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Prozessauftakt Bo Xilai weist Vorwürfe zurück

Es war einer der größten Skandale der vergangenen Jahre in Chinas Kommunistischer Partei: Heute beginnt der Korruptionsprozess gegen den ehemaligen Politstar Bo Xilai, dem auch Vertuschung eines von seiner Frau verübten Mordes vorgeworfen wird.

Die wichtigsten Köpfe im Prozess gegen Bo Xilai
Bo XilaiBis zu seinem Rauswurf im vergangenen Jahr galt der telegene Parteichef der Megastadt Chongqing als einer der prominentesten Politiker des Landes. Er war Mitglied im 25-köpfigen Politbüro und galt als Anwärter für noch höhere Posten in der Partei- und Staatsspitze. Furore machte Bo mit seinem Anti-Mafia-Kampf - ebenso wie mit öffentlichen Massen-Gesangsveranstaltungen mit Parteiliedern. Er suchte das Rampenlicht, verband dies aber mit radikalen Kampagnen im Stil der Mao-Zeit und versetzte die Parteielite damit in Wallung. Gerüchte über Bos Familienvermögen und die Sperenzchen seines Sohnes machten die Runde. Im Prozess wird ihm nun Bestechung, Unterschlagung und Machtmissbrauch vorgehalten. Quelle: Reuters
Gu KailaiBos Frau hat gestanden, den britischen Geschäftsmann Neil Heywood getötet zu haben. Vorangegangen sei ein Streit über Geld, in dem Zusammenhang soll Heywood den Sohn der Familie bedroht haben. Gu soll aus schwierigen Verhältnissen stammen. Sie hatte es trotzdem geschafft, zur prominenten Anwältin und Politiker-Gattin aufzusteigen. Je nach dem, was gefragt schien, ließ sie ihren Charme spielen - oder zog die Daumenschrauben an. Wie Bo stammt auch Gu von einem der Veteranen der chinesischen Revolution ab. Das hat sie wohl in ihrem Mordprozess im August 2012 vor der Todesstrafe bewahrt: Ein Gericht setzte ihr Todesurteil zunächst aus, vermutlich wird es in lebenslange Haft umgewandelt. Quelle: AP
Bo GuaguaDer 25-jährige Sohn des Paares (links neben Bo Xilai) hat eine Ausbildung an Spitzenuniversitäten in England und den Vereinigten Staaten genossen. Bei Studentenfeiern in Oxford präsentierte er sich bisweilen auch mal ohne Hemd - wie im Internet veröffentlichte Bilder belegen. Dass er bei der Aufnahme an die Eliteunis bevorzugt worden sein könnte, bestreitet der junge Mann ebenso wie Gerüchte, er sei ein schlechter Student gewesen und habe sich mit kostspieligen Sportwagen die Zeit vertrieben. Er soll seit Beginn des Skandals um seine Eltern nicht mehr in China gewesen sein und derzeit an der Columbia Universität in New York Jura studieren. Er sagt, ihm sei der Zugang zu seinen seit 18 Monaten inhaftierten Eltern verwehrt worden. Quelle: REUTERS
Wang LijunEinst war er der Polizeichef von Chongqing und galt als Bos rechte Hand. Er war es, der den Skandal ins Rollen brachte. Wang soll Bo im Februar 2012 mit Hinweisen konfrontiert haben, dass Bos Frau Heywood getötet hat. Bo soll den Polizeichef daraufhin kaltgestellt haben. Der wiederum suchte Zuflucht im US-Konsulat von Chengdu und soll dort Hinweise gegeben haben, dass Gu hinter Heywoods Ermordung stecke. Daraufhin forderte die britische Regierung von China Ermittlungen. Später kam dann in Wangs Prozess heraus, dass Gu ihn eingeweiht habe und er selbst zeitweise an der Planung des Heywood-Mordes beteiligt gewesen sein soll. Wang wurde wegen Vertuschung des Mordes und wegen Korruption zu 15 Jahren Haft verurteilt. Quelle: AP
Neil HeywoodDer Unternehmensberater war einst ein Freund der Familie Bo. Im November 2011 wurde seine Leiche in einem abgelegenen Hotel auf den Hügeln von Chongqing entdeckt. Ursprünglich machten die chinesischen Behörden übermäßigen Alkoholkonsum oder einen Herzanfall für seinen Tod verantwortlich. Seine Leiche wurde ohne Autopsie eingeäschert. Tatsächlich soll er vergiftet worden sein. Erst später gab eine offizielle Erklärung der chinesischen Behörden Hinweise darauf, dass Heywood langjährige Geschäftsbeziehungen mit Gu und deren Sohn Guagua hatte, die in einem Streit über Geld gemündet hätten. Bo soll versucht haben, die polizeilichen Ermittlungen zu verhindern, nachdem Wang ihn informiert hatte. Quelle: AP

Der wegen Korruption angeklagte ehemalige chinesische Spitzenfunktionär Bo Xilai hat zum Prozessauftakt die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft teilweise zurückgewiesen. Er habe in der Stadt Dalian kein Schmiergeld von einem Vertreter aus der Entwicklungszusammenarbeit angenommen, sagte Bo am Donnerstag vor Gericht in der Stadt Jinan. „Ich hoffe, der Richter wird ein vernünftiges und faires Urteil sprechen, im Einklang mit den Gesetzen unseres Landes“, zitierte das Gericht Bo in einer Mitteilung im chinesischen Kurzmitteilungsdienst Sina Weibo.

Die Staatsanwaltschaft beschuldigte Bo, in der ostchinesischen Stadt Dalian zwischen 1999 und 2012 mehr als 20 Millionen Yuan (2,5 Millionen Euro) Bestechungsgeld angenommen zu haben und weitere fünf Millionen Yuan (600.000 Euro) für ein öffentliches Bauprojekt, bei dem auch seine Frau Gu Kailai beteiligt gewesen sei.

Der Prozess in der ostchinesischen Stadt Jinan findet unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Ausländische Journalisten wurden nicht in den Gerichtssaal zugelassen. Das Gericht teilte auf seinem Mikroblog Sin Weibo mit, dass fünf Familienangehörige Bos anwesend gewesen seien, nannte aber keine Namen. Unter den 110 Prozesszuschauern seien 19 Journalisten gewesen.


Bos Fall kam in einer Zeit, in der der linksgerichtete Funktionär auf dem Sprung ins Pekinger Machtzentrum zu sein schien: Bo saß im 25-köpfigen Politbüro und war Anwärter auf einen der sieben Sitze im obersten Führungsgremium, dem Ständigen Ausschuss, als die Affäre bekannt wurde. Zudem war er Parteichef der Millionenstadt Chongqing. Auslöser waren Berichte, dass seine Frau Gu einen britischen Geschäftsmann getötet habe. Sie wurde vor einem Jahr deswegen bereits zu einer bedingten Todesstrafe verurteilt.

Der Skandal wurde im Januar vergangenen Jahres bekannt, als Bos Polizeichef in ein US-Konsulat flüchtete. Wang Lijun, lange Zeit ein enger Vertrauter, konfrontierte Bo mit Mordvorwürfen gegen dessen Frau. Er habe Beweise, dass Gu zwei Monate zuvor den britischen Geschäftsmann Neil Heywood getötet habe. Wang wurde wegen seiner Rolle bei dem Verbrechen - er unterstützte Gu bei der Beseitigung von Beweisen, hielt aber einige heimlich zurück - zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt.

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Ein prominenter Menschenrechtsanwalt in Peking, Pu Zhiqiang, sagte, Bo werde ein politischer Prozess gemacht. „Bo Xilai ist in einem Machtkampf zwischen Spitzenfunktionären in Ungnade gefallen“, sagte er. „Es ist in Wirklichkeit gar nicht wichtig, wessen er beschuldigt wird..., weil es ein politischer Prozess ist, der nicht den Geist des Gesetzes repräsentiert.“

Vor dem Gericht hielt ein Mann ein Mao-Poster hoch und sagte: „Ich unterstütze nicht die Einzelperson Bo Xilai, sondern seine Ideen zum Teilen des Wohlstands.“ Dann wurde er von Polizisten abgeführt, die versuchten, Gespräche zwischen Journalisten und Passanten zu unterbinden.

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