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Reise ins Perlflussdelta Hier entsteht die größte Metropole der Welt

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Drängende Umweltprobleme

„Was definitiv gelungen ist: in relativ kurzer Zeit Wohnraum für Millionen von Menschen zu schaffen“, sagt Werner Breitung. Der aus Deutschland stammende Professor für Stadtentwicklung an der Xi’an Jiaotong-Liverpool University in Suzhou forscht seit fast 20 Jahren im Perlflussdelta.

Anders als in Indien oder Afrika leben die neuen Stadtbewohner nicht in Slums. Denn erst war die Nachfrage nach Arbeit da, dann zogen die Menschen in die Städte – nicht umgekehrt. Lange sei es gesellschaftlicher Konsens gewesen, Umwelt und Gesundheit auf Kosten von Wachstum und Entwicklung zurückzustellen, sagt Breitung. Jetzt würden die Umweltprobleme dringlicher: „Das wird die Region in den nächsten Jahren beschäftigen.“

Die faszinierenden Metropolen Chinas
Chongqing ist eine Millionenstadt in der Volksrepublik China. Sie liegt auf einer wie ein Komma geformte Halbinsel am Zusammenfluss von Jangtsekiang und Jialing. Das Verwaltungsgebiet der Stadt ist annähernd so groß wie die Fläche von Österreich. Mit 28,85 Millionen Einwohnern gehört Chongqing zu einer der größten Megastädte Chinas. Quelle: Reuters
Guangzhou ist eine Stadt im Süden Chinas mit 8,86 Millionen Einwohnern. Sie ist ein bedeutender Industrie- und Handelsstandort, weshalb sie auch die „Fabrik der Welt“ genannt wird. Im Oktober 2010 wurde in Guangzhou der höchste Fernsehturm der Welt (600 m) eröffnet. Quelle: Reuters
Die Küstenstadt Zhuhai gehört zu der chinesischen Provinz Guangdong und hat eine Einwohnerzahl von 1,45 Millionen. Zhuhai trägt in China den Beinamen „Stadt der Romantik“ aufgrund der vielen Buchten und Küsten. Die Stadt ist sehr sauber, der Lebensstandard sehr hoch. Zhuhai ist ein beliebtes Wochenenddomizil für Geschäftsleute aus Hongkong. Quelle: Reuters
Wuhans Einwohnerzahl beträgt 8,33 Millionen. Die Stadt in der Provinz Hubei besteht aus drei zusammengelegten Städten. Das ebene Stadtbild ist von zahlreichen Seen geprägt. Quelle: Reuters
Die Stadt Chengdu hat 10,44 Millionen Einwohner. Sie hat sich zum Wirtschaftszentrum Westchinas entwickelt. 2006 erreichte Chengdu den vierten Platz der lebenswertesten Städte Chinas. Quelle: dapd
Peking ist die Hauptstadt und das politische Zentrum der Volksrepublik China. Dort leben etwa 17,6 Millionen Einwohner. Durch die dreitausendjährige Geschichte Pekings beherbergt die Stadt ein imposantes Kulturerbe. Quelle: dpa
Dongguan hat 8,2 Millionen Einwohner. Sie liegt östlich des Perlflusses an der Mündung in das chinesische Meer. Viele Auslandschinesen in Hongkong stammen aus Dongguan. Quelle: Reuters

Links und rechts erheben sich anfangs noch die Hochhäuser von Guangzhou. Erst nach zehn Minuten Fahrt ändert sich das Bild: Die Häuser werden niedriger und spärlicher. Palmen und Bananenstauden tauchen auf. Nathan stammt eigentlich aus Yinchuan, der Hauptstadt der Provinz Ningxia. Das liegt 2.500 Kilometer nordwestlich von seinem jetzigen Wohnort.

Guangzhou, das 2.000 Jahre alte Kanton, ist Hauptstadt der Provinz Guangdong und so etwas wie der Kopf der Region. „In China schlägt das Herz der Weltwirtschaft, und im Perlflussdelta ist das Wirtschaftszentrum Chinas“, schwärmt Levent Akdeniz. Der 40-jährige Türke gestaltet mit seiner Firma Delvento Home in Guangzhou Hotels und Restaurants. Tische und andere Möbelstücke lässt er flussabwärts in den Fabriken von Dongguan produzieren.

Binnen 100 Jahren dreht sich die Einwohnerentwicklung von Stadt zu Land komplett um. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Die Region ist als Werkbank der Welt bekannt. Noch immer stammen 30 Prozent der chinesischen Exporte aus der Provinz. Doch durch die Weltwirtschaftskrise und das Umlenken der Staatsführung hin zu mehr Binnenkonsum wandelt sich die Wirtschaftsstruktur. Viele der Tausenden Textilfabrikanten, für die Billigarbeiter Turnschuhe und T-Shirts nähten, sind in billigere Länder wie Vietnam abgewandert.

Die elf Städte haben sich spezialisiert. Shenzhen ist Sitz großer Elektronikkonzerne wie Huawei, ZTE und auch TCL, Nathan Zhangs Arbeitgeber. Hongkong ist Asiens Finanzzentrum. In Huizhou werden Elektronikteile gefertigt. Volkswagen produziert in Foshan jährlich 300.000 Autos. In den Casinos von Macao wird heute siebenmal mehr Geld umgesetzt als in Las Vegas. Zhuhai, bei Macao gelegen, soll Rentnerparadies für reiche Hongkonger werden.

„Der Erfolg der Region beruht auf diesem Clusterprinzip“, sagt Stefan Kracht vom Hongkonger Büro der Unternehmensberatung Fiducia. „Mittlerweile sind so dichte Netzwerke entstanden, die Sie so nirgendwo anders auf der Welt finden.“

Im kommenden Jahrzehnt soll sich die Wirtschaftsleistung der Region verdoppeln und mit rund 2.000 Milliarden Euro etwa der Frankreichs entsprechen. „Die Lohnkosten sind zuletzt zwar stark gestiegen, doch die kurzen Lieferketten und die gute Verkehrsinfrastruktur kompensieren das“, erläutert Oliver Regner von der deutschen Auslandshandelskammer in Guangzhou.

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