Putins Ansprache im Kreml Russlands Präsident sammelt sein Volk

Putin nutzt die Ansprache an sein Volk, um seine Syrien-Intervention als Kampf gegen den Terrorismus zu begründen. Die wirtschaftliche Krise zuhause begründet er auch mit der Instabilität der Welt. Eine Analyse.

Wladimir Putin Quelle: AP

Ganz in schwarz betritt Wladimir Putin am Donnerstagmittag den großen Kremlpalast. In den Tiefen des Georgssaals, unter dessen pompösen Kronleuchtern die russische Elite andächtig lauscht, finden die Worte des Staatschefs Widerhall wie in einer Kathedrale. Putins jährliche Ansprache wirkt nicht nur wie eine Trauerfeier – sie beginnt auch so: Der Präsident startet seinen Auftritt mit einer Gedenkminute an zwei Soldaten, die in Syrien gefallen sind.

Die Ansprache fällt in eine Zeit voller Sorgen: Die Wirtschaftskrise wütet und beschert den Russen zweistellige Einbußen bei Realeinkommen. In der Ukraine schwelt weiter der Krieg, und weil Moskau daran einen gehörigen Anteil hat, wird die EU wohl noch vor Weihnachten ihre Sanktionen um sechs Monate verlängern.

Putin spricht...

Und zu allem Übel ist der Terror nach Russland zurückgekehrt, seit der Kreml im Syrien-Krieg gegen Regimegegner und manchmal gegen den IS schießt: Der Bombenanschlag auf einen russischen Urlaubsflieger zeigt dies deutlich. Der Abschuss eines russischen Kampfjets durch die türkische Luftwaffe wirkt auf viele Russen ebenso.

In solchen Zeiten ist wichtig, dass ein Volk zusammenhält – auch im Sinne innenpolitischer Stabilität. Zumal es beileibe nicht so ist, dass die Russen geschlossen hinter den Großmacht-Spielen des Kremls in Syrien stehen. Warum schickt der Kreml russische Soldaten in den Krieg in einer Region, die die meisten Russen lange auf der Karte suchen müssen?

Es klingt wie eine historisch begründete Selbstverpflichtung: Russland habe „schon immer an vorderster Front“ gegen den internationalen Terrorismus gekämpft, sagt Putin. Es habe fast zehn Jahre gedauert, die Terroristen aus dem eigenen Land zu vertreiben. Und auch Syrien werde ein langer Krieg, sagt Putin. „Es ist schwer, ihn allein zu bekämpfen, wenn alle Grenzen offen sind.“ Dass der Kreml in Syrien vorwiegend Gegner des mit Moskau verbündeten Diktators Baschar al-Assad bombardiert, erwähnt Putin nicht.

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