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Proteste in Hongkong Mit dieser App organisieren sich die Demonstranten

Die Demonstranten in Hongkong nutzen eine besondere App, um die Proteste zu organisieren und sich vor staatlicher Überwachung zu schützen. Die Technik geht auf die Anfänge des Internets zurück.

Die Demonstranten beginnen andere Technik zu nutzen. Quelle: REUTERS

Sie demonstrieren für eine freie Wahl des neuen Regierungschefs 2017 - vor den großen Einkaufszentren der Stadt, vor den Bürogebäuden, lautstark und für alle Welt sichtbar. Das macht die chinesische Führung nervös.

Deshalb ließ China am Sonntag die Plattform Instagram und einige Suchbegriffe beim Twitter-Pendant Weibo sperren - zumindest in der Volksrepublik. Ein Zusammenhang zu den Studierendenprotesten in Hongkong liegt nahe, wurden doch über die Plattform unter den Hashtags #OccupyHK und #OccupyCentral Fotos veröffentlicht.

Ein simpler Trick

Es ist allerdings nur noch eine Frage der Zeit, bis verschiedene Seiten auch in der Sonderverwaltungszone Hongkong nicht mehr zu erreichen sind. Denkbar ist vor allem das Abschalten des Mobilfunknetzes. Deshalb suchen sich die Demonstranten andere Wege und nutzen dafür einen simplen Trick: Statt über den normalen Mobilfunk tauschen sie Nachrichten über die App "FireChat" aus, die den Bluetooth-Kurzstreckenfunk nutzt - und der ist in fast allen Handys integriert.

Regionen, die China Probleme machen könnten

Die Sendeleistung der Telefone reicht zwar nicht für Übertragungen, die über 60 Meter hinausgehen. Aber gerade in großen Menschenansammlungen wie Demonstrationen, wo Menschen nah beieinander stehen, ist sie sehr hilfreich. Hinzu kommt, dass sich dieser Radius mit jedem weiteren Gerät verlängert.

Hier hat sich die Pressefreiheit verschlechtert
Mali (Rang 99, minus 74)Kein anderes Land ist im Ranking zur Pressefreiheit der Reporter ohne Grenzen so stark abgestürzt wie Mali, das viele Jahre einer der Vorreiter der Pressefreiheit in Afrika war. Nach dem Militärputsch im März sowie der Machtübernahme im Norden durch Tuareg und Islamisten mussten viele Radiosender im Rebellengebiet ihren Betrieb einstellen. Auch in der Hauptstadt seien Zensur und gewaltsame Übergriffe auf Journalisten an der Tagesordnung, so Reporter ohne Grenzen. Quelle: dpa
Tansania (Rang 70, minus 36)In dem ostafrikanischen Staat sind im vergangenen Jahr mindestens zwei Reporter ums Leben gekommen. Ein Journalist wurde bei einer Demonstration getötet, ein anderer Berichterstatter wurde tot aufgefunden. Die Polizei geht auch hier von einem Gewaltverbrechen aus. Quelle: dpa
Japan (Rang 53, minus 31)Japan rutschte vor allem wegen seiner restriktiven Informationspolitik im Gefolge der Atomkatastrophe von Fukushima 2011 um 31 Plätze ab und rangiert nur noch auf Platz 53. Zudem versuchte der Staat direkt in die Berichterstattung der Medien einzugreifen, freie Journalisten wurden von der Polizei eingeschüchtert. Quelle: dpa
Griechenland (Rang 84, minus 14)In Griechenland leiden immer mehr Reporter unter der Schuldenkrise. Sie bekommen den Frust der Bürger zu spüren und werden immer häufiger von extremistischen Gruppen oder der Polizei angegriffen.  Die Kollegen arbeiten in einem "desaströsen Umfeld", so Reporter ohne Grenzen. Quelle: REUTERS
Ungarn (Rang 56, minus 16)Verschlechtert hat sich die Situation auch in Ungarn, wo seit den umstrittenen Mediengesetzen Selbstzensur in den Redaktionen weit verbreitet ist. Die nationalkonservative Regierung kontrolliert den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, während das linksliberale Klubradio seit mehr als einem Jahr um den Erhalt seiner Sendelizenz kämpft. Quelle: REUTERS
Russland (Platz 148, minus 6)Die Staatsspitze behinderte die Berichterstattung über Großdemonstrationen gegen die umstrittene Wiederwahl Wladimir Putins. In überraschender Eile wurde im Sommer die  Gesetzgebung zur Verleumdung verschärft, die erst kurz zuvor liberalisiert worden waren. Seit September 2012 existiert eine "Schwarze Liste" blockierter Internetseiten, die Kinder vor Pornografie oder anderen schädlichen Inhalten schützen und "Hochverrat" verhindern soll. Aber: Die Überwachung des Internets sei in hohem Maße intransparent, da eine kleine Expertengruppe darüber entscheidet, welche Seiten blockiert werden, kritisieren die Reporter ohne Grenzen. Quelle: AP
Türkei (Platz 154, minus 6)In der Türkei saßen seit dem Ende des Militärregimes 1983 nie so viele Journalisten im Gefängnis wie heute. Vielen werden Straftaten nach dem umstrittenen Antiterrorgesetz zur Last gelegt. Oft erhalten weder Angehörige noch Anwälte Informationen über die Anklage und Zugang zu den Akten. Weil sie Gefangene übermäßig lange in Untersuchungshaft hält, wurde die Türkei wiederholt international kritisiert. Eine Reform des Antiterrorgesetzes im Juli 2012 brachte jedoch nur geringfügige Verbesserungen. Quelle: AP

Damit greift FireChat auf den technischen Grundgedanken zurück, der schon bei der Konzeption des Internets selbst Pate stand: Dessen Entwickler hatten bei "Arpanet" in den Sechzigerjahren ein System vielfach verbundener Computer ohne zentralen Leitrechner geschaffen.

So wäre die Kommunikation auch im Kriegsfalle noch möglich gewesen, wenn einer oder mehrere Rechner ausgefallen wären. Genauso funktioniert heute auch FireChat. Während bei den meisten sozialen Netzwerken – von Twitter über Google+ bis Facebook – die Kommunikation zwischen einzelnen Nutzern immer über zentrale (und damit für Zensoren leicht zu blockierende) Austauschknoten verläuft, senden und empfangen FireChat-Teilnehmer Nachrichten über das gesamte Netzwerk.

Die Apps auf den Smartphones fungieren dabei fortlaufend als Relais-Stationen, die den Informationsfluss an andere Nutzer weiterleiten. Das funktioniert sogar, wenn einzelne Telefone gar keinen Online-Zugang haben, etwa weil der Funkempfang zu schlecht ist - oder auch, weil staatliche Zensoren den Online-Zugriff über die Mobilfunknetze unterbrochen haben. Das geschah beispielsweise während der Proteste in Kairo beim Arabischen Frühling vor gut zwei Jahren.

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