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Risiko USA Macht uns Amerika den Aufschwung kaputt?

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Deutsche Warenexporte

Neue Jobs entstehen vor allem im Dienstleistungssektor. Dort sind derzeit rund 2,3 Millionen Stellen vakant. Das Problem: Die Qualifikationen der Arbeitslosen passen häufig nicht zu den Anforderungen der Betriebe im Servicesektor. Ein Phänomen, das es bisher nur auf den verkrusteten Arbeitsmärkten Europas gab.

Jetzt ist es auch in den USA angekommen – und bei deutschen Investoren. Wie schwer es ist, im Heer der Arbeitslosen geeignetes Personal zu finden, spürt derzeit der Windturbinenhersteller Nordex aus Norderstedt, der in Arkansas eine neue Produktionsstätte aufbaut und die Zahl der Angestellten in den USA von 135 auf rund 800 im Jahr 2015 erhöhen will. Doch das Problem ist der Engpass bei qualifizierten Ingenieuren. „Wir haben 35 offene Stellen“, sagt Barbara Smith, für das Amerikageschäft verantwortliche Personalmanagerin von Nordex.

Dabei macht ihr eine Entwicklung zu schaffen, die man bisher eher in Deutschland kannte: mangelnde Mobilität. Viele Arbeitskräfte können wegen der Immobilienkrise ihre Häuser nicht zu einem akzeptablen Preis losschlagen. „Wir haben gerade einen Ingenieur aus San Diego in Kalifornien angeworben, der musste sein Haus vermieten“, sagt Smith.

Der steigende Anteil älterer Arbeitnehmer verstärkt den Trend zur Immobilität. Waren 1990 erst zwölf Prozent der Erwerbspersonen älter als 55 Jahre, sind es derzeit schon fast 20 Prozent. Knapp 43 Prozent der Erwerbspersonen in den USA sind älter als 45 Jahre. Ihre Bereitschaft, für einen neuen Job umzuziehen, ist Umfragen des Meinungsforschungsinstituts Pew Research Centers zufolge gering. Nur 22 Prozent der über 50-Jährigen gaben an, beim Verlust ihres Arbeitsplatzes in eine Gegend mit mehr Jobs umziehen zu wollen.

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    Besonders schwer ist die Jobsuche für die gering Qualifizierten. Die Arbeitslosenquote von Personen ohne High-School-Abschluss schnellte von sechs Prozent 2006 auf über 15 Prozent in die Höhe. Dennoch ist nur ein Drittel von ihnen bereit, für einen neuen Job umzuschulen oder sich weiterzubilden. Harm Bandholz, US-Chefökonom der Bank UniCredit, fürchtet daher, dass „eine dauerhaft höhere Arbeitslosenquote und Langzeitarbeitslosigkeit zur Normalität in der US-Wirtschaft werden“. Statt bei fünf Prozent werde die strukturelle Arbeitslosenquote in den nächsten Jahren eher bei 6,5 Prozent liegen, sagt Bandholz.

    Für den privaten Konsum, Motor der US-Konjunktur, sind das schlechte Aussichten. „Die höhere strukturelle Arbeitslosigkeit wird die Konsumausgaben nachhaltig bremsen“, prophezeit Deutsche-Bank-Chefökonom Mayer. Er erwartet zwar keinen Rückfall in die Rezession. Doch der langfristige Wachstumstrend werde „auf Sicht der nächsten zehn Jahre eher bei 1,5 bis 2 Prozent liegen statt bei 3 bis 4 Prozent wie früher“.

    Neuer Motor im Osten

    Als Lokomotive für die Weltwirtschaft dürften die USA damit vorerst ausfallen. Für Deutschland heißt das: Die Exporteure müssen sich dort auf geringere Umsatzzuwächse einstellen und neue Märkte erschließen, um ihre Kapazitäten auszulasten. Autohersteller wie Audi und Mercedes-Benz haben das erkannt und erzielen schon jetzt die größten Umsatzzuwächse in China.

    Wächst Amerika schwächer, muss das auch nicht bedeuten, dass die Weltwirtschaft insgesamt einen Gang zurückschaltet. Zwar liegt der Anteil der USA am weltweiten BIP kaufkraftbereinigt noch bei 20 Prozent. Das Beben, das eine schwere Rezession in der größten Volkswirtschaft der Welt auslösen würde, wäre daher weltweit zu spüren. Doch eine Abflachung des US- Wachstumstrends könnten Schwellenländer, vor allem in Asien, kompensieren. Diese haben sich in den vergangenen Jahren zu einem neuen Motor für die Weltwirtschaft gemausert. Schon jetzt stehen sie für 50 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung. Bis 2020 dürfte ihr Anteil auf 66 Prozent steigen, schätzt Mayer.

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