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Raketenhagel auf Israel Mehr als 100 Tote im Gazastreifen

Es sind die schwersten Gefechte sei November 2012. Israel mobilisiert Bodentruppen am Gazastreifen, auch die Luftangriffe nehmen zu. Nun feuert die Hamas Raketen auf den Flughafen Ben Gurion.

Israel sprengt Häuser von Verdächtigen

Die Zahl der Toten bei den israelischen Luftangriffen im Gazastreifen ist nach jüngsten palästinensischen Angaben auf mindestens 100 gestiegen. Seit Beginn der israelischen Offensive seien zudem 680 Palästinenser verletzt worden, teilte der Sprecher der Rettungsdienste im Gazastreifen, Aschraf al-Kidra, am Freitag über Twitter mit. Es mehrten sich Berichte über zivile Opfer, darunter Frauen und Kinder.

Die israelische Luftwaffe fliegt seit Dienstag massive Einsätze gegen Ziele im Gazastreifen, um den Raketenbeschuss durch militante Palästinenser zu unterbinden. Mehr als 800 Tonnen Raketen und Bomben schlugen nach Armeeangaben in dem kleinen Palästinensergebiet am Mittelmeer ein. Das israelische Sicherheitskabinett hatte am Donnerstagabend beschlossen, die Luftangriffe auf den Gazastreifen weiter auszudehnen. Außerdem wurden drei Infanteriebrigaden an die Grenze verlegt - für eine mögliche Bodenoffensive.

Im Gegenzug weiteten die militanten Milizen der Hamas-Organisation ihren Raketenbeschuss auf Ziele in Israel aus. Erstmals beschossen sie auch den internationalen Flughafen Ben Gurion. Drei Raketen seien über dem Großraum von Tel Aviv abgefangen worden, teilte die Armee am Freitag mit. Die israelische Nachrichtenseite „ynet“ berichtete, der Flugverkehr sei während des Raketenalarms gestoppt worden.

Auch in der Stadt Tel Aviv heulten die Sirenen. Über Lautsprecher wurden die Menschen aufgerufen, Schutzräume aufzusuchen. Es waren mehrere dumpfe Explosionen zu hören. In der Hafenstadt Aschdod wurde bei einer palästinensischen Raketensalve eine Tankstelle getroffen, es kam zu einem Brand mit meterhohen Flammen und einer Rauchsäule.

Raketen aus dem Libanon

Zum ersten Mal seit Beginn des jüngsten Gaza-Konflikts sind Raketen aus dem Libanon auf Israel geschossen worden. Ein Geschoss sei am Freitag nahe der nördlichen Grenze des Landes niedergegangen, sagte der israelische Militärsprecher Peter Lerner. Es sei unklar, ob die neue Front symbolischer Art oder wirklich vorhanden sei. Das Militär habe mit Artilleriebeschuss in Richtung Libanon geantwortet.

Die staatliche libanesische Nachrichtenagentur teilte mit, zwei Raketen seien am Freitag aus dem Land abgefeuert worden. Für den Angriff übernahm niemand Verantwortung.

Die Kämpfer aus dem Gazastreifen haben bereits mehr als 400 Raketen Richtung Israel abgeschossen. Das israelische Abwehrsystem „Iron Dome“ hatte die meisten auf große Städte gerichteten Raketen abgefangen. Erneut warnten am Freitag in den Städten Sirenen vor Raketeneinschlägen, zum ersten Mal auch in der im Norden gelegenen Stadt Haifa.

Luftangriffe gegen die radikalislamische Hamas

Israel geht mit massiven Luftangriffen gegen die radikalislamischen Hamas vor. Am Mittwoch wurden rund 200 Ziele im Gazastreifen angegrireit“, sagte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts. „Die Hamas ffen. Mindestens 14 Menschen wurden getötet. Der Raketenbeschuss auf israelisches Territorium ging trotzdem weiter. Israelische Spitzenpolitiker signalisierten, dass deswegen eine Bodenoffensive realistisch sei.

„Die Hamas wird einen harten Preis dafür bezahlen"

„Die Armee ist für alle Möglichkeiten bereit“, sagte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts Mitte der Woche. „Die Hamas wird einen harten Preis dafür bezahlen, dass sie israelische Bürger beschießt. Die Sicherheit der israelischen Bürger steht an erster Stelle. Die Operation wird ausgedehnt und fortgesetzt, bis der Beschuss auf unsere Städte aufhört und wieder Ruhe einkehrt.“

Ägypten, das in der Vergangenheit bereits mehrfach als Vermittler zwischen Israel und den Palästinensern agiert hat, signalisierte am Mittwoch, dass man mit beiden Seiten in Kontakt stehe, um ein Ende der Gewalt zu erreichen. Es war das erste Zeichen seit Beginn der Offensive, dass es Bemühungen um eine Waffenpause gibt.

Doch Israel ist offenbar entschlossen, mit aller Härte gegen die Hamas vorzugehen. „Ungeachtet der Tatsache, dass es hart sein wird, schwierig und kostspielig, werden wir Gaza zeitweise übernehmen müssen, wohl für einige Wochen, um die Stärkung dieser Terrorarmee zu unterbinden“, sagte der für die Geheimdienste zuständige Kabinettsminister Juwal Steinitz Radio Israel. „Wenn sie mich nach meiner bescheidenen Meinung fragen, dann kommt eine solche bedeutende Operation immer näher.“

Bei der am Dienstag gestarteten Offensive starben bislang mindestens 41 Menschen. Israel griff insgesamt mehr als 550 Ziele an, vor allem mutmaßliche Raketenabschussstellen, aber auch Hamas-Gebäudekomplexe, Kommandozentralen, Waffenlager sowie zahlreiche Tunnel unter der seit Monaten geschlossenen Grenze zu Ägypten, über die die Hamas mit Waffen und anderen Gütern versorgt wird.

Hamas-Funktionär Muschir al-Masri erklärte, Israel habe sämtliche roten Linien überschritten. Seine Organisation werde mit aller Härte zurückschlagen. „Was wir heute an Widerstand gezeigt haben, ist nur ein Teil dessen, wozu wir fähig sind“, sagte er.

Insgesamt gingen seit Dienstag mehr als 160 Geschosse in Israel nieder. Am Mittwoch wurden nach offiziellen Angaben zunächst sieben weitere Raketen auf Israel geschossen. In Tel Aviv und im Süden Israels gaben die Sirenen mehrfach Luftalarm. Die Hälfte der Geschosse sei vom Abwehrsystem „Iron Dome“ in der Luft abgefangen worden, sagte ein Militärsprecher. Angaben zu Verletzten auf israelischer Seite machte er nicht.

Die Spannungen zwischen Israel und Palästinensern hatten zugenommen, nachdem drei jüdische Religionsschüler im Westjordanland verschwunden und schließlich ermordet gefunden worden waren. Israels Regierung schrieb die Tat der Hamas zu, ohne bisher Beweise vorzulegen.

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Wenige Stunden nach dem Begräbnis der drei vergangene Woche wurde ein 16-jähriger Palästinenser entführt und später verbrannt gefunden. Palästinenser sahen darin einen Racheakt jüdischer Extremisten. Doch auch die Festnahme der jüdischen Verdächtigen und ihr Geständnis beruhigten die Lage nicht.

Die Hamas ist derzeit deutlich schwächer als beim letzten militärischen Konflikt mit Israel im Jahr 2012 - auch weil die Muslimbruderschaft in Ägypten, einst ein großer Unterstützer, im vergangenen Jahr von der Macht geputscht wurde. Aus israelischen Regierungskreisen hieß es am Mittwoch, man könne die Hamas heute deutlich mehr schwächen als damals, weil ihre Fähigkeit zum Auffüllen ihrer Waffenarsenale inzwischen beschränkt sei.

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