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Proteste der Studenten „Irgendwann braucht China Demokratie"

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Chinesen legten Wert auf Stabilität und Kontinuität

Der Student Hongyi - auch er heißt in Wirklichkeit anders - ist vor einem Jahr aus China nach Hongkong gezogen und beäugt den Protest ebenfalls kritisch. Als eine Revolution versteht er ihn nicht. Die Demonstration der Menschen, die auf den Straßen des Finanzzentrums sitzen und sich Essen und Trinken teilen, bezeichnet er als „Treffen“. Die Proteste sieht er eher als eine „Bitte“. „Es ist so überraschend, wie ruhig sie sind“, sagt der 24-Jährige, der gerade sein Masterstudium abgeschlossen hat.

Die Studenten aus China sind überzeugt, dass die Hongkonger zu viel in zu kurzer Zeit verändern wollen. Die chinesische Gesellschaft habe ihre Wurzeln in der Landwirtschaft, erklären sie. Veränderungen nähmen mehr Zeit in Anspruch und erfolgten in Etappen. Schritt für Schritt sollten es die Menschen in Hongkong angehen und nichts überstürzen.

Trotzdem versteht Hongyi die Frustration über die soziale Ungerechtigkeit. Auch er würde gerne in der Zukunft in der Finanzmetropole leben. „Aber nicht unter diesen Bedingungen“, sagt er mit Blick auf die horrenden Mieten. Angeschaut hat er sich die Masse der Demonstrierenden in der Innenstadt schon. Für ihn ist es das erste Mal, so etwas zu erleben.

Chinesen legten Wert auf Stabilität und Kontinuität, sagen die Studenten. Gepaart mit wirtschaftlichem Wachstum sei es das Erfolgsprinzip des Landes. „Gewinn stärken, Verlust meiden“, benennt Hongyi diese Mentalität. Proteste passen da nicht so richtig ins Bild. Die Protestierenden hier in Hongkong stecken jetzt in einem Dilemma. Wenn sie aufgeben, verlieren sie. „Das würden Chinesen nicht riskieren“, sagt Ming. Und was ist mit Demokratie?

Die wirtschaftliche Entwicklung lenkt viele von der Politik der Kommunistischen Partei ab. Die Mittelklasse in China ist zufriedener als die in Hongkong. „Solange die Menschen zufrieden sind, brauchen sie nicht zu protestieren und sollten es auch nicht“, sagt Hongyi. Er hat den Eindruck, dass es den Chinesen in der Volksrepublik eigentlich ganz gut geht. Er schimpft darüber, dass Menschen von außerhalb denken, Chinesen wüssten nicht, was Demokratie ist. Für ihn steckt in jeder Freiheit aber auch eine Unfreiheit und Demokratie hat nach seiner Ansicht auch ihre Schwächen. Dessen sollten sich die Hongkonger bewusst sein.

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„Sie sollten die Entscheidungen der Regierung akzeptieren. Sie sind ein Teil von China“, sagt er. Aber die Hongkonger wehrten sich strikt dagegen, als Chinesen bezeichnet zu werden. „Man fühlt, dass sie sich von uns abgrenzen“, sagt Ming. Sie glaubt, dass die Hongkonger Angst haben, ihre Position als Finanzzentrum zu verlieren - denn darauf sind sie sehr stolz. Doch Shanghai und Peking sind auf dem Vormarsch und könnten Hongkong in der Zukunft vielleicht ablösen.

Die Studentin ist überzeugt, dass die Menschen in Hongkong Demokratie wollen, um sich von China abzuheben. „Sie glauben, dass wir das nie erreichen werden“, sagt Ming und fragt: „Aber verbessert Demokratie wirklich die Lebensqualität?“ Ihre Großeltern waren Bauern. Ihren Eltern ist durch Bildung der Aufstieg gelungen. Sie lebt in Hongkong. Solange es ihr und denen um sie herum gut geht, will sie das System nicht infrage stellen. „Irgendwann braucht China Demokratie - aber in was für einer Form?“

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