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Russland Wladimir Putins trügerischer Sieg

Die Russen schicken Wladimir Putin zurück in den Kreml. In den nächsten sechs Jahren wird er nachweisen müssen, dass er sein Land voran bringen kann. Die Zweifel daran sind größer denn je.

Wieder geschafft: Wladimir Putin ist im ersten Wahlgang zum neuen Präsidenten Russlands gewählt worden.

Was Wladimir Putin befiehlt, wird umgesetzt, und sei der Aufwand noch so groß. So kam es, dass gar im Wahllokal des Arktis-Dörfchens Zapolarnoje (deutsch: „Jenseits des Polarkreises“) eine Videokamera mit Mikro installiert wurde. Wer wollte, konnte also übers Internet lauschen, was die drei Damen der örtlichen Wahlkommission schwatzten. Um 19.15 Uhr läuft ein Schlager der deutschen Band „Dschingis Khan“ im Radio, ab und an kommen Dorfbewohner und füttern die stählernen Urnen mit Papier.

Mit der „Big Brother“-Show will Putin Transparenz beim Wahlgang heucheln. Wenn jede Urne online ist, so die Logik, kann ja wohl keiner ernsthaft von Wahlfälschung sprechen.

Wahlen indes, werden in Russland nicht spontan, sondern systematisch gefälscht: Offiziere befehlen Soldaten, für wen sie Stimmen. Die Putin-Jugend wird mit Blanko-Wahlscheinen ausgestattet und in Bussen von Wahllokal zu Wahllokal kutschiert. Letztlich bestimmt ohnehin die – Putin-loyale – Wahlleitung das Ergebnis. In der Republik Karelien etwa, wo die arktische Bezirk Zapolarnoje liegt, lag die Wahlbeteiligung laut offiziellen Angaben schon um 15.00 Uhr bei 100 Prozent.

Putins beste Sprüche
Putins beste Sprüche„Ich weiß nicht, womit sie heizen wollen. Atom wollen sie nicht, Gas wollen sie nicht. Wollen sie wieder mit Holz heizen?“ Putin über die Energiedebatte in Deutschland, November 2010
„Wir werden unser Volk nicht vergiften.“   Zum Importverbot für EU-Gemüse wegen Ehec, 11.6.2011
„Wo man nicht zusammen kommen kann, bekommt man den Knüppel auf die Rübe“    Zum Vorgehen der Polizei gegen Demonstranten, 6.9.2010.
„Wer das getan hat, wird den Preis dafür bezahlen und im Suff oder Drogenkonsum enden“ Über den Verrat russischer Spione in den USA, 2.8.2010.
„Ich habe vielleicht in der Universität nicht das allermeiste gelernt, weil ich in der Freizeit viel Bier getrunken habe. Aber einiges habe ich doch behalten, weil wir sehr gute Dozenten hatten.“ Über sein Studium, Mai 2005.
„Die Russen kommen hier nicht mit Kalaschnikow und mit Panzern her, sondern Russland bringt das Geld mit.“ Zu Investitionen russischer Unternehmen in Deutschland, Oktober 2006.
„Niemand will, dass die G8 zu einer Ansammlung fetter Kater wird.“ Über die Rolle Russlands in der Gruppe der führenden Industrienationen, Januar 2006.

Auf dem Papier hat Wladimir Putin die Wahlen klar gewonnen. Nach ersten Auszählungen schafft er den Wechsel von der Regierungsspitze in den Kreml, ohne gegen einen seiner vier Gegenkandidaten in die Stichwahl zu müssen. Frei von Zweifeln ist das Ergebnis nicht, Manipulationen werden die Putin-Gegner wohl noch am Montag erneut zu Tausenden auf die Straßen treiben. Allerdings ist der unsaubere Ablauf der Wahlen ebenso wenig überraschend wie das eindeutige Ergebnis für Putin.

Überzeugend ist der hohe Wahlsieg mit rund 60 Prozent für Putin dennoch nicht. Zwar hätte der 59-Jährige wohl selbst ohne Schummeleien die Wahl gewonnen – aber nicht, weil die Russen so wahnsinnig von ihm als Garant von Wohlstand und Wachstum überzeugt sind, sondern mangels Alternativen: Der kritischste Herausforderer Michail Prochorow ist als protziger Multimilliardär für die Mehrheit der Russen nicht wählbar. Die Kommunisten um Gennadi Sjuganow trauern der Sowjetunion nach, Nationalist Wladimir Schirinowski gilt als Polit-Clown und der frühere Putin-Fan Sergej Mironow kam als Kandidat ohne Eigenschaften daher.

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