Rettungsaktion beendet Mindestens acht Tote nach Fährunglück

Es ist eine endlose Nacht, bis die Evakuierung endlich abgeschlossen ist. Hunderte Menschen sind von der Unglücksfähre „Norman Atlantic“ geborgen. Aber der Verbleib vieler ist noch unklar.

Von vielen Menschen fehlt noch jede Spur. Quelle: AP

Bei dem Fährunglück in der Adria sind mindestens acht Menschen ums Leben gekommen. 427 konnten von der „Norman Atlantic“ gerettet werden, teilte der italienische Transportminister Maurizio Lupi am Montag mit. Die Suche nach möglichen Vermissten gehe aber weiter. Offenbar gab es Ungereimtheiten mit der Passagierliste, auf der 478 Personen standen. Der Verbleib Dutzender Menschen ist zunächst unklar. Die italienische Regierung betonte, es sei zu früh, eine Zahl von Vermissten zu nennen. An Bord waren vermutlich auch blinde Passagiere.

Etwa 36 Stunden nachdem der Brand auf der Fähre vor Korfu ausgebrochen war, hatten die Retter alle Menschen von dem Schiff geholt. Als letzter verließ der italienische Kapitän das Schiff der griechischen Anek Lines, das vor der Küste Albaniens treibt. Wind, Dunkelheit und Kälte erschwerten die Operation mit Hubschraubern und Schiffen. Unter den Passagieren waren auch 18 Deutsche. Zwei von ihnen kamen am Montag mit einem Containerschiff im Hafen von Bari an. Den beiden aus Saarbrücken und Berlin gehe es soweit gut, sie sollten nun nach Deutschland zurückgebracht werden, sagte eine Mitarbeiterin des deutschen Konsulats in Bari der Deutschen Presse-Agentur. Das Auswärtige Amt in Berlin machte keine näheren Angaben dazu.

Die schlimmsten Schiffsunglücke aller Zeiten
Der in zwei Teile gebrochene Öltanker "Prestige" ist im November 2002 vor der Nordwestküste Spaniens bei Caion gesunken. Das Schiff war mit 77 000 Tonnen Öl beladene. Knapp zehn Jahre nach dem Untergang des Öltankers beginnt am 16. Oktober 2012 der Prozess um die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte Spaniens. Bei dem Verfahren vor dem Landgericht in der nordwestspanischen Hafenstadt La Coruña sind der griechische Kapitän, der erste Offizier und der Maschinist des Schiffes sowie der ehemalige Chef der Hafenbehörden angeklagt. Quelle: dpa
Costa ConcordiaAm 13. Januar 2012 lief die Costa Concordia gegen 19 Uhr Ortszeit aus dem Hafen von Citavecchia aus. Sie befand sich unter dem Kommando von Kapitän Francesco Schettino auf einer Kreuzfahrt durch das westliche Mittelmeer auf dem Weg nach Savona. Das Schiff rammt einen Felsen, ein 70 Meter langer Riss entsteht und der Ozeanriese ist kurz darauf nicht mehr manövrierfähig. Quelle: dapd
Zum Zeitpunkt des Unglücks befanden sich 4229 Menschen an Board. Bis in die frühen Morgenstunden wird evakuiert. Die Zahl der Toten hält sich zunächst in Grenzen, wird aber letztendlich auf 30 beziffert. Quelle: dapd
Eines der größten Schiffsunglücke der vergangenen Jahre war der Untergang der „MV Princess of the Stars“ im Juni 2008. Der Taifun „Fengshen“ hatte das Schiff zum Kentern gebracht. Fast 800 der 850 Passagiere starben, lediglich 57 Menschen konnten gerettet werden. Quelle: dpa
In dem Meerenge von Messina rammte im Januar 2007 ein Frachter die Fähre „Segesta Jet“. Vier Besatzungsmitglieder, darunter der Kapitän, kamen ums Leben. Als Ursache machte die Polizei später menschliches Versagen des Kapitäns aus. Dieser rettete allerdings auch durch ein Manöver in letzter Sekunde das Leben der Passagiere. Quelle: dpa
Der norwegische Frachter „ Rocknes“ sank im Januar 2004, Ursache für die Havarie war vermutlich ein Leck. Zwölf der insgesamt 30 Besatzungsmitglieder konnten gerettet werden, drei wurden tot geborgen. Nach 24 Stunden stellten die Rettungsmannschaften die Suche nach den noch vermissten Seeleuten ein. Das 166 Meter lange Schiff sollte Steine nach Emden bringen. Quelle: REUTERS
2001 hatte der Öltanker Baltic Carrier nach einer Kollision mit einem Frachter in der Kadetrinne zwischen Dänemark und Deutschland Öl verloren. Die Kadetrinne ist eine der meistbefahrenen und unfallträchtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Jeden Tag passieren rund 200 Schiffe das Seegebiet in der Ostsee. Die Baltic Carrier-Katastrophe reiht sich in eine Kette von Öltanker-Katastrophen ein. Quelle: AP

Das Containerschiff „Spirit of Piraeus“, das zur Hamburger Rickmers-Gruppe gehört, lief mit 49 Geretteten am Montag in Bari ein. Ein weiteres Schiff mit knapp 70 Geretteten kam in Igoumenitsa in Griechenland an. Viele Gerettete waren außerdem noch auf dem Marineschiff „San Giorgio“ unterwegs. Ein Augenzeuge erzählte, er habe Leichen gesehen. „Ich habe vier tote Personen gesehen, mit meinen eigenen Augen, ich bin sicher. Sie waren vor mir“, zitierte die Agentur Ansa einen Passagier. Andere erzählten von Schlägereien an Bord. Und wieder andere erhoben schwere Vorwürfe gegen die Besatzung. „Eigentlich hätten wir mit einem anderen Schiff fahren sollen. Wir haben das erst im Hafen gemerkt. Als wir es gesehen haben, ist uns etwas mulmig geworden“, sagte Rania Fyreou im griechischen Fernsehen. „Auf dem Schiff gab es keinerlei Koordination. Das Personal war praktisch nicht vorhanden.“

Die Staatsanwaltschaften in Bari und Brindisi leiteten Ermittlungen wegen fahrlässigen Schiffbruchs und fahrlässiger Tötung ein. Die italienische Reederei Visemar gerät unter Druck. Eigentümer Carlo Visentini erklärte, das Schiff habe alle Zertifikate gehabt und sei fahrtüchtig gewesen. Bei einer Inspektion am 19. Dezember waren leichtere Mängel an der „Norman Atlantic“ moniert worden. Über die Ursache des Brandes, der vermutlich im Autodeck ausgebrochen war, wurde weiter spekuliert. Lkw-Fahrer berichteten in griechischen Medien, dass das Fahrzeugdeck überladen gewesen sei. Viele Laster hätten Olivenöl geladen. Ein Funke könne da schnell einen Brand auslösen.

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