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Ratingagenturen So arbeitet Fitch - ein Analyst packt aus

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S&P ist Teil des Verlagskonzerns McGraw-Hill, zu dem auch ein Finanzinformationsdienst, der die S&P-Aktienindizes betreibt, sowie eine Marktforschungssparte und ein Schulbuchverlag gehören. Vor wenigen Tagen geriet das Unternehmen ins Visier von Großanlegern. Der Hedgefonds Jana Partners und der Lehrer-Pensionsfonds der kanadischen Provinz Ontario erhöhten ihre gemeinsame Beteiligung und werden möglicherweise auf eine Aufspaltung drängen.

Anspruchsvoll, doch wenig fordernd

Die Ratingszene ist überschaubar, vor allem in Deutschland, wo rund 150 Analysten arbeiten. Selbst weltweit sind es kaum mehr als 5000. Im Frankfurter Fitch-Büro arbeiten insgesamt 25 Analysten, drei haben einen Doktortitel, fast keiner ein eigenes Büro, kaum einer ist älter als 50. Der Umgang sei nicht zu vergleichen mit dem harschen Ton der Investmentbanken, berichtet ein Insider, es gehe viel freundlicher und kollegialer zu. Und der Alltag ist zwar anspruchsvoll, aber doch weniger fordernd: 16-Stunden-Tage, Wochenendeinsätze und durchgearbeitete Nächte sind bei den Agenturen weitgehend unbekannt.

Viele Analysten haben Wirtschaftswissenschaften oder Mathematik studiert. Bach fing beim VWL-Studium an, sich für die Ökonomie öffentlicher Institutionen zu interessieren, bei der Commerzbank bewertete er später deren Kreditrisiken. 2007 ging er zu Fitch, weil er sich dort tiefere Einblicke erhoffte. An manche Informationen sei er als Banker gar nicht herangekommen, seit er aber für die Bonitätsprüfer arbeitet, sitzt er am längeren Hebel: Er vergibt erst Noten, wenn er Einsicht in alle gewünschten Daten erhalten hat.

70 000 Euro Jahresgehalt sind Standard

Ein mühsamer und dröger Job, für den er und seine Kollegen ordentlich, aber nicht spektakulär entlohnt werden. 70 000 Euro Jahresgehalt sind bei Fitch Standard für einen Einsteiger, viele haben Wirtschaftswissenschaften oder Mathematik studiert, bei weiteren Karriereschritten sind 10 000 bis 20 000 Euro mehr drin. Investmentbanken zahlen auch dank einer höheren variablen Vergütung deutlich besser. Qualifizierte, ehrgeizige und extrovertierte Kräfte suchen ihr Glück deshalb oft über kurz oder lang bei einem der großen Finanzinstitute. "Die Bonitätsprüfer sind dort als Analysten oder im Risikomanagement gefragt", sagt Tim Zühlke von der auf Finanzdienstleister spezialisierten Personalberatung Indigo Headhunters.

Die Rechenkünstler werkelten über Jahre im Verborgenen. Erstmals gerieten sie 2001 in die Kritik als der US-Konzern Enron pleiteging – und das, obwohl er mit Bestnoten bewertet wurde. Als größter Ratingsündenfall gilt jedoch die Bewertung verbriefter US-Immobilienkredite, die die Agenturen erst mit Höchstnoten versahen und dann Ende 2007 massenweise herabstufen mussten.

Die Agenturen gehen erst mal gutgläubig ans Werk. Ob Informationen fehlerhaft seien, könne ein Analyst nicht überprüfen, sagt Bach, doch „wenn ein Jahresabschluss nicht testiert ist, werden wir hellhörig“. Grundsätzlich aber sei es Aufgabe der Wirtschaftsprüfer, Fehler aufzudecken. So erklären die Bonitätsprüfer die Enron-Blamage mit dem Hinweis auf gefälschte Bilanzen. Allwissend zu sein, "diesen Anspruch hatten wir nie. Wir analysieren lediglich die Daten, die man uns gibt oder die öffentlich zugänglich sind", erklärt der Analyst.

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