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Putins Rede Kein Signal zur Entspannung

Wladimir Putin versammelt seine Landsleute in einer Rede zum Widerstand gegen einen imaginären Feind – den Westen. Wie sollen Investoren bei dieser Stimmung in Russland noch Geschäfte machen?

Wie Muskelprotz Putin sich fit hält
In Sotschi ließ sich Sportfan Wladimir Putin nicht nur auf den Tribünen blicken. Hier posiert er mit Teilnehmern der Paralympischen Spiele. Quelle: dpa
Mit schicker Sonnenbrille... Quelle: rtr
...verfolgte er die Wettkämpfe auf den Pisten von Krasnaya Polyana. An seiner Seite: der russische Sportminister Vitaly Mutko. Quelle: dpa
Hier geht es im Sessellift mit Russlands Ministerpräsident Dmitri Medwedew (Mitte) auf den Berg – zur nächsten Abfahrt. Quelle: rtr
Um ein wenig Muskeln aufzubauen, hat Wladimir Putin als schmächtiger Junge den Nutzen von Judo erlebt. 2005 stieg er zu Showzwecken noch einmal auf die Matte. Quelle: AP
Mit seinen Kampfsportkenntnissen – die er hier bei einer Trainingsstunde in St. Peterburg noch einmal vorführte – konnte sich der als schwächlich beschriebene „Wolodja“ in seiner Heimatstadt gegen stärkere Nachbarjungs verteidigen. Quelle: REUTERS
Legendär sind die Aufnahmen, die Putin in freier Wildbahn zeigen. Hier als Indiana-Jones-Double in Sibirien... Quelle: AP

Über all die Jahre haben es deutsche Manager im Russlandgeschäft vorgezogen, einen Bogen um die Politik zu machen. Man verkniff sich Einwürfe zur politischen Großwetterlage und freute sich heimlich, wenn der Staat den eigenen Geschäften nicht schadete – eine Hilfe waren die Politiker im Land sowieso sehr selten.

Mittlerweile hat sich dies geändert. An jenem Mittag, da Präsident Wladimir Putin wie jedes Jahr vor der Föderalen Versammlung zur Lage der Nation spricht, dürften viele Manager die Live-Übertragung des großen Zampano verfolgt haben: Wählt er ein Wort der Entspannung, ein klitzekleines wenigstens?

Putin - Krim ist so heilig wie der Tempelberg

Nichts dergleichen. Niemals war die Front gen Westen so verhärtet wie in diesen Tagen. Auch in seiner jüngsten Rede an die Landsleute – live zu sehen auf fast allen Fernsehkanälen – gefiel sich Putin in der Rolle des Heerführers, der sein Land „in einer schicksalsträchtigen Ära“ vor äußeren Feinden schützen müsse.

Er beschwor seine „höfliche“ Armee, die niemand besiegen könne. Es sei der Westen, der angeführt von den USA einen „neuen eisernen Vorhang geschaffen“ habe.

Putin: „Das ist ein Zeichen der Schwäche, und wir sind stark.“ Die Sanktionen des Westens bezeichnete der Kremlchef als Mittel, mit dem man Russland gezielt schaden wolle: „Hätte es die Ukraine-Krise nicht gegeben, hätte man einen anderen Vorwand gefunden“, um die aufstrebende russische Nation kleinzuhalten, so Putin.

Er ging kaum auf den wirtschaftlichen Niedergang seines Landes ein. Russland hat neben einem miserablen Investitionsklima, den westlichen Sanktionen infolge der Ukraine-Politik und einem dramatisch entwerteten Rubel nun auch noch mit einem niedrigen Ölpreis zu kämpfen.

Vielmehr versprach er weniger Bürokratie, mehr Hilfe für Kleinunternehmen und den Kampf gegen Korruption – alles Punkte, sie schon sein Vorgänger Dmitrij Medwedew wie ein Mantra wiederholt hat. Verändert hat sich im Land indes wenig. Die Kapitalflucht dürfte dieses Jahr bei weit über 160 Milliarden Dollar liegen. Putin will das Geld zurückholen, indem er Steuerflüchtlingen Amnestie verspricht.

Putin spricht...

Deutschen Investoren ist die Botschaft derweil klar: Wladimir Putin sieht sich im Konflikt mit dem Westen, an eine rasche Entspannung ist endgültig nicht mehr zu denken – und auf eine dauerhafte Wirtschaftskrise wird man sich einstellen müssen. Spricht man mit Managern in Moskau, so wird deutlich: Praktisch jeder hat mit zweistelligen Absatz- und Umsatzeinbußen zu kämpfen. Bislang ist aber auch nicht von Desinvestitionen zu hören.

Es regiert das Prinzip Hoffnung, dass die politische Führung im Land irgendwann wieder zur Vernunft kommen wird. Bis dahin heißt es: Kosten sparen. Manche Unternehmen schreiben mit ihren Betrieben vor Ort schon Verluste, es kommt zu ersten Entlassungen.

In Arbeit
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Den Einfluss der Politik unterschätzt heute niemand mehr. Die Krim-Annexion hatten viele Manager noch mit einem müden Lächeln zur Kenntnis genommen. Die indirekte und teils direkte Kriegsführung der Russen in der Ost-Ukraine macht jedem Sorgen – denn daraus folgen die Sanktionen des Westens und Putins nationalistisch-isolationistische Politik.

„Als Geschäftsmann kann niemand die Sanktionen gutheißen“, sagt der Russlandchef eines DAX-Konzerns, „aber politisch sind sie vermutlich unumgänglich.“ Putins Politik richtet der Wirtschaft seines Landes fürchterlichen Schaden zu – nur der große Heerführer sieht das offenbar nicht ein.

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