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Reichensteuer von 75 Prozent Frankreich setzt massive Steuererhöhung durch

Die Pläne für eine Reichensteuer gab es schon länger - nun hat die französische Nationalversammlung am Freitag die Abgabe in Höhe von 75 Prozent des Einkommens beschlossen. Auch in Deutschland gibt es Rufe nach einer solchen Steuer.

Was die Franzosen mit Deutschland verbinden
Was die Franzosen mit Deutschland verbindenDie Deutsche Botschaft in Paris hat im vergangenen Jahr das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage vorgestellt. Die Frage lautete: Welches Bild haben die Franzosen von den Deutschen und umgekehrt? Fest steht: Es ist eine lange Geschichte der Anerkennung, aber auch der Anfeindung. Ein kurzer Überblick, über die Begriffe, mit denen die Franzosen uns Deutsche identifizieren. Quelle: dpa
Abgeschlagen auf den hinteren Plätzen landeten Begriffe wie „Hitler“, „Nazis“ und „Krieg“. Die Autoren der Studie schlussfolgern daraus: Germanophobie gibt es in Frankreich kaum noch. Gerade die jüngeren Franzosen denken mit Blick auf die vergangenen Jahrzehnte eher an den Fall der Mauer, als an Deutschlands Rolle unmittelbar vor und während des Zweiten Weltkrieges. Quelle: AP
Die Franzosen reden bei Deutschland von "Respekt" (33 Prozent); die Deutschen eher von "Sympathie" (65 Prozent). Die Frage, ob Deutschland ein Verbündeter oder gar ein Freund ist, haben die Franzosen in der Vergangenheit auch mal giftig beantwortet. Der französische Schriftsteller Francois Mauriac sagte einst: "Ich liebe so sehr Deutschland, dass ich mich freue, dass es gleich zwei davon gibt". Er meinte die Bundesrepublik und die DDR. Nun wählen die Franzosen den Begriff "Partnerschaft", um ihre Beziehung zu Deutschland zu beschreiben. Daran soll sich auch künftig nichts ändern - laut der Umfrage der Deutschen Botschaft in Paris schätzen 45 Prozent der Befragten Deutschland als privilegierten Partner. Anders sehen das die Deutschen: 72 Prozent wollen Frankreich als ein Land wie jeden anderen Partnerstaat sehen. Quelle: dpa
Die Würstchen oder das Sauerkraut nannten zwölf Prozent der Befragten als was typisch Deutsches. Man muss davon ausgehen, dass die deftige Küche als Beispiel deutscher Kochkünste herhalten muss. Quelle: dpa
Das deutsche Auto genießt bei den Franzosen ein hohes Ansehen. 18 Prozent der Befragten gaben das an erster Stelle an - genauso viele, die "Strenge" nannten. Gerade in Wirtschaftsangelegenheiten dient Deutschland aus französischer Sicht als Vorbild: 63 Prozent der Befragten gaben an, dass sich Frankreich stärker am deutschen Modell ausrichten sollte. Entsprechend hoch ist auch der Wille, dass die künftige Kooperation mit deutschen Unternehmen verstärkt werden sollte - 38 Prozent der Franzosen vertraten diese Meinung. Quelle: dpa
Die deutschen Rheinnachbarn werden auch stark mit ihrem Bier assoziiert: 23 Prozent der Befragten nannte als erst das deutsche Getränk par excellence. Quelle: AP
Gefragt nach einem spontanen Gedanken zu Deutschland, wurde der Nachname der deutschen Bundeskanzlerin bei der Umfrage der Deutschen Botschaft am meisten genannt. 29 Prozent der Befragten gaben " Merkel" an. Nicht nur für die Franzosen verkörpert die Bundeskanzlerin die Werte Fleiß, Disziplin und Rechtschaffenheit. Dass Merkel in Paris einen hohen Stellenwert genießt, zeigte sich schon im Sommer 2011. Eine breite Mehrheit der Franzosen hatte in einer Umfrage der französischen Zeitung "Le Parisien" erklärt, sie trauen der Deutschen eher als dem damaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy zu, die Schuldenkrise zu lösen. Mit dem sozialistischen Präsidenten Francoise Hollande dürfte die Zahl nicht kleiner geworden sein. Quelle: REUTERS

Auf die Reichen von Frankreich kommt bald eine erhebliche Steuerlast zu. Die französische Nationalversammlung beschloss am Freitagabend in Paris den Sparhaushalt für 2013, der nicht nur Kürzungen in Höhe von 36,9 Milliarden Euro vorsieht, sondern auch Steuererhöhungen mit sich bringt.

Darunter fällt auch die neue Reichensteuer in Höhe von 75 Prozent, die ab einem Einkommen von einer Million Euro pro Jahr fällig werden soll. Die Betroffenen sollen die Steuer zwei Jahre lang zahlen.

So sollen reiche Privathaushalte und große Unternehmen dem Staat zu höheren Steuereinnahmen von etwa 210 Millionen Euro jährlich verhelfen. Rund 1500 Steuerzahler sind in Frankreich von der Reichensteuer betroffen.

Mit diesen Maßnahmen soll die Neuverschuldung von aktuell rund 4,5 Prozent des BIP auf 3 Prozent im nächsten Jahr gedrückt werden. Allerdings muss sich noch der Senat mit der Vorlage der sozialistischen Regierung befassen. Der Nachrichtensender "France Info" meldete, mit dem Votum habe Präsident Francois Hollande ein wichtiges Wahlversprechen eingelöst.

Die Opposition verurteilte die Abgabe als "Bestrafung der Reichen" und nannte sie wirtschaftlich sinnlos, da so nur viele Reiche dazu verleitet würden, abzuwandern und ihren Wohnort ins Ausland zu verlegen.

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Auch in Deutschland wurden in der Vergangenheit immer wieder ähnliche Steuermodelle gefordert. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) etwa forderte Ende September eine sogenannte "Gerechtigkeitssteuer" für Vermögende in Form einer einmaligen Abgabe von drei Prozent des Vermögens ab 500.000 Euro Kapital bei Ledigen und einer Million Euro bei verheirateten Paaren. Auch SPD-Chef Sigmar Gabriel ist als Befürworter einer Reichensteuer bekannt. Er will auch in Deutschland einen deutlich höheren Spitzensteuersatz installieren. Bis zu 50 Prozent ihres Einkommens sollen die Topverdiener abtreten.

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