Rekordumsatz Ratingagenturen schlagen Profit aus der Schuldenkrise

Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch haben die Einbrüche in ihrem Geschäft seit den Anfängen der Finanzkrise wettgemacht. Moody’s rechnet gar mit einem Rekordumsatz in 2012. Ein Grund: Die Ratingagenturen profitieren von der Schuldenkrise.

Warren Buffett kann den Champagner schon einmal kalt stellen. Der Multimilliardär und Vorsitzende der Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway ist über seine Holding Großaktionär bei der US-Ratingagentur Moody’s (Moody’s Corporation) – und die wächst kräftig. Die Nummer Zwei der drei großen amerikanischen Ratingagenturen – Moody’s, Branchenprimus Standard & Poor’s und Fitch beherrschen 95 Prozent des Marktes – erhöhte in der vergangenen Woche sein Jahresziel für das Umsatzwachstum auf zwölf bis 13 Prozent. Bisher wurde ein Umsatzplus im "niedrigen zweistelligen Bereich" angestrebt. Der Umsatz soll bis Jahresende auf bis zu 2,58 Milliarden US-Dollar steigen.

Im Gesamtjahr soll die operative Marge voraussichtlich etwa 39 Prozent betragen. Davon sollen auch die Aktionäre profitieren. Der Gewinn je Aktie wird um gut zehn Cent auf 2,70 bis 2,80 US-Dollar taxiert. Die Buffett-Holding Berkshire Hathaway hält 28,41 Millionen Aktien.

Ratingagenturen ABC

Während die Krisenländer der Eurozone vor den Bewertungen der Agenturen zittern und unter hohen Zinsen leiden, steigen die Umsätze der Ratingagenturen auf Vor-Krisenniveau. Die Gründe dafür sind vielfältig und haben doch einen gemeinsamen Nenner: die Schuldenkrise. Die Bonitätswächter profitieren von der Euro-Krise, mal direkt, mal indirekt.

"Die Gewinne der Ratingagenturen steigen und fallen mit den Umsätzen auf den Finanzmärkten. Da die Schuldenkrise nun alles überlagert, sind die Pläne, die Finanzmärkte zu stutzen, weitgehend auf der Strecke geblieben", sagt Manfred Gärtner, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität St. Gallen. Die Folge: An den Finanzmärkten werden weiter aberwitzige Beträge bewegt. Ein Ideal-Zustand für Ratingagenturen.

Die Macht der Ratingagenturen

Unternehmensanleihen boomen

Doch Standard & Poor's, Moody's und Fitch profitieren noch auf ganz andere Weise von der Schuldenkrise und ihren Auswirkungen. Ein einfaches Beispiel: Aufgrund der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank befinden sich die Zinsen im Sinkflug. Unternehmen weichen aus und geben immer mehr eigene Anleihen heraus. Diese werden von den Ratingagenturen benotet, um am Markt Käufer zu finden. Während die Zahl der neu bewerteten Unternehmensanleihen 2008 und 2009, also vor Ausbruch der Schuldenkrise und dem ersten Rettungspaket für Griechenland, bei rund 300 lag, stieg die Zahl bis 2011 auf rund 650.

Neun von zehn Ratings von Unternehmensanleihen stammen laut einem Bericht der amerikanischen Börsenaufsicht SEC von Standard & Poor’s, Moody’s oder Fitch.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%