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Provokation Trump droht Türkei mit wirtschaftlicher Zerstörung

Donald Trump spricht mit Recep Tayyip Erdogan (Archivbild 2018) Quelle: REUTERS

US-Präsident Trump droht der Türkei für den Fall eines Angriffs auf die kurdischen Milizen in Nordsyrien mit „wirtschaftlicher Zerstörung“. Türkische Anleger reagierten nervös, die Lira geriet unter Druck.

US-Präsident Donald Trump droht der Türkei für den Fall eines Angriffs auf die kurdischen Milizen in Nordsyrien mit „wirtschaftlicher Zerstörung“. Umgekehrt wolle er aber auch nicht, dass die Kurden die Türkei provozierten, schrieb Trump am Sonntagabend auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Er sprach sich zugleich dafür aus, eine 20 Meilen (gut 32 Kilometer) breite Sicherheitszone zu schaffen.

Die Türkei appellierte umgehend an die USA, die strategische Partnerschaft der beiden Nato-Staaten zu respektieren. „Terroristen können nicht Ihre Partner und Verbündeten sein“, schrieb der Sprecher des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, Ibrahim Kalin, ebenfalls auf Twitter an die Adresse Trumps. Die Türkei wolle nicht, dass das Verhältnis zu den USA durch „terroristische Propaganda“ belastet werde.

Die Drohung Trumps sorgt bei türkischen Anlegern für Nervosität. Die Landeswährung, die im vergangenen Jahr im Vergleich zum Dollar bereits rund 30 Prozent an Wert verloren hat, büßte deutlich ein. Ein Dollar verteuerte sich im Gegenzug um 1,7 Prozent auf 5,54 Lira. Auch an der Börse war die Unruhe der Investoren zu spüren: Der Leitindex BIST 100 gab mehr als ein Prozent nach.

„Der schon seit vergangener Woche anhaltende Abwärtstrend der Lira wurde durch die Aussagen von Trump verstärkt“, sagte ein Devisenhändler. Die Märkte beobachteten genau, wie sich die Situation der USA und der Türkei in Syrien entwickele. Zudem wurde die Stimmung der Lira-Investoren belastet, weil die Industrieproduktion der Türkei im November den dritten Monat in Folge zurückging. Dies deute darauf hin, dass sich die Wirtschaft in dem Land abkühle, sagte der Händler.
Die Beziehungen zwischen der Türkei und den USA sind gespannt: Die USA unterstützen in Nordsyrien die Kurdenmiliz YPG im Kampf gegen die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS). Die Türkei sieht die YPG als Terrororganisation an und hat angekündigt, sie zu zerschlagen.

Seit der Ankündigung des Abzugs der US-Truppen aus Syrien gibt es Sorge vor einem dadurch entstehenden Sicherheitsvakuum im Norden und Osten Syriens. Die Kurden befürchten nach einem US-Abzug eine Offensive der Türkei auf syrischem Gebiet.

US-Außenminister Mike Pompeo erklärte, mit seiner Twitter-Drohung an die Türkei habe Trump unterstrichen, dass die USA zu ihren Verbündeten stünden. Dies Linie vertrete die US-Regierung „sehr konsequent“ hinsichtlich eines etwaigen „unangemessenen“ Vorgehens der Türkei gegen die Kurden in Syrien, sagte er bei einem Besuch in Saudi-Arabien. Zum türkischen Standpunkt, die YPG sei wegen ihrer Verbindungen zu der in der Türkei verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK terroristisch, sagte Pompeo: „Falls sie Terroristen sind, sind wir voll und ganz dafür, Extremisten auszuschalten, wo immer wir sie finden.“

Auf die Frage, was Trump mit der Drohung einer „wirtschaftlichen Zerstörung“ der Türkei gemeint habe, verwies Pompeo auf die amerikanische Sanktionspolitik „an vielen Orten der Welt“. Er nehme an, dass Trump das gemeint habe, „aber das müssen sie ihn fragen“.

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu zeigte sich indigniert darüber, dass Trump ein soziales Medium genutzt habe, um seine Syrien-Politik zu erklären. Das mache man unter strategischen Partnern nicht so. Drohungen machten der Türkei keine Angst, erklärte er weiter. „Sie können mit wirtschaftlichen Drohungen nichts erreichen.“ Die Türkei werde alles tun, um eine Bedrohung ihrer Sicherheit „zu eliminieren“.

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