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Republikaner-Star Sarah Palin reloaded

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Doch in den Augen vieler gottesfürchtiger Menschen in den Weiten Amerikas ist Michele Bachmann keineswegs so merkwürdig, sondern eine von ihnen. Wie es im Wahlkampf 2008 schon Sarah Palin aus Alaska war. Bachmann ist es zudem gelungen, zwei Flügel der Republikaner unter dem Dach der Tea Party zu vereinen: die fiskalisch Konservativen, die den Staat schwach und die Steuern niedrig halten wollen. Und die sozial und religiös Konservativen, die Abtreibung und homosexuelle Ehen am liebsten von Staats wegen verbieten würden.

Bachmann läuft Sarah Palin inzwischen den Rang ab. Es wird für Palin immer schwerer, noch auf das Kandidatenkarussell aufzuspringen. Sollte Palin Amerika erspart bleiben, könnte Bachmann kommen. Im direkten Vergleich ist sie eine Sarah Palin plus IQ: mehr Verstand, aber eher radikaler. Lässt Palin gern die Zügel schleifen und regierte sie als Gouverneurin von Alaska durchaus pragmatisch, so gibt sich Bachmann äußerst kontrolliert und dogmatisch. Sie hat sich mehr im Griff als Palin, weiß politisch besser Bescheid, hat ausgezeichnete Berater versammelt und kann präzise debattieren. Ein weiteres Plus im Auge der Öffentlichkeit: Suchte Palins schillernde Familie bei Schritt und Tritt das Rampenlicht, so scheut Bachmanns Familie die Kameras und ist, soweit man bislang weiß, skandalfrei.

Fünf Kinder hat sie großgezogen – und 23 Pflegekinder

Natürlich wird jetzt jeder Stein umgedreht. Bachmann hat erst kürzlich ihre extreme Kirchengemeinde verlassen. Warum? Sie rühmt sich, neben ihren fünf Kindern auch 23 Pflegekinder aufgezogen zu haben. Doch sie wurde dafür gut bezahlt. Viele der Pflegekinder waren angeblich schwangere minderjährige Mädchen. Steckte hinter der Fürsorge vielleicht ein obskurer religiöser Auftrag? Und was geschieht tatsächlich in ihren christlichen Beratungszentren? Schließlich: Jahrelang trieb Bachmann als Juristin für die staatliche Steuereintreibungsbehörde IRS ausstehendes Geld ein. Wie verträgt sich das mit ihrem Kreuzzug gegen Staat und Steuern? Zeitweilige Wegbegleiter beschreiben sie als kalt und berechnend.

Laut Umfragen hat Michele Bachmann gute Chancen, im August in Iowa zu gewinnen, wenn die republikanischen Präsidentschaftskandidaten zum ersten Mal gegeneinander antreten. Ihre Berater wissen, dass der ideologische Eifer zum Stolperstein werden könnte. Sie tun darum alles, damit die Kandidatin in ihrer Radikalität nicht extremistisch, nicht unbarmherzig und unnahbar wirkt. Bei einer Veranstaltung in South Carolina offenbarte die entschiedene Abtreibungsgegnerin soeben, als junge Frau eine Fehlgeburt erlitten zu haben. Die Zuhörer waren gerührt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Zeit.de

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