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Reaktionen auf Trump-Enthüllungsbuch Ein Werk „voller Lügen und Fehldeutungen“

Das Buch „Fire and Fury“ stellt Donald Trump als inkompetenten Narzissten vor. Kein Wunder, dass der Präsident juristisch und verbal dagegen vorgeht. Auch sein engster Zirkel reagiert empört, seine Gegner amüsiert.

Reaktionen auf Trump-Enthüllungsbuch: „Geh zum Therapeuten“ Quelle: AP

WashingtonEigentlich hatte sich das politische Washington auf ein paar ruhigere Tage eingestellt. Ein Kälteeinbruch an der Ostküste lähmte das Tagesgeschäft, mehrere Senatoren hatten die Stadt vor dem Wochenende verlassen, um in ihren Heimatstaaten nach dem Rechten zu sehen. Doch die vermeintliche Ruhe hielt nur kurz an – wie so oft in Donald Trumps Amtszeit.

Seit am Mittwoch die ersten Passagen aus dem Buch „Fire and Fury“ des US-Journalisten Michael Wolff veröffentlicht wurden, befindet sich die amerikanische Hauptstadt in heller Aufregung. Das Buch zeichnet ein denkbar unvorteilhaftes Bild des Präsidenten. Wolff beschreibt Trump als inkompetentes und überfordertes Staatsoberhaupt, das mehr an seiner eigenen Prominenz als an den Aufgaben des Amtes interessiert ist. Es berichtet auf Grundlage von Interviews, die Autor Wolff geführt haben will, von den angeblich chaotischen Zuständen im Weißen Haus.

Besonders pikant: Einer der wichtigsten Zitatgeber des Journalisten war ausgerechnet Trumps Ex-Chefstratege Steve Bannon. Der Chef des Alt-Right-Mediums „Breitbart“, lieferte einige höchst unvorteilhafte Sätze über Trumps direktes Umfeld, bis hin zu seiner Familie. Das Treffen von Trump-Sohn Don Jr. mit einer russischen Anwältin während des Wahlkampfs, nannte er „verräterisch“ und „unpatriotisch“ – und wies auf die Risiken für den US-Präsidenten hin, die sich durch die Beziehungen von dessen Schwiegersohn Jared Kushner mit der Deutschen Bank ergeben könnten.

Es ist nicht das erste Mal, dass diese Verbindung Schlagzeilen macht. Bereits im vergangenen Herbst hatte das Handelsblatt enthüllt, dass Sonderermittler Robert Mueller im Zuge seiner Untersuchung über eine mögliche Zusammenarbeit von Trumps Wahlkampfteam mit Russland Vorladungen an die Deutsche Bank versendete, um Einblicke in die Finanzen des Präsidenten und seinem Umfeld zu erlangen.

Das rückt jetzt wieder in den Fokus. „Der Weg der Ermittler führt über die Deutsche Bank und den ganzen Kushner-Mist“, zitiert Autor Wolff Bannon. Die eigentliche Gefahr für Trumps Präsidentschaft sei nicht die vermeintliche Zusammenarbeit mit Russland, sondern Geldwäsche. Dies sei eine der belastbareren bisherigen Enthüllungen, schreibt „Bloomberg“ dazu. Auch „CNN“ kommentiert, dass auf Trump riesige neue Probleme zukommen könnten, sollte sich der Verdacht erhärten, dass Don Jr. und Kushner in illegale Geschäfte mit der Deutschen Bank verwickelt seien.

Trump wiederum wollte die kritischen Sätze seines Ex-Chefstrategen nicht auf sich sitzen lassen. In einer Erklärung warf der Präsident Bannon vor, den „Verstand verloren“ zu haben. Kurz darauf ließ er ihm eine Unterlassungserklärung zustellen und kündigte juristische Schritte an, sowohl gegen seinen Ex-Berater als auch gegen den Autor Wolff.

Bei Twitter schrieb er am Donnerstagabend, er habe dem Autor keinen Zugang zum Weißen Haus gewährt und nie mit ihm gesprochen. Das Buch über das Weiße Haus sei ein Werk „voller Lügen, Fehlinterpretationen und Quellen, die nicht existieren“. Unterdessen ließen Autor und Verleger des Buches mitteilen, es werde wegen der großen Nachfrage vier Tage früher als geplant auf den Markt kommen.

Trump galt schon als Reality-TV-Star und Immobilienmanager als klagefreudig, wenn ihm Berichterstattung nicht gefiel. Doch dass ein amtierender US-Präsident so vehement auf eine unliebsame Veröffentlichung reagiert, ist höchst ungewöhnlich. Unter Trumps Vorgängern wurden kritische Bücher zumindest öffentlich meist ignoriert.

Doch das entspricht so gar nicht dem Naturell des derzeitigen Amtsinhabers, der selbst auf kleine Provokationen zumeist mit einem harten Vergeltungsschlag reagiert. Dass er auf eine Veröffentlichung, die ihn als inkompetenten Narzissten darstellt besonders heftig reagiert, passt ins Bild – zumal er stets alles vehement bekämpft hat, was seinen Wahlsieg im Herbst 2016 in der öffentlichen Wahrnehmung schmälern könnte.


Bannon fühlt sich Trump weiter verbunden

Es ist jedoch vor allem der Bruch zwischen Trump und Bannon, der Washington derzeit elektrisiert. Für den Präsident mag er ein Risiko sein, in seiner Partei ist man jedoch alles andere als unglücklich darüber, dass der ehemalige Chefstratege ganz offensichtlich an Einfluss verloren hat. Auch wenn der Wirbel um das Buch die Kommunikationsstrategie der Republikaner zunächst einmal durcheinanderbringt.

Eigentlich wollen sie die Aufmerksamkeit ihrer Wähler zum Auftakt der Amts-Halbzeit auf ihren Steuerreform-Sieg richten, doch sie sehen auch die Vorteile der öffentlichen Fehde. Etablierte Republikaner haben schon lange gemahnt, dass die Nähe zu Bannon, der außerhalb des Weißen Hauses Anti-Establishment-Politiker fördern will, ihnen schadet.

Mitch McConnell, republikanischer Mehrheitsführer im Senat, reagierte auf den Bruch erleichtert: Sein Team twitterte kommentarlos ein Bewegtbild von McConnell, wie er an seinem Schreibtisch sitzt und grinst. Auf ein weitergehendes Statement verzichtete er, so wie der überwiegende Teil der anderen Republikaner im Kongress.

Bei den Demokraten macht sich hingegen Schadenfreude breit. Der kalifornische Abgeordnete Ted Lieu rückte die jüngsten Enthüllungen gleich in die Nähe des Watergate-Skandals. Auch Nixons Sturz sei beschleunigt worden, nachdem Insider sich gegen ihn gewendet hatten, twitterte Lieu. „Bannon war ein Insider“, so Lieu weiter.

In Trumps Unterstützerkreis versucht man hingegen, den Einfluss des ehemaligen Wahlkampfchefs herunterzuspielen. „Bannon sah seine Rolle als deutlich größer an als sie jemals war oder sein würde“, so Ed Rollins, Chefstratege der Trump-Unterstützergruppe Great America PAC., zu „Politico“. „Bannon wurde auf dem Südrasen erschossen, mit einem Panzer überfahren und dann hat der Präsident einen anderen Gang eingelegt und fuhr noch einmal über ihn drüber.“

Auch Trumps Sohn Don Jr. attackierte Bannon: „Steve hatte die Ehre im Weißen Haus zu arbeiten und seinem Land zu dienen. Leidet hat er dieses Privileg verschwendet und machte aus dieser Chance einen Albtraum aus Hinterhältigkeit, Belästigung, Durchstechereien, Lügen und Untergraben des Präsidenten“, so Trump Jr. auf Twitter. „Steve ist kein Stratege, er ist ein Opportunist.“

Trumps Kurzzeit-Kommunikationschef Anthony Scaramucci riet Bannon: „Geh zurück zum Therapeuten“. Bannon wiederum scheint sich mit dem augenscheinlichen Verlust seines Einflusses nicht abfinden zu wollen. „Nichts wird jemals zwischen uns und Präsident Trump und seine Agenda kommen“, so Bannon am Donnerstag in seiner Radio-Sendung. Eine Hörerin hatte zuvor die Verdienste des Breitbart-Chefs für Trump gelobt. Im Laufe der Show nannte Bannon den US-Präsidenten einen „großartigen Mann“. Seine von Wolff zitierten Aussagen nahm er allerdings nicht zurück.

Auf Twitter schrieb Trump, man solle sich die Vergangenheit des Autors ansehen und zuschauen, was mit ihm und „Sloppy Steve“ (etwa: dem schlampigen Steve) geschehen werde. Mit letzterem Begriff spielte er offensichtlich auf Bannon an. Bereits zuvor hatte Trump mit Blick auf Bannons Aussagen in dem Buch gesagt, dieser habe seinen Verstand verloren. Wolff nannte Trump in dem Tweet nicht namentlich.

Die Unterlassungserklärung, die verlangt, dass das Buch weder veröffentlicht werden, noch weitere Auszüge daraus vorab publiziert werden sollen, machten auf Autor und Verlag offensichtlich kaum Eindruck: Henry Holt and Co. hat das Erscheinungsdatum um vier Tage vorgezogen, da die Nachfrage beispiellos sei. Wolff selbst twitterte am Donnerstag: „Los geht's. Sie können es morgen kaufen (und lesen). Danke, Mr. President.“

Trotzdem gibt es durchaus Zweifel daran, ob tatsächlich alles zutrifft, was der Autor in seinem Buch schreibt. Vieles sei „vollkommen unwahr“, sagte etwa Regierungssprecherin Sarah Huckabee Sanders, auch haben bereits einige Zitierte bestritten, im Buch veröffentlichte Dinge so gesagt zu haben. Einige Journalisten meldeten ebenfalls Zweifel an. Der Autor selbst sieht jedoch keinen Grund, etwas zurückzunehmen. Er habe dutzende Stunden Audioaufnahmen von Interviews mit Gesprächspartnern, um seine Aussagen zu belegen, so Wolff.

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