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Sanktionen könnten fallen Im Iran beginnt eine entscheidende Phase

Unter der neuen Regierung gerät ein Ende der wirtschaftlichen Isolation des Iran in Sicht. Doch die Probleme des Landes sind damit noch lange nicht gelöst.

Ein Ende der wirtschaftlichen Isolation des Iran gerät in Sicht. Quelle: dpa

Keine einzige Absage bekam Daniel Bernbeck, Geschäftsführer der Deutsch-Iranischen Industrie- und Handelskammer (DIIHK), als er vor ein paar Tagen in Teheran die für Wirtschaftsfragen zuständigen Diplomaten aller europäischer Vertretungen zum Frühstück einlud. So etwas wäre vor drei Monaten noch eine triste Zusammenkunft gewesen, bei der es allenfalls um Einzelheiten des internationalen Sanktionsregimes gegen die iranische Nuklearpolitik gegangen wäre. Jetzt aber geht es um neue Chancen: Seit dem Genfer Abkommen zwischen dem Teheraner Regime und den internationalen Mächten Ende November sieht es so aus, als könnte der Iran schon bald wieder als respektables und finanzstarkes Schwellenland in die Weltwirtschaft zurückkehren. Kein EU-Land will da als Handelspartner fehlen, und alle wollen von dem Erfahrungsvorsprung der Deutschen profitieren.

Die größten Ölreserven der Welt
Eine Frau trocknet Wäsche auf einer Erdöl-Pipeline Quelle: ASSOCIATED PRESS
Libyen Quelle: REUTERS
Logo von Rosneft Quelle: ITAR-TASS
Ölraffinerie in den Vereinigten Arabischen Emiraten Quelle: AP
Ktar Quelle: REUTERS
Kuwait Quelle: REUTERS
Irak Quelle: REUTERS

Die deutsche Kammer hat in den Jahren der zunehmenden Sanktionen in Teheran ausgehalten, „und heute“, sagt Bernbeck, „bin ich der einzige Vertreter eines europäischen Wirtschaftsverbandes im Iran“. Deutschland, zusammen mit den fünf ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrates Kontrahent der Iraner bei den Genfer Verhandlungen, hat offenbar einen Startvorteil, falls der Iran wieder zum normalen Akteur auf der weltwirtschaftlichen Bühne werden sollte.

Bis dahin ist freilich noch ein weiter Weg. Das Genfer Abkommen mit seinen vertrackten Klauseln ist nur eine auf ein halbes Jahr begrenzte Zwischenlösung. In dieser Zeit soll der Iran seine Nuklearpläne einschränken, die USA im Gegenzug eingefrorene iranische Bankguthaben im Wert von mehreren Milliarden Dollar freigeben.

„Juristisch ist nichts Greifbares passiert, aber die Stimmung hat sich seit Genf radikal geändert“, sagt ein deutscher Geschäftsmann, der in Teheran aufgewachsen ist und seit vielen Jahren deutsche Unternehmen im Iran berät. Konsumgüter wurden auch nach Verschärfung der Sanktionen legal in den Iran exportiert, und die ebenso wichtige wie marode iranische Öl- und Gasindustrie bezog immer noch Ersatzteile aus Deutschland. So etwas allerdings wurde auf Umwegen ins Land geschmuggelt: wahrscheinlich über China, auch wenn die Volksrepublik als Sicherheitsratsmitglied zu den Urhebern der Sanktionen gehörte, und ganz bestimmt über Dubai, obwohl die Vereinigten Arabischen Emirate jetzt über die angeblich wachsende militärische Bedrohung durch den Iran klagen.

Irans Wirtschaft in Zahlen

Jedes Geschäft mit dem Iran muss immer noch mit der Schwierigkeit fertig werden, dass keine europäische Bank mitmachen will oder darf. Und die iranischen Banken, samt und sonders staatlich oder Funktionären des Regimes eng verbunden, stehen alle auf den Sanktionslisten der USA und der EU-Kommission. „Die Sanktionsarchitektur bleibt erhalten“, heißt das in der offiziellen Sprache der Bundesregierung.

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