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Pro Olympia-Boykott Warum Politiker von den Spielen wegbleiben sollten

Ich bin begeistert. Endlich zeigt Deutschland dem menschenfeindlichen Regime in Russland die rote Karte - und dann gleich noch das Staatsoberhaupt. Danke, Herr Bundespräsident!

Auch Litauens Präsidentin verzichtet auf Sotschi
Dalia GrybauskaitLitauens Staatspräsidentin Dalia Grybauskaite verzichtet genau wie Barack Obama auf eine Reise zu den Olympischen Winterspielen im russischen Sotschi. Angesichts der Menschenrechtslage in Russland sowie des jüngsten politischen und wirtschaftlichen Drucks Moskaus auf die Ukraine, Georgien, Moldawien und auch Litauen sehe sie „keine politische Möglichkeit“ für einen Olympia-Besuch, sagte Grybauskaite kurz vor Beginn des EU-Gipfels am Donnerstag in Brüssel. Sie kritisierte zudem die zunehmende Militarisierung der im Westen an Litauen angrenzenden russischen Exklave Kaliningrad um das frühere Königsberg. Quelle: dpa
Barack ObamaDie USA senden keine hochrangigen Staatsvertreter zu den Olympischen Winterspielen ins russische Sotschi. Erstmals seit 2000 werde kein Präsident, Ex-Präsident oder First Lady zu den Spielen geschickt, hieß es am 17. Dezember. Das Weiße Haus teilte lediglich mit, der Terminplan von Präsident Barack Obama lasse seine Teilnahme nicht zu. Russland steht wegen seines umstrittenen Gesetzes gegen „homosexuelle Propaganda“ international massiv in der Kritik. Es sieht hohe Strafen für jene vor, die Minderjährige über homosexuelle Lebensformen informieren oder Schwulen- und Lesbenparaden abhält. Zwar ging das Weiße Haus in seiner Ankündigung nicht direkt auf das Gesetz ein. Doch Sprecher Shin Inouye sagte, die Delegation spiegele die Vielfalt der USA wider. Amerika setzt stattdessen prominente Sportler auf die Liste amerikanischer Vertreter, unter ihnen homosexuelle Athleten wie die frühere Top-Tennisspielerin und Schwulenrechtlerin Billie Jean King oder die Medaillengewinnerin im Eishockey, Caitlin Cahow. Quelle: REUTERS
François HollandeAuch Frankreichs Präsident François Hollande und Außenminister Laurent Fabius verzichten auf eine Reise zu den Olympischen Winterspielen nach Sotschi. Es sei nicht vorgesehen, dass sich hohe Vertreter des Staates dazu nach Russland begäben, sagte Fabius am 15. Dezember in einem Interview. Weder Hollande noch er selbst wollten im Februar nach Sotschi reisen. Fabius nannte allerdings keine Gründe für die Entscheidung. „Ich wünsche den Spielen viel Erfolg“, ergänzte er lediglich. Frankreich entsendet Sportministerin Valérie Fourneyron zur Eröffnungsfeier. Quelle: REUTERS
Viviane RedingAuch EU-Kommissarin Viviane Reding fährt nicht nach Sotschi. Via Twitter nannte sie deutlich die Menschenrechtslage in Russland als Grund für ihre Entscheidung. „Ich werde sicher nicht nach Sotschi fahren, solange Minderheiten auf diese Weise von der derzeitigen russischen Regierung behandelt werden“, schrieb die Luxemburgerin. Reding ist Vizepräsidentin der Europäischen Kommission und Justiz-Kommissarin. Quelle: dpa
Joachim GauckDie Olympischen Sommerspiele und die Paralympics in London 2012 hatte Bundespräsident Joachim Gauck besucht. Auf die Reise nach Sotschi aber verzichtet er. Er wolle seine Absage allerdings nicht als Boykott verstanden wissen. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Focus“ plant Gauck seit Monaten einen Staatsbesuch in Russland. „Gauck möchte bei seinem ersten Besuch in Russland respektvoll einiges ansprechen“, sagte der sportpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Rolf Mützenich. „Das ist in dieser Form in Sotschi nicht möglich.“ Die deutsche Bundesregierung wird bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi mit Innenminister Thomas de Maizière vertreten sein. Der CDU-Politiker wolle sich Wettbewerbe anschauen und die deutschen Athleten unterstützen. Der vom Verteidigungs- ins Innenministerium zurückgekehrte de Maizière ist in seinem Amt auch für den Sport zuständig. Die Details der Reise sollen erst im Januar festgelegt werden. Quelle: dpa
Angela Merkel Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ist nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ verärgert über die Entscheidung des Bundespräsidenten, nicht zu den Olympischen Winterspielen im russischen Sotschi zu fahren. Von der Entscheidung Joachim Gaucks habe die Leitungsebene des Kanzleramts aus den Medien erfahren, heißt es den Angaben zufolge in der Umgebung Merkels. Nach Angaben des Präsidialamts soll dagegen das Kanzleramt informiert worden sein, bevor die Absage öffentlich wurde. Auch die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ berichtet über Kritik im Kanzleramt am Vorgehen Gaucks. Das Bundespräsidialamt habe das Kanzleramt nicht informiert, andernfalls hätte man dem Bundespräsidenten von diesem Schritt abgeraten. Gauck - so die Einschätzung - fördere eine Polarisierung in den deutsch-russischen Beziehungen. Ob und wie Kanzlerin Angela Merkel (CDU) das Sportereignis besuchen wird, blieb zunächst offen. Es gebe derzeit noch keine Planungen zu einer möglichen Reise der Kanzlerin, sagte eine Regierungssprecherin. Diese Frage komme erst zu einem späteren Zeitpunkt auf die Tagesordnung. Quelle: dpa

Bundespräsident Joachim Gauck boykottiert nicht den Sport, sondern das russische Prestigeprojekt Sotschi 2014. Ginge es bei Olympischen Spielen tatsächlich nur um den Sport, könnte man sie auch jedes Mal am gleichen Ort stattfinden lassen oder abwechselnd in bereits existierenden Wettkampfstätten.

Stattdessen investiert Russland zig Milliarden in den Bau protziger Sportstätten am falschen Platz (für Sonntag werden in dem Kurort am Schwarzen Meer Sonne und 13 Grad vorhergesagt). Das damit verbundene Prestige will Machtmensch Putin für sich nutzen. Ein Boykott führender Staatsleute kann das Prestige zumindest teilweise schmälern. Das tut dem Regime weh und wirkt deshalb hoffentlich.

Denn Grund für internationale Kritik gibt es in Russland massenhaft. Putin tritt die Menschenrechte in seinem Land mit Füßen. Die Diskriminierung von Homosexuellen etwa hat inzwischen fürchterliche Ausmaße angenommen. Auslöser war das vom Präsidenten unterzeichnete Gesetz aus dem vergangenen Jahr, das jegliche positiven Äußerungen über Homosexualität in Anwesenheit von Minderjährigen oder über Medien unter Strafe stellt. Homophobe Schläger mit nationalsozialistischer Gesinnung machen seitdem Jagd auf Schwule und Lesben - und die Polizei schaut zu. Wer es immer noch nicht mitbekommen hat, hier ein Video, das solche brutalen Übergriffe in viereinhalb Minuten zusammenfasst.

Deutschland will kein Zauderer mehr sein

Gegner eines Boykotts argumentieren mit den wirtschaftlichen Beziehungen beider Länder, die durch einen Boykott gefährdet seien. Aber das darf nicht dazu führen, moralische Integrität über Bord zu werfen. Sie sagen, Protest könnten die Politiker ja schließlich auch vor Ort äußern. Aber wer heute von den Spielen wegbleibt, kann sich morgen immer noch mit Vertretern der Minderheit treffen. Medial wirksam wegbleiben plus medial wirksam hinfahren. Das sticht doppelt.

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Der Einzige, der zu den Spielen hin kann, ist der Minister, der zuständig ist für den Sport in Deutschland. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) fällt international kaum ins Gewicht, aber für die Unterstützung der Sportler spielt er eine bedeutende Rolle. Der Rest des Kabinetts hat gute Gründe, in Berlin zu bleiben.

Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) haben ja schon deutlich gemacht: Deutschland will nicht mehr der Zauderer sein. Dann kann die Bundesregierung ab heute in Sotschi schon mal damit anfangen.

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