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Regulierung der Finanzmärkte Neue Regeln für die Finanzbranche werden weltweit zerrieben

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Harsche Kritik ist ein typischer Reflex von Standesvertretern. Die Fondsbetreiber selbst hatten mit viel härteren Regeln gerechnet. Zum Beispiel schlägt die Kommission vor, dass Fonds ein Eigenkapital von 125.000 Euro nachweisen sollen. Beträgt das Fondsvolumen mehr als 250 Millionen Euro, werden weitere 0,02 Prozent dieser Summe fällig. Das schreckt die oft selbst zu Multimillionären gewordenen Hedgefonds-Manager nicht. „Wer das Geld nicht hat, der hat in der Branche nichts zu suchen“, sagt ein Hedgefonds-Manager.

Außerdem schreibt die EU nicht vor, wie schnell die Hedgefonds das Geld der Kunden zurückzahlen müssen. Seit Ausbruch der Finanzkrise haben viele Hedgefonds die Möglichkeit genutzt, Anlegergelder einzufrieren, anstatt ihre Fonds aufzulösen, und das wäre nach dem Entwurf weiter erlaubt. „Mit den Regeln, die bisher von der EU vorgesehen sind, kann ich gut leben“, sagt der Deutschland-Chef einer internationalen Private-Equity-Gesellschaft. „Ich hatte befürchtet, dass wegen der Finanzkrise harte Auflagen kommen, zum Beispiel eine Obergrenze für den Fremdkapitaleinsatz.“

Schlechter Marktüberblick

Als 2006 und 2007 Kredite fast unbegrenzt und günstig zu haben waren, luden einige Fonds ihren Übernahmezielen teils das Zehnfache des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) an Krediten auf, um die Übernahme zu den damals hohen Kaufpreisen zu finanzieren. „Heute gilt ein Unternehmen mit halb so viel Schulden als Pleitekandidat“, sagt ein anderer Private-Equity-Manager. Doch trotz der Verschuldungs-Exzesse sieht der EU-Richtlinienentwurf keine Obergrenze für den Krediteinsatz bei Übernahmen vor.

Der wirklich interessante Testfall für den Umbau des Finanzsystems wird die Neuorganisation der Bankenaufsicht sein. Banken sind schon seit Jahrzehnten keine Institute mehr, die nur in ihrem nationalen Territorium agieren. Dass die nationalen Aufseher keinen Überblick über den Markt haben, wird von Experten als großes Manko betrachtet. Beim jüngsten EU-Gipfel verständigten sich die Staats- und Regierungschefs auf eine bessere Vernetzung. Am 30. September will die EU-Kommission konkrete Vorschläge vorlegen, wie der geplante Europäische Rat für Systemrisiken (ESRB) arbeiten könnte, der Risiken in allen Finanzsektoren identifizieren soll.

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