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Regulierung der Finanzmärkte Neue Regeln für die Finanzbranche werden weltweit zerrieben

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Weitaus mehr Kopfzerbrechen macht den Beamten das geplante Europäische System der Finanzaufsichten (ESFS). Der Grundgedanke: Die bestehenden europäischen Aufsichtsgremien für Banken, Versicherungen und Wertpapiere sollen aufgewertet und mit mehr Macht ausgestattet werden. Den ersten Einspruch erhoben die Briten auf dem Gipfel, als sie forderten, das ESFS könne Großbritannien nicht zwingen, in Schieflage geratene ausländische Institute mit britischen Steuergeldern zu retten. Brüsseler Beamte machen sich noch auf schwierige Verhandlungen mit London gefasst: „Das wird nicht einfach“, prognostiziert ein Beamter und sagt im Spaß, er werde seinen Anrufbeantworter anstellen, wenn er eine britische Vorwahl im Display sehe.

Die Juristen der EU-Kommission haben immerhin schon eine Rechtsgrundlage ausfindig gemacht, die keine Einstimmigkeit unter den Mitgliedstaaten erfordert. Die Hoffnung: Die Briten werden nicht genug Verbündete finden, um die geplanten Verordnungen im Rat zu blockieren.

Zurück zur Tagesordnung?

Während in Brüssel und Washington um eine neue Finanzarchitektur gerungen wird, ist in Teilen der Londoner City die Finanzkrise bereits Geschichte. Mitarbeiter der US-Investmentbank Goldman Sachs in London können sich nach einem äußerst erfolgreichen ersten Halbjahr für 2009 auf Boni in Rekordhöhe freuen. Auch von der Royal Bank of Scotland – die nach einer spektakulären Rettungsaktion nun zu 70 Prozent dem britischen Staat gehört – gibt es überraschende Nachrichten: Ihr neuer Chef, Stephen Hester kann zusätzlich zu seinem Jahresgehalt von umgerechnet 1,4 Millionen Euro auch noch mit einem Jahresbonus von 2,4 Millionen Euro in Wertpapieren sowie langfristigen Aktienoptionen im Wert von rund 7,6 Millionen Euro rechnen.

„Ich mache mir immer mehr Sorgen, dass der Bankensektor nur zu gern zur Tagesordnung zurückkehren will“, sagt ein aufmerksamer Beobachter, der Vorsitzende der Investment Management Association, Richard Saunders. „Dabei wäre es doch so wichtig, die Ungeheuerlichkeit dessen, was passiert ist, nicht aus den Augen zu verlieren.“

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