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Russland Putins größter Gegner

Der Oligarch Michail Prochorow ist 2,05 Meter groß. Am Sonntag will er Wladimir Putin bei der Präsidentschaftswahl herausfordern.

Der 2,05m große Wahlkampfgegner Putins träumt von einem liberalen Russland und kandidiert für die Präsidentsschaftswahlen in Moskau. Quelle: dpa

Seinen Ruf als Russlands begehrtester Junggeselle wird Michail Prochorow nicht los. Sogar beim Auftritt in einem Moskauer Konzertsaal schwirren aufgetakelte junge Damen um den 46-Jährigen, als handele es sich um eine Society-Party. Nie hatte der Oligarch einen Hehl aus seinem Vermögen gemacht, das sich laut Forbes auf 18,5 Milliarden Dollar belaufen soll. Gern schmiss er rauschende Partys mit jungen Frauen. Doch Prochorow, der 2,05 Meter hohe Schlacks, ist nicht mehr allein der spendable Unternehmer – sondern der Politiker, der Russlands Premierminister Wladimir Putin am Sonntag bei den Präsidentschaftswahlen herausfordert.

Prochorow spürt Rückenwind. Seit Monaten geht eine wachsende russische Mittelschicht gegen Putin auf die Straße. Den Premierminister, seit 1999 in wechselnden Positionen am Hebel der Macht, will für weitere sechs Jahre in den Kreml einziehen. Viele sind ihn leid, man träumt von einem demokratischen Russland – und auch Milliardär Prochorow träumt mit.

Bildergalerie: Putins beste Sprüche

Putins beste Sprüche
Putins beste Sprüche„Ich weiß nicht, womit sie heizen wollen. Atom wollen sie nicht, Gas wollen sie nicht. Wollen sie wieder mit Holz heizen?“ Putin über die Energiedebatte in Deutschland, November 2010
„Wir werden unser Volk nicht vergiften.“   Zum Importverbot für EU-Gemüse wegen Ehec, 11.6.2011
„Wo man nicht zusammen kommen kann, bekommt man den Knüppel auf die Rübe“    Zum Vorgehen der Polizei gegen Demonstranten, 6.9.2010.
„Wer das getan hat, wird den Preis dafür bezahlen und im Suff oder Drogenkonsum enden“ Über den Verrat russischer Spione in den USA, 2.8.2010.
„Ich habe vielleicht in der Universität nicht das allermeiste gelernt, weil ich in der Freizeit viel Bier getrunken habe. Aber einiges habe ich doch behalten, weil wir sehr gute Dozenten hatten.“ Über sein Studium, Mai 2005.
„Die Russen kommen hier nicht mit Kalaschnikow und mit Panzern her, sondern Russland bringt das Geld mit.“ Zu Investitionen russischer Unternehmen in Deutschland, Oktober 2006.
„Niemand will, dass die G8 zu einer Ansammlung fetter Kater wird.“ Über die Rolle Russlands in der Gruppe der führenden Industrienationen, Januar 2006.

Jetzt steht er auf einer Bühne und blickt auf 2000 Zuschauer. Ihn interessieren weniger die jungen Damen, sondern Wählerstimmen aus allen Teilen der Gesellschaft. Gern berichtet er, wie er seinen ersten kargen Lohn mit dem Entladen von Güterwagen verdiente und wie er selbstgekochte Stonewashed-Jeans verkaufte. Beim Thema Norilsk Nickel, dem ehemaligen Sowjetbetrieb, den er einst als Co-Eigentümer und Geschäftsführer leitete, will er einst die Renten trotz der leeren Staatskasse stets pünktlich bezahlt haben. Wenn es um Frauen geht, spricht Prochorow allein von seiner älteren Schwester Irina, die heute seine wohltätige Stiftung leitet.

Prochorow braucht ein neues Image: Einen Superreichen wählen die Arbeiter aus der Provinz nicht – und ohne ein Programm misstraut ihm die Generation Facebook, die in den Städten für mehr Freiheiten demonstriert. Also gibt er vorsichtig den Liberalen und erklärt den Menschen im Saal: „Russland braucht keinen Zaren sondern einen Manager.“ Das Publikum applaudiert – pflichtgemäß.

Bitter nötige Reformen

Trotzdem stellen sich viele Russen die Frage: Wie ernst meint es der Mann? Wer mit liberalen Ideen antritt, sagen viele, kann das nur mit Billigung von oben tun. Ein Alibikandidat für kritische Wähler sei er, meinen andere, aber keine Gefahr für Putin. Milliardäre seien schließlich verhasst bei den Russen. Der Oligarch selbst sagt dagegen, dass er persönlich alles erreicht habe und nun seinem Land helfen wolle. Wer so reich sei wie er, würde das Präsidentenamt bestimmt nicht zur Selbstbereicherung nutzen.

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