millionen gefallen. Der private Verbrauch wuchs deshalb in den vergangenen Jahren mit hohen Zuwachsraten. Die Angehörigen der städtischen Mittelschicht kauften Handys und Computer, Autos und Motorräder, Anzüge von Boss und Handtaschen von Prada. Indiens Verbraucher galten als die konsumfreudigsten der Welt. 

Doch in diesem Jahr wurden sie vom Thron gestoßen – von den Konsumenten Indonesiens. In ihrer vierteljährlichen Umfrage in 56 Ländern kommen die Demoskopen von Nielsen zu dem Ergebnis, dass die Konsumentenstimmung in Indien um sieben Punkte eingebrochen ist – von einem Rekordhoch von 126 Punkten im Jahr 2011. Der Grund der Eintrübung laut Nielsen-Indien-Präsident Piyush Mathur: „Steigende Inflation und Benzinpreise, dazu ein vergleichsweise geringes Wirtschaftswachstum und die Abwertung der Rupie.“ 

Das Wirtschaftswachstum lahmt 

Tatsächlich häufen sich die schlechten Nachrichten von der Konjunkturfront. Im ersten Quartal dieses Jahres wuchs Indiens Wirtschaft nur noch um 5,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das ist der niedrigste Wert der vergangenen acht Jahre. Daraufhin revidierte der Internationale Währungsfonds am vergangenen Montag seine Wachstumsprognose für das Gesamtjahr um 0,7 Punkte auf 6,1 Prozent. 

Der Einbruch in diesem Jahr ist kein einmaliger Ausreißer. Der Trend zeigt insgesamt nach unten. Zwischen 2002 und 2007 war  Indiens Wirtschaft im Schnitt noch um neun Prozent gewachsen -  der zweithöchste Wert weltweit nach China. Diese hohen Raten begründeten Indiens Standing, zu den größten, am schnellsten wachsenden Schwellenländern der Welt zu gehören. Dieser Boom verhalf Indiens Politiker zu großem Selbstbewusstsein auf der internationalen Bühne. Ohne ihn wäre ihr Anspruch, zu den Großmächten zu zählen, ins Leere gegangen. 

Doch schon in den vier Jahren danach reduzierte sich das Tempo auf 7,5 Prozent und in diesem Jahr weiter auf sechs Prozent. Das ist immer noch hoch, verglichen mit dem Wachstum der entwickelten Länder. Aber zu wenig, um Indiens Probleme, vor allem die immer noch weit verbreitete Armut, zu lösen. Denn wenn auch Millionen aus der absoluten Armut herausgerissen wurden, so leben immer noch 455 Millionen Inder von weniger als 1,25 Dollar am Tag, der von der Weltbank definierten absoluten Armutsgrenze. Schon um all die neu auf den Arbeitsmarkt strömenden Jugendlichen Beschäftigung zu bieten, muss die Wirtschaft zwischen sieben und acht Prozent wachsen.

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