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Risiko USA Macht uns Amerika den Aufschwung kaputt?

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Ben Bernanke, Barack Obama Quelle: REUTERS

Dadurch ist der Druck auf die Notenbank Fed gestiegen. Anfang des Monats stoppte Fed-Chef Ben Bernanke den langsamen Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik und kündigte an, die Notenbank werde angesichts der „bescheidenen“ wirtschaftlichen Erholung Geldrückflüsse aus ihren Wertpapieren in den Kauf von Staatsanleihen stecken. Bernankes Ziel: Die Liquidität im Bankensystem soll hoch, die Zinsen am Kapitalmarkt sollen niedrig bleiben.

Ob das die richtige Medizin ist, um die malade Wirtschaft auf Touren zu bringen, ist fraglich. Denn es sind nicht zu hohe Zinsen und zu niedrige Investitionen, die den Aufschwung bremsen. Im Gegenteil: Im ersten Halbjahr investierten die Unternehmen zehn Prozent mehr in neue Maschinen und Anlagen (siehe Grafik). Das Problem ist vielmehr, dass der Funke von den Investitionen nicht auf den Arbeitsmarkt überspringt. „Eine Entkopplung der Beschäftigung von den Investitionen wie diesmal hat es noch in keinem Aufschwung gegeben“, warnt Rudolf Besch, US-Analyst der DekaBank.

Ökonomen rätseln über die Ursachen. Rolf Langhammer, Vizepräsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel, schließt nicht aus, dass die Finanzkrise einen Knacks im volkswirtschaftlichen Räderwerk Amerikas ausgelöst hat. Die Unternehmen könnten „wegen der niedrigeren Kosten für Kapital dazu übergegangen sein, Arbeitskräfte durch Maschinen zu ersetzen“. Brian Bethune, US-Chefökonom des Finanzdienstleisters Global Insight, vermutet, dass sich in dem Auseinanderdriften von Investitionen und Beschäftigung die Zweiteilung des Unternehmenssektors widerspiegelt.

„Die großen exportorientierten Konzerne profitieren vom globalen Aufschwung und investieren“, sagt Bethune. „Aber die kleinen und mittleren Unternehmen, die das Gros der Jobs stellen und mit ihren Produkten auf den US-Markt konzentriert sind, leiden unter der schlappen Binnennachfrage – und halten sich mit Neueinstellungen zurück.“

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    Probleme wie in Europa

    USA Investitionen, Arbeitsmarkt, Langzeitarbeitslosigkeit

    Die Konsequenzen sind fatal. Denn je länger die Arbeitslosen ohne Job sind, desto stärker entwertet sich ihre Qualifikation. Das spüren selbst gut ausgebildete Arbeitskräfte wie Lawrence Cannon aus Byram in Mississippi. Der 48-jährige Ingenieur mit Erfahrungen im Straßenbau und Ölbohrgeschäft verlor seinen Job bei einem Bauunternehmen vor einem Jahr. Nun jobbt er bei Wal-Mart und in einem Fitnesscenter, um sich, seine Frau und seine vier Kinder mit Mindestlöhnen über die Runden zu bringen. „Mein Einkommen hat sich von 65.000 Dollar pro Jahr auf 20.000 reduziert“, klagt Cannon. Er hat sich sogar bei Firmen beworben, die im Irak tätig sind – bisher ohne Erfolg.

    Einer Umfrage des Personalberaters Brad Remillard von Impact Hiring Solutions zufolge sind 51 Prozent aller qualifizierten Arbeitslosen schon länger als ein Jahr ohne Job. In den USA gilt schon als langzeitarbeitslos, wer mehr als 27 Wochen ohne Job ist. Nach Angaben des Bureau of Labor Statistics hat sich die Zahl der Betroffenen zwischen Juli 2009 und Juli 2010 um 32 Prozent auf fast 6,6 Millionen erhöht. Damit stellen Langzeitarbeitslose fast 45 Prozent des amerikanischen Erwerbslosenheers.

    Wegen der schweren Rezession hat Obama die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes zwar von 26 auf 99 Wochen angehoben. Doch die miese Lage am Arbeitsmarkt lässt immer mehr Langzeitarbeitslose aus der Stütze fallen. Rund 1,4 Millionen sind davon betroffen. Ihnen bleibt nur noch die Wohlfahrt und das Anstehen für Essensmarken.

    Ihre Chancen auf einen neuen Job sind schlecht. Viele hatten vor der Krise in der Immobilien- und Finanzbranche gearbeitet – Sektoren, die nun schrumpfen. „Die Jobs, die nach dem Platzen der Blase abgebaut wurden, sind auf Nimmerwiedersehen verschwunden“, sagt Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank.

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