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Risiko USA Macht uns Amerika den Aufschwung kaputt?

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Privater Konsum

Besonders Chinas Gewicht nimmt rasch zu. In diesem Jahr wird das Reich der Mitte Japan vom zweiten Platz der größten Ökonomien der Welt verdrängen (siehe Kasten Seite 22). In den vergangenen zehn Jahren ist der Anteil des Landes am globalen BIP kaufkraftbereinigt von 7 auf 13 Prozent gestiegen. Nach Berechnungen der Investmentbank Goldman Sachs hat China in den vergangenen zehn Jahren rund 22 Prozent zum globalen Wirtschaftswachstum beigetragen – die USA dagegen nur 17 Prozent.

Neben der florierenden Exportwirtschaft hat sich in China eine stabile Binnennachfrage entwickelt. Durch die hohen Wachstumsraten und die Urbanisierung ist eine konsumfreudige Mittelschicht entstanden, deren Kaufkraft dank kräftiger Lohnzuwächse weiter steigt. Trugen Chinas Konsumenten vor zehn Jahren nur 0,15 Prozentpunkte zum globalen Wirtschaftswachstum bei, sind es dieses Jahr schon 0,26 Punkte. Dagegen hat sich der Wachstumsbeitrag der US-Konsumenten im gleichen Zeitraum von 1,0 auf 0,33 Prozentpunkte verringert.

2011 dürften die chinesischen Verbraucher das globale Wirtschaftswachstum erstmals stärker stützen als die Konsumenten in den USA, schätzen die Ökonomen von Goldman Sachs. Dirk Schumacher, Deutschland-Chefökonom von Goldman Sachs, ist daher überzeugt, dass „sich China und die Schwellenländer weiter von der US-Wirtschaft abgekoppeln werden“.

Davon profitiert vor allem die deutsche Wirtschaft. Mit ihrer Konzentration auf Investitionsgüter aller Art, vor allem Maschinen, Anlagen, Autos, elektrische und chemische Erzeugnisse, liefern deutsche Unternehmen die Produkte, die die Schwellenländer in ihrem Aufholprozess benötigen. Während Konkurrenten häufig Standardprodukte von der Stange im Angebot haben, punkten deutsche Unternehmen mit maßgeschneiderten Lösungen und umfangreichem Service.

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    Vor allem haben sie einen Riecher dafür, wo die Wirtschaft brummt, und sind in der Lage, Exporte rasch umzulenken. So haben deutsche Unternehmen den Anteil ihrer Exporte in die USA, nach Japan und in die Euro-Zone in den vergangenen zehn Jahren um insgesamt sechs Prozentpunkte verringert. Dagegen ist der Exportanteil Asiens, Russlands, Brasiliens und Osteuropas im gleichen Zeitraum um neun Punkte gestiegen. Für Deutsche-Bank-Ökonom Mayer sind deutsche Unternehmen der perfekter Caterer für die Weltwirtschaft. „Die sind mit ihren Produkten immer da, wo gerade Party ist.“

    Der Erfolg zeigt sich in hohen Gewinnen und im kräftigen Wachstum der Wirtschaft. Im zweiten Quartal schoss das deutsche Bruttoinlandsprodukt um 2,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal in die Höhe – so kräftig wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Vor allem der Außenhandel und die Investitionen trieben die Wirtschaft an. Ökonomen haben ihre Wachstumsprognosen für 2010 schon auf drei Prozent und mehr angehoben.

    Dass es in diesem Tempo weitergeht, ist angesichts der schwächelnden US-Konjunktur unwahrscheinlich. In den Schwellenländern dürften Politik und Zentralbanken zudem bald auf die Bremse treten, damit ihre Wirtschaft nicht heißläuft. Doch für Deutschland muss das nicht schlecht sein. Schließlich bescheren gesittete Partys dem Caterer auf lange Sicht bessere Geschäfte als heftige Saufgelage, denen ein übler Kater folgt. 

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