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Rohstoffpartnerschaft „Wenn man Probleme anderswo lösen kann, können wir das auch“

In der Mine Erdenetiyn Ovoo werden Kupfer und Molybdän abgebaut. Quelle: imago images

An der Deutsch-Mongolischen Hochschule für Rohstoffe und Technologie bilden deutsche Dozenten die mongolischen Rohstoffingenieure von morgen aus. Die Hoffnung: Mit deutschem Wissen werden die jungen Leute sich später auch für einen saubereren Abbau und bessere Arbeitsbedingungen einsetzen.

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Shine-Od Mongoljiibuu erinnert sich gut daran, wie ihre Familie in ihrer Kindheit zum Heizen und Kochen den Kohleofen anfeuerte. Kohle sei für sie damals ein bräunlich-schwarzes Ding gewesen, das sie neugierig gemacht habe: Warum benutzen wir gerade das? Und woher kommt die Hitze? Das habe sie sich gefragt.

Heute kennt die 19-Jährige die Antworten. Sie studiert inzwischen an der Deutsch-Mongolischen Hochschule für Rohstoffe und Technologie in Ulan Bator, der Hauptstadt der Mongolei. Gerade beendet sie ein Auslandssemester an der Technischen Universität, der Bergakademie in Freiberg in Sachsen, nach ihrer Rückkehr wird sie ihre Bachelorarbeit schreiben.

Mongoljiibuu wird Ingenieurin für Rohstoffe und ihre Aufbereitung. Sie gehört damit zu einer Gruppe junger Leute, die Teil einer Mission der deutschen Bundesregierung sind: Um Konzernen und Bürgern den Nachschub an Rohstoffen zu sichern – die Voraussetzung für gut bezahlte Arbeitsplätze und damit Wohlstand in Deutschland – geht die Regierung seit einigen Jahren Rohstoffpartnerschaften ein. Partnerländer wie die Mongolei erhoffen sich davon Entwicklungszusammenarbeit und eine Diversifizierung ihrer Abnehmerländer. Deutschland setzt auf ein verbessertes Investitionsklima für deutsche Unternehmen – und knüpft an seine Geldzusage die Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards.

Das Ziel: die Abhängigkeit der deutschen Industrie von Bodenschätzen zu verringern, bei deren Gewinnung Arbeiter ausgebeutet werden, sich in Gefahr bringen und wobei ganze Landstriche verseucht werden. Die Frage, die sich stellt, ist folgende: Kann das Bewusstsein für einen nachhaltigen, fairen Rohstoffabbau auch über junge Menschen wie Shine-Od Mongoljiibuu im Partnerland verankert werden?

Als Deutschland und die Mongolei 2011 ihre Rohstoffpartnerschaft schlossen, bat die Mongolei auch um Hilfe bei der Aus- und Weiterbildung von Fachkräften. Der damalige Präsident habe sich von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eine Hochschule nach europäischem Standard gewünscht, erinnert sich Carsten Drebenstedt, der an der Bergakademie in Freiberg die Professur für Bergbau und Tagebau innehat. Die Mitgift der Mongolen sei der Campus gewesen. Das deutsche Entwicklungsministerium stellte vier Millionen Euro bereit, deutsche Dozenten wie Drebenstedt lehren vor Ort auf Englisch.

Der Geist an der neuen Hochschule sei ein anderer als an den traditionellen Universitäten, sagt Drebenstedt. Die deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit sieht an mongolischen Hochschulen Defizite, was berufspraktische Inhalte, Sprach- und Sozialkompetenzen sowie die Zusammenarbeit mit Unternehmen angeht. „Was sich wirklich verändert, wird man frühestens in 15 Jahren bewerten können“, sagt Drebenstedt. Die ersten Generationen von Studenten würden nun den Markt betreten „und müssen sich bewähren“.

Die Mongolei ist eines der rohstoffreichsten Länder der Welt, verfügt unter anderem über Eisenerz, Kalk, Wolfram, Gold, Kupfer, Erdöl und Kohle. Quelle: imago images

Shine-Od Mongoljiibuu sagt, sie habe sich schon in der Schule für Naturwissenschaften interessiert. Bei einer Berufsinformationsveranstaltung sei ihr außerdem klar geworden, dass in der Mongolei großer Bedarf an Ingenieuren herrsche – die meisten jungen Mongolen wollten Manager oder Anwälte werden. Das habe sie in ihrer Studienwahl bestärkt. An die Deutsch-Mongolische Hochschule zog es sie wegen der internationalen Ausrichtung. Am Anfang sei ihr Englisch kaum gut genug gewesen, „aber ich habe immer mehr gelernt“.

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