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Private Drohnen Der Himmel über den USA hängt voller Drohnen

Experten warnen vor den Gefahren für den Flugverkehr, die die zunehmende Verbreitung von Drohen mit sich bringt. Immer häufiger werden solche Fluggeräte gesichtet - doch oft handelt es sich dabei nur um falschen Alarm.

Immer mehr Drohnen: Am Himmel über den USA wird's gefährlich Quelle: dpa

Fast täglich erhält die US-Regierung Berichte über angebliche Drohnen, die ohne Genehmigung in der Nähe von Flugzeugen, Hubschraubern oder Flughäfen gesichtet wurden. Das ist ein massiver Anstieg, denn vor zwei Jahren waren solche Berichte noch äußerst ungewöhnlich.

Die Meldungen gehen bei der US-Flugbehörde FAA ein. Die meisten kommen zwar von Berufspiloten. Aber auch Hobbypiloten, Flughafenangestellte oder örtliche Behörden wenden sich an die FAA, wie ein Behördenvertreter sagt, der nicht namentlich genannt werden wollte. Michael Toscano, Präsident einer Industriekammer für Drohnen, erklärt, die FAA habe ihm gegenüber den Anstieg bestätigt.

Die meisten der Berichte bleiben unbestätigt. Die Möglichkeit besteht, dass sich die Piloten in einigen Fällen geirrt haben und einen Vogel oder ein entferntes Flugzeug für eine Drohne gehalten haben. Viele Berichte erscheinen jedoch glaubwürdig.

Wie Drohnen die Wirtschaft verändern
Medikamente per DHL PaketkopterErst im November 2014 hat die Deutsche Post DHL eine Testphase mit Paketdrohnen beendet. Den allerersten Testflug absolvierte der „DHL-Paketkopter“ von einer Apotheke in Bonn zur Konzernzentrale auf der anderen Rheinseite. Anschließend kam eine DHL-Paketdrohne zum Einsatz, die die Notfallversorgung einer Inselapotheke auf Juist sicher stellen sollte. Das hat aus Sicht der Deutschen Post im Alltagsbetrieb gut funktioniert. Die ersten Versuchsflüge des Paketkopters vom Festland zur Insel Juist und zurück waren nach Angaben des Unternehmens erfolgreich. 20 Flüge seien störungsfrei verlaufen, sagte der DHL-Paketchef für Deutschland und Europa, Andrej Busch. Das unbemannte Fluggerät habe auch bei Dunkelheit, Regen und Nebel funktioniert und Medikamente transportiert. Auch Amazon, UPS und Google testen in den USA die Paketzustellung per Minihubschrauber. Quelle: Deutsche Post DHL
Drohnen in der LandwirtschaftAktuell wird vor allem in den USA intensiv über den Einsatz von Drohnen in der Landwirtschaft diskutiert. Luft- oder Satellitenaufnahmen des Pflanzenbestandes zu machen, war bisher teuer. Mit dem Einsatz einer Drohne könnten die Landwirte viel Geld sparen. Denn statt einer ganzen Mannschaft bedürfte es nur einer Person, die die Drohne in die Luft bringt und sie am Ende wieder einsammelt. Per Wärmebildkamera ließen sich kranke Pflanzen im Bestand frühzeitig erkennen. Das Unternehmen " Precision Hawk" bietet derartige Datensammlungen aus der Luft bereits an. Quelle: dpa
Luftaufnahmen ohne viel AufwandOb beim „Tatort“, „Alarm für Cobra 11“ oder Michael „Bully“ Herbigs neuem Kinofilm „Buddy“: Drohnen kommen zunehmend für Filmaufnahmen zum Einsatz. Wo früher Kräne klobige Filmkameras über den Drehort schwenkten oder Filmteams einen Hubschrauber besteigen mussten, machen heute zunehmend Kamera-Drohnen hochauflösende Aufnahmen aus der Luft. Quelle: dpa
Schnelle Lieferung mit „Amazon Prime Air“Wer seine Bestellung beim Online-Shop Amazon besonders dringend haben will, soll sie innerhalb der nächsten fünf Jahre über eine Drohne erhalten können.  In einem Unternehmensfilm zeigte Amazon Anfang  Dezember, wie der Schnelllieferdienst „Amazon Prime Air“ funktionieren soll.  Dabei sollen Kunden nur 30 Minuten auf ihre Bestellung warten müssen. Der Service sei betriebsbereit, heißt es aus dem Unternehmen. Es fehle noch die Genehmigung der US-Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration. Quelle: AP
Künstliche DNA an Stromleitungen anbringenImmer wieder fallen Stromleitungen Kupferdieben zum Opfer. Im Kampf gegen Kupferdiebe setzt die Deutsche Telekom zunehmend auf künstliche DNA, um die Kabel zu markieren. Das soll sie unverkäuflich machen. Für die Markierung setzt die Telekom Drohnen ein, wie dieses Foto  vom Juni in Berlin zeigt. Quelle: dpa
Den Transport in Afrika verbessernDer Packesel soll fliegen lernen, finden die Forscher von Afrotech. Die Forschungseinrichtung der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne will den in Afrika weit verbreiteten Esel als Transportmittel durch Drohnen ersetzen. So wollen die Schweizer den Wohlstand in Afrika ankurbeln, dessen Verbreitung bisher auch am beschwerlichen Transport scheitert . Denn ein Bauer, der seine Ernte verkaufen will, und kein Auto besitzt, kommt in den Weiten des Kontinents nicht weit. Mit „The Flying Donkey Challenge“ haben die Schweizer einen Wettbewerb gestartet, in dem Tüftler eine Drohne entwickeln sollen, die bis zu 60 Kilogramm über lange Strecken befördern kann. Ein ähnliches Projekt ist Matternet, das ebenfalls Entwicklungsländer mit Drohnen versorgen will. Quelle: AP
Wie Drohnen die Pizzaboten ersetzenEine düstere Zukunft für Pizzaboten: Pizzen, Döner, Tacos und Burritos – all diese Speisen könnten künftig Drohnen ausliefern. Im Juni hat die Schnellrestaurantkette Domino’s Pizza in Großbritannien ihren ersten Drohnen-Testflug mit einer Pizza absolviert. Im März 2012 kündigten die Macher von „TacoCopter“ an, in den USA einen Lieferdienst für Tacos starten zu wollen. Dahinter steckt jedoch vermutlich ein PR-Gag. Konkreter ist die  Tüftler-Gruppe „Darwin Aeropsace“, die im Dezember 2012 Pläne für einen sogenannten „Burrito Bomber“ veröffentlicht hat. Wie die Burrito-Lieferung per Drohne funktionieren soll, ist öffentlich einsehbar, sodass jeder seinen eigenen „Burrito Bomber“ bauen kann. Im August 2012 haben sich Unternehmer, Ingenieure und Designer in Freiburg zusammen getan, um den sogenannten „DönerCopter“ auf die Beine zu stellen, der unbemannt Kebap ausliefern soll. Quelle: Screenshot

Die FAA hat den Einsatz von Drohnen aus Sicherheitsgründen streng begrenzt. Schließlich besteht die Gefahr, dass ein Flugzeug abstürzt, wenn es mit einer Drohne zusammenstößt oder wenn diese in eine Düse gesogen wird. Kleine Drohnen sind zudem meist nicht auf dem Radar zu erkennen, besonders wenn sie aus Kunststoff oder anderen Verbundstoffen hergestellt sind.

„Es darf keine Frage des Glücks sein, ob ein Flugzeug und eine Drohne Abstand zueinanderhalten“, sagt Rory Kay, Kapitänsausbilder bei einer großen Fluggesellschaft und ehemaliger Vorsitzender des Sicherheitsausschusses bei der Pilotenorganisation ALPA. „Bislang haben wir Glück gehabt, denn wenn diese Dinge am Himmel weiter unreguliert, unbeobachtet und unkontrolliert ablaufen, muss man sich riesige Sorgen machen, dass es bald zu einer Beinahe-Kollision oder sogar einem wirklichen Zusammenstoß kommt.“

Rechtliche Fragen zum Drohnen-Flug

Die FAA verlangt von allen Drohnen-Betreibern, dass sie den Einsatz von der Behörde genehmigen lassen und ein entsprechendes Zertifikat vorweisen können. Meist ist die Flughöhe darin auf 120 Meter begrenzt, der Bedienende muss die Drohne jederzeit sehen können und der Umkreis von acht Kilometern um einen Flughafen ist absolut tabu. Ausnahmen gibt es für den militärischen Einsatz in abgelegenen Gebieten. Zudem dürfen die Drohnen von Zoll- und Grenzschutz entlang der Grenze zu Mexiko und Kanada auch in größerer Flughöhe operieren. Trotzdem gab es in den vergangenen Monaten immer wieder Berichte über Fluggeräte, bei denen sich die Betreiber offenbar nicht an die Vorgaben gehalten haben:

  • Im März meldete der Pilot eines Canadair-Regional-Jets über Florida eine Drohne in Tarnfarbe in 700 Metern Flughöhe rund fünf Kilometer entfernt vom Flughafen Tallahassee.
  • Der Pilot einer Regionalfluglinie sichtete bei einer Flughöhe von 3000 Metern in der Nähe von Pittsburgh mindestens eine Drohne, die nach seinen Angaben weniger als 150 Meter über seiner Maschine flog. Sie sei schwarz-grau gewesen und habe eine Länge von etwa 1,5 Metern gehabt.
  • Ein Hubschrauberpilot in Kalifornien meldete an die Flugsicherheit in Burbank, dass eine mit einer Kamera ausgerüstete Drohne in der Nähe der riesigen Hollywood-Buchstaben bei Los Angeles fliege.
  • Das Wrack einer 1,5 Meter langen Drohne mit aufmontierter Kamera wurde in der Nähe von Dallas Love Field in Texas unweit des Flughafens entdeckt. Nach dem Betreiber wird laut Polizei noch gesucht.

In einigen Fällen, in denen die FAA unsichere oder unautorisierte Operationen von Drohnen festgestellt habe, seien die Betreiber kontaktiert und über einen sicheren Umgang belehrt worden, erklärte die FAA. Grob fahrlässigen Betreibern sei zudem eine Strafe angedroht worden, hieß es weiter in der Mitteilung.

Der Flugsicherheitsexperte John Goglia erklärt, er sei bei einigen der Berichte skeptisch. Die meisten kleinen Drohnen, die derzeit verkauft würden, könnten nicht die von den Piloten genannten Höhen erreichen. Um zu sehen, was tatsächlich an diesen angeblichen Sichtungen dran sei, müssten echte Untersuchungen eingeleitet werden.

Missbrauch der Drohnen lässt sich nicht verhindern

Mehr als eine Million kleine Drohnen wurden in den vergangenen Jahren weltweit verkauft, wie Lobbyist Toscano sagt. Da könne nicht verhindert werden, dass es in einigen Fällen zu Missbrauch komme, weil die Betreiber die Risiken nicht verstünden oder sich einfach nicht darum kümmerten. „Diese Technologie erfährt einen phänomenalen Aufschwung, die Menschen versuchen noch, sie zu begreifen“, sagt er. „So unglücklich es wäre, wenn wir einen Unfall hätten: Das wird die Industrie nicht aufhalten.“

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Bis zum Jahresende soll die FAA weitere Regulierungen vorlegen, die einen breiteren kommerziellen Einsatz von Drohnen ermöglichen, die weniger als 25 Kilogramm wiegen. Bislang ist noch nahezu jeder kommerzielle Einsatz verboten - lediglich zwei Ölgesellschaften in Alaska und sieben Firmen, die Luftaufnahmen anbieten und für Film- und Fernsehproduktionen arbeiten, haben derzeit Genehmigungen.

Vor knapp einem Jahr sorgte der Gründer des Internet-Versands Amazon, Jeff Bezos, noch für Belustigung, als er seine Pläne für ein neues Auslieferungssystem per Drohnen vorstellte. Er rechnete damit, dass es noch einige Jahre bis zum Einsatz dauern werde. Möglicherweise geht es aber auch schneller.

Und schon jetzt scheren sich viele Drohnen-Betreiber nicht um die Verbote - angefangen bei Immobilienmaklern, Stadtplanern bis hin zu Landwirten, die mit den Fluggeräten ihre Felder kontrollieren.

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