Rede im Kreml Putin wirft Westen Abkehr von konservativen Werten vor

Am 20. Jahrestag der russischen Verfassung präsentiert Präsident Putin das Riesenreich als Verteidiger traditioneller Werte. Die Ansprache passt zum umstrittenen Verbot von Homosexuellen-Propaganda.

Putins beste Sprüche
Putins beste Sprüche„Ich weiß nicht, womit sie heizen wollen. Atom wollen sie nicht, Gas wollen sie nicht. Wollen sie wieder mit Holz heizen?“ Putin über die Energiedebatte in Deutschland, November 2010
„Wir werden unser Volk nicht vergiften.“   Zum Importverbot für EU-Gemüse wegen Ehec, 11.6.2011
„Wo man nicht zusammen kommen kann, bekommt man den Knüppel auf die Rübe“    Zum Vorgehen der Polizei gegen Demonstranten, 6.9.2010.
„Wer das getan hat, wird den Preis dafür bezahlen und im Suff oder Drogenkonsum enden“ Über den Verrat russischer Spione in den USA, 2.8.2010.
„Ich habe vielleicht in der Universität nicht das allermeiste gelernt, weil ich in der Freizeit viel Bier getrunken habe. Aber einiges habe ich doch behalten, weil wir sehr gute Dozenten hatten.“ Über sein Studium, Mai 2005.
„Die Russen kommen hier nicht mit Kalaschnikow und mit Panzern her, sondern Russland bringt das Geld mit.“ Zu Investitionen russischer Unternehmen in Deutschland, Oktober 2006.
„Niemand will, dass die G8 zu einer Ansammlung fetter Kater wird.“ Über die Rolle Russlands in der Gruppe der führenden Industrienationen, Januar 2006.

Kremlchef Wladimir Putin hat dem Westen vorgeworfen, mit seiner Abkehr von traditionellen Werten Stabilität und Frieden in der Gesellschaft zu gefährden. In vielen Ländern werde von den Menschen heute verlangt, „Gut und Böse“ als gleichberechtigt anzuerkennen, kritisierte der 61-Jährige bei seiner Rede an die Nation im Großen Kremlpalast am Donnerstag. Die Zerstörung etwa von Familienwerten führe zu „negativen Folgen“ in der Gesellschaft. Putin hatte in diesem Jahr unter anderem per Gesetz verbieten lassen, in Gegenwart von Minderjährigen positiv über Homosexualität zu sprechen.
„Wir wissen, dass es in der Welt immer mehr Menschen gibt, die unsere Position beim Schutz traditioneller Werte unterstützen“, sagte Putin vor rund 1100 Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Religion. Patriarch Kirill von der russisch-orthodoxen Kirche verfolgte die rund 70 Minuten lange Rede in der ersten Reihe. Vertreter anderer Glaubensrichtungen saßen weiter hinten.

Zahlen und Fakten zu Russland

Russland habe heute eine „historische Verantwortung“, die jahrtausendealten Grundlagen menschlichen Zusammenlebens in der Welt zu verteidigen. „Natürlich ist das eine konservative Position“, betonte Putin. Doch könne so Chaos verhindert werden. „In vielen Ländern werden heute die Normen von Moral und Sittlichkeit umgekrempelt, nationale Traditionen und die Unterschiede zwischen den Nationen und Kulturen verwaschen“, beklagte der Präsident. Kommentatoren kritisierten Putins inzwischen zehnte Programmrede an die Nation als Ansprache voller unverbindlicher Worte. Es fehlten konkrete Impulse und Ziele für seine bis 2018 dauernde dritte Amtszeit. Zudem bemängelten sie, dass sich viele Themen wiederholten, ohne dass sich das Riesenreich insgesamt weiterentwickle.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

Putin betonte, dass sich das Land nach Jahren der wirtschaftlichen Stabilisierung nun wieder auf seine Werte besinnen müsse: auf gegenseitige Verantwortung und Mitgefühl. „Wir waren immer stolz auf unser Land - wir streben aber nicht an, eine Supermacht zu sein, die etwa Anspruch auf Weltherrschaft erhebt“, sagte der Kremlchef.
Der krisengeschüttelten Ukraine bot Putin „Partnerschaft“ an. Er lud das Land erneut ein, sich der von Russland angeführten Zollunion anzuschließen. „Wir zwingen niemandem etwas auf. Aber wenn unsere Freunde den Wunsch zur gemeinsamen Arbeit haben, sind wir bereit.“
Zudem forderte Putin die Nato zur Aufgabe ihrer Pläne für einen Raketenschild in Europa auf. Nach der Einigung im Atomstreit mit dem Iran entfalle das wichtigste Argument für das Abwehrsystem. Moskau lehnt den Schutzschild als Bedrohung für seine Sicherheit ab.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%