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Pressefreiheit Sieben Jahre Haft für Reuters-Journalisten in Myanmar

Das Verfahren wurde als Test für die Medienfreiheit verstanden: In Myanmar sind zwei Reuters-Journalisten zu langen Haftstrafen verurteilt worden.

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Der Reuters-Journalist wurde zu sieben Jahren Haft verurteilt. Quelle: Reuters

Rangun Ein Gericht in Myanmar hat zwei angeklagte Reuters-Journalisten zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Der Schuldspruch erfolgte am Montag. Den Reportern Wa Lone und Kyaw Soe Oo wurde vorgeworfen, gegen Geheimhaltungsgesetze verstoßen zu haben.

Das Urteil fällt in eine Zeit, in der die internationale Kritik am Militär in Myanmar immer lauter wird. Der Armee werden Menschenrechtsverstöße gegen die muslimische Minderheit der Rohingya vorgeworfen. Der Fall der Reporter hatte international Aufmerksamkeit bekommen und gilt als Beispiel dafür, wie die Pressefreiheit unter De-facto-Staatschefin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi leidet. Ihre Machtübernahme 2016 hatte Hoffnungen geweckt, das Land werde sich zu einer vollen Demokratie wandeln. Seither hat sie aber viele frühere Bewunderer enttäuscht. Die Gerichte in Myanmar gehören außerdem zu den konservativsten und nationalistischsten Einrichtungen im Land.

Das Urteil gegen die beiden Journalisten war aufgrund der Erkrankung des Vorsitzenden Richters um eine Woche verschoben worden.

Die Reporter arbeiteten an einer Geschichte über ein Massaker von Sicherheitskräften an Rohingya. Sie plädierten auf nicht schuldig und erklärten, sie hätten Geheimdokumente weder erbeten noch wissentlich besessen. Die Polizei habe ihnen eine Falle gestellt. Rund 700.000 Rohingya sind von Myanmar ins benachbarte Bangladesch geflohen, um der Gewalt zu entkommen.

Beide Reporter, 32 und 28 Jahre alt, gaben an, während ihrer ersten Verhöre rau und hart behandelt worden zu sein.

Dutzende Journalisten und demokratische Aktivisten marschierten am Samstag in Rangun auf, um solidarisch Unterstützung für die Reuters-Mitarbeiter zu bekunden. Während des Gerichtsverfahrens widersprachen sich einige Zeugen der Staatsanwaltschaft. Vor Gericht präsentierte Dokumente schienen zudem weder geheim noch vertraulich zu sein.

Der UN-Koordinator für Myanmar, Knut Østby, zeigte sich nach dem Urteil enttäuscht. Die Vereinten Nationen hätten stets auf die Freilassung der Journalisten gepocht und die Behörden aufgefordert, deren Rechte auf Meinungsfreiheit und Informationsbeschaffung zu respektieren. „Wa Lone und Kyaw Soe Oo sollte erlaubt werden, zu ihren Familien zurückzukehren und als Journalisten weiterzuarbeiten“, sagte Østby.

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