Romney-Biograf Scott "Deutschland sollte hoffen, dass Romney gewinnt"

Der Republikaner habe viele Gemeinsamkeiten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, sagt Romney-Biograf Ronald B. Scott. Romney stünde enger an der Seite Berlins als Obama – auch bei der Bekämpfung der Schuldenkrise.

Die besten Zitate von Mitt Romney
„Das 21. Jahrhundert kann und muss ein amerikanisches Jahrhundert bleiben. (...) Ich schäme mich nicht für die Macht Amerikas.“ (US-Präsidentschaftsbewerber Mitt Romney am 24. Juli vor der US-Veteranenvereinigung VFW) Quelle: REUTERS
„Unser geliebtes Land ist in Gefahr. Darum kandidiere ich als Präsident.“ (am 21. Juni vor der Latino-Vereinigung NALEO) Quelle: dapd
„Meiner Ansicht nach ist die Ehe eine Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau.“ (Am 9. Mai zu Obamas Plädoyer für die Homo-Ehe) Quelle: dpa
„In diesem Land glauben wir, dass jedes Kind etwas beitragen kann. Egal, in welche Verhältnisse es geboren wurde (...) Zu viele Träume werden nie wahr, weil unser Bildungssystem scheitert.“ (am 23. Mai vor der US-Handelskammer) Quelle: REUTERS
„Ich will alle Amerikaner repräsentieren, von jeder Rasse, Religion oder sexuellen Orientierung, von den Ärmsten bis zu den Reichsten und jedem dazwischen.“ (am 11. Juli vor Vertretern der schwarz-amerikanischen Bürgerrechtsorganisation NAACP) Quelle: dapd
„Zusammen werden wir am 6. November gewinnen.“ (am 24. April nach seinem Vorwahl-Sieg in New Hampshire) Quelle: dapd
„Es gibt keine größere Kraft zum Wohle der Nation als ein tätiges christliches Bewusstsein.“ (am 13. Mai in einer Grundsatzrede über traditionelle Werte) Quelle: REUTERS
„Als euer Präsident werde ich vom ersten Tag an alles in meiner Macht Stehende tun, um die Tage von Niedergang und Enttäuschung zu beenden (... .) Ich werde Obamacare (die Gesundheitsreform Obamas) am Tag Eins zurückdrehen.“ (am 7. Juni in St. Louis, Missouri) Quelle: REUTERS

WirtschaftsWoche Online: Herr Scott, die überwältigende Mehrheit der Deutschen hofft, dass Barack Obama die US-Präsidentschaftswahlen am Dienstag gewinnt. Sie fürchten sich regelrecht vor Mitt Romney, der vielen als Hardliner, Staatsfeind und Rechtsaußen erscheint. Ist die Sorge berechtigt?

Ronald B. Scott: Nein, überhaupt nicht. Romney ist der politischen Mitte zuzuordnen, er steht programmatisch dicht neben US-Präsident Barack Obama, höchsten einen Schritt weiter rechts als der Amtsinhaber – aber weit entfernt von der Rechtsaußen-Position. Romney ist liberal eingestellt und ich bin überzeugt, dass er sich als US-Präsident sehr viel moderater geben wird als im Wahlkampf. Im Moment ist viel Getöse dabei.

Ronald B. Scott kennt Mitt Romney seit über 25 Jahren. Quelle: WirtschaftsWoche Online

Selbst viele US-Bürger sind aber nicht davon überzeugt, dass Romney einen abgeklärten Staatsmann geben wird. Im Notfall würden sie lieber Obama am Schreibtisch im Weißen Haus sehen als den Herausforderer?

Das stimmt. Romney hat es bisher im Wahlkampf nicht geschafft, als Staatsmann herüberzukommen. Dabei würde er deutlich analytischer agieren als Obama. Romney ist ein Zahlen- und Datenfreak. Er liebt Nummern und Fakten. Er trifft Entscheidungen nicht aus dem Bauch heraus, sondern hat in jeder brenzligen Situation in seinem Leben – egal ob als Organisator der Olympischen Winterspiele von Salt Lake City oder als Gouverneur von Massachusetts – immer alle möglichen Informationen eingeholt, ehe er vorpreschte. Ich bin davon überzeugt: Wenn ein Minister unter Romney einen anderen Weg einschlägt als die Datenlage vermuten ließe, würde Romney sofort eingreifen und sich nach den Fakten richten.

Wie Romney sein Vermögen machte

Das erinnert an Bundeskanzlerin Angela Merkel, die als Wissenschaftlerin, auch lieber den Zahlen vertraut, als Stimmen und Meinungen.

Absolut. Es gibt eine ganze Reihe von Gemeinsamkeiten zwischen der Bundeskanzlerin und dem Republikaner. Der analytische Blick gehört definitiv dazu.

Die Wege von Mitt Romney

Welche anderen Parallelen sehen Sie?

Merkel und Romney scheinen beide, den Kräften des freien Marktes zu vertrauen. Beide kämpfen für den Freihandel, für unternehmerfreundliche Politik. Das heißt nicht, dass man sich alles gefallen lässt und etwa die Banken einen Freifahrtsschein für Spekulationen ausstellt oder Chinas Patente-Klau wortlos hinnimmt. Ich spreche hier etwa vom Freiheits-Begriff, von flexiblen Arbeitszeitmodellen und der Lockerung des Kündigungsschutzes.

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