Russland Regierungssprecherin wirft USA und Großbritannien vor, die WM stoppen zu wollen

Eine Sprecherin des russischen Außenministeriums unterstellt den USA und Großbritannien, Russland die WM „wegnehmen“ zu wollen.

Das Logo der Fußball Weltmeisterschaft 2018 auf der Fassade des Bolshoi Theaters. Russland befürchtet einen Boykott einiger westlicher Staaten als Reaktion auf den mutmaßlichen Giftgasanschlag auf Sergej Skripal. Quelle: dpa

DüsseldorfEine Sprecherin des russischen Außenministeriums hat den USA und Großbritannien vorgeworfen, die WM in Russland stoppen zu wollen. „Ich habe den Eindruck, dass Russland die Weltmeisterschaft wegzunehmen alles ist, was für sie zählt“, sagte Marija Sacharowa laut einem Bericht der BBC. Den Staaten sei dafür sogar „jedes Mittel recht“. Es gebe jedoch bisher keine Pläne, dass England die Fußball-Weltmeisterschaft boykottieren wolle, berichtet die BBC weiter.

Nach dem mutmaßlichen Giftanschlag auf den russischen Ex-Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter hatte die britische Premierministerin Theresa May erklärt, dass weder Regierungsmitglieder noch Vertreter des Königshauses das Turnier besuchen werden. Auch Island hatte angekündigt, dass wegen des Streits um den Giftanschlag keine Politiker und Funktionäre zu der WM nach Russland reisen werden. Deutsche Politiker wie der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert Röttgen, und der neue Innen- und Sportminister Horst Seehofer hatten sich gegen die Idee ausgesprochen, der Fußballweltmeisterschaft fernzubleiben. Auch die DFB-Spitze ist gegen einen Boykott der WM, die vom 14. Juni bis 15. Juli in Russland stattfindet.

Die Äußerungen Sacharowas sind die nächste Stufe in der diplomatischen Krise zwischen Russland und Großbritannien, die nach dem mutmaßlichen Giftanschlag auf Skripal und seine Tochter ausgebrochen war. Beide waren am 4. März 2018 bewusstlos auf einer Parkbank in der Innenstadt von Salisbury entdeckt worden. Die Ermittler gehen davon aus, dass sie mit dem in der früheren Sowjetunion entwickelten Kampfstoff Nowitschok vergiftet wurden.

Russland streitet jegliche Verantwortung für den Anschlag ab. Als Reaktion auf den mutmaßlichen Anschlag hatten mehrere Staaten russische Diplomaten ausgewiesen, darunter auch Deutschland, Frankreich und die USA. Die Gesamtzahl der betroffenen Personen liegt bei mehr als 140. Auch Russland hat im Gegenzug mehrere Diplomaten verschiedener Länder ausgewiesen.

Am Samstag hatte sich Moskau zudem über die mutmaßliche Durchsuchung einer russischen Passagiermaschine am Flughafen London Heathrow beschwert. Der britische Zoll habe den Aeroflot-Flug aus Moskau am Freitag nach der Landung durchsucht. Der Vorfall sei außergewöhnlich und habe gegen internationale Richtlinien verstoßen, erklärte die russische Botschaft in Großbritannien in der Nacht zum Samstag auf Twitter.

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