San Bernardino FBI stuft Bluttat als Terrorakt ein

Nach der Bluttat in San Bernardino rätselten die Behörden zunächst über das Motiv. Nun finden sie im Netz Querverbindungen zu Dschihadisten und gehen von einem terroristischen Hintergrund aus. Doch die Familie der Verdächtigen warnt vor voreiligen Schlüssen.

Das FBI behandelt den Angriff das das Sozialzentrum im kalifornischen San Bernardino nun als Terrorakt. Quelle: AP

Die US-Bundespolizei FBI geht bei dem Angriff auf ein Sozialzentrum in Kalifornien nun offiziell von einem terroristischen Motiv aus. Das gab ein Sprecher am Freitag bei einer Pressekonferenz bekannt. Anwälte der Familie der mutmaßlichen Täter warnten indes vor voreiligen Schlüssen über Terrorverbindungen. Zuvor war aus Ermittlerkreisen verlautet, die mutmaßliche Attentäterin, die mit ihrem Mann auf einer Betriebsfeier 14 Menschen erschossen haben soll, habe der Terrormiliz Islamischer Staat über das Internet die Gefolgschaft geschworen.

Die aus Pakistan stammende Tashfeen Malik soll mit ihrem 28-jährigen Mann Syed Farook die Feier am Mittwoch schwer bewaffnet gestürmt und um sich geschossen haben. Dabei gab es neben den Toten auch 21 Verletzte. Zudem sollen die Täter Sprengsätze platziert haben, die aber nicht losgingen. Das Paar wurde vier Stunden nach der Tat von der Polizei erschossen.

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Die Ermittler hatten zunächst über das Motiv der Tat gerätselt und auch private Gründe wie einen Streit am Arbeitsplatz für möglich gehalten. Die Tat richtete sich gegen Kollegen Farooks, der selbst beim Gesundheitsamt in San Bernardino angestellt war und an der Feier zunächst teilnahm. Doch FBI-Ermittler David Bowdich machte bei der Pressekonferenz klar, dass die Behörden nun einen terroristischen Hintergrund vermuteten.

FBI-Direktor James Comey ergänzte später, es gebe zwar Anzeichen für eine Radikalisierung der mutmaßlichen Täter, jedoch offenbar keine Indizien für deren Mitgliedschaft bei einer Terrorzelle. Auf dem Radar des FBI seien Farook und Malik auch nicht aufgetaucht. Comey betonte aber, dass die Ermittlungen erst am Anfang stünden, vieles sei noch nicht klar.

Den Facebook-Post mit dem Treueschwur an IS-Führer Abu Bakr al-Bagdadi setzte Malik unter einem Decknamen ab, wie die Nachrichtenagentur AP aus Ermittlerkreisen erfuhr. Ein Facebook-Manager sagte, der Eintrag sei wenige Minuten nach Beginn des Angriffs gemacht worden. Ihr Ehemann Farook soll vor einiger Zeit im Internet Kontakt zu radikalen Islamisten gehabt haben, wie Ermittler ebenfalls preisgaben.

Farook war als Sohn pakistanischer Einwanderer in Chicago geboren und in Südkalifornien aufgewachsen. Sein Bruder Syed Raheel ist ein für seinen Einsatz gegen den globalen Terrorismus dekorierter Veteran der US-Marine.

2014 heiratete Syed Rizwan Farook nach offiziellen Unterlagen die aus Pakistan stammende Malik. Beide waren nach eigenen Angaben Muslime. Malik zog mit ihrer Familie nach pakistanischen Angaben vor 25 Jahren nach Saudi-Arabien. Dort traf sie auch Farook, der sie mit einem Visum für Verlobte ins Land brachte. Sie musste sich dafür persönlichen Interviews stellen und ihre Fingerabdrücke abgeben. Zudem wurde ihr Umfeld genau auf mögliche terroristische Kontakte geprüft.

Die Anwälte von Farooks Familie erklärten, keiner seiner Verwandten habe bei ihm oder bei seiner Frau Anzeichen einer extremistischen Gesinnung wahrgenommen. Die Öffentlichkeit dürfe daher voreiligen Schlüsse ziehen, sagten die Verteidiger Mohammad Abuershaid and David Chesley. Letzterer ergänzte mit Blick auf das mögliche Tatmotiv, Farook sei wegen seines Barts von Kollegen verspottet worden und isoliert gewesen.

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